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Das Wetterhorn
  • Das Wetterhorn
  • Bild
  • Karl Eduard Biermann (26.7.1803 - 16.6.1892), Maler
  • 1830
  • Öl auf Leinwand
  • 116 x 139 cm
  • Ident.Nr. W.S. 16
  • 1861 Vermächtnis des Bankiers Joachim Heinrich Wilhelm Wagener als Gründungssammlung der Nationalgalerie
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Description
Provenienz
Nach seiner Rückkehr aus Italien und der Schweiz widmete sich Karl Eduard Biermann mehrfach der Alpenlandschaft. In dieser Ansicht aus dem Berner Oberland ist der Blick vom Rosenlaui auf den Rosenlauigletscher, das Große und das Kleine Wellhorn und das Wetterhorn dargestellt. Schon Joseph Anton Koch (1824) und Ernst Ferdinand Oehme (1829, Nationalgalerie, Inv.-Nr. A II 443) hatten diese Gipfel gemalt, wenige Jahre später auch August Wilhelm Schirmer (1839, Museum Kunstpalast, Düsseldorf). Der Katalog der Berliner Akademieausstellung von 1832 hebt hervor, das Biermann’sche Bild sei »nach der Natur« gemalt: Es ist, ebenso wie die beiden anderen von Wagener erworbenen Bilder (Inv.-Nr. W.S. 17 und W.S. 18), eine Frucht der Reise des Künstlers durch die Alpen.
Indessen nutzte der Künstler, der das Wetterhorn-Motiv auch für Carl Gropius’ Diorama gemalt hatte, seine Erfahrungen als Theatermaler. Schon bei der Wahl des Formats waren sie wirksam. Die Pläne sind kulissenartig gestaffelt, die kontrastreiche Beleuchtung ist auf den höchsten Effekt zugespitzt. Der chaotische Vordergrund läßt die zerstörerischen Potenzen der Natur, die Wirkung der Stürme und der Wildwasser, erkennen. Nur die Ferne ist befriedet: »Durch das zertheilte Regengewölk«, heißt es im Katalog der Sammlung Wagener, »erglänzen im hellsten Sonnenscheine die Gipfel« (Verzeichniss der Gemälde-Sammlung des J. H. W. Wagener, Berlin 1861, S. 10, Kat.-Nr. 16). Die beiden Jägerfiguren verkörpern Mühsal und Besinnung. In solchen Kompositionen mußten Zeitgenossen eine Heilssymbolik wahrnehmen, auch wenn sie nicht eigens unterstrichen wurde. Wenn auch die kühle Farbigkeit und der glatte Farbauftrag an Caspar David Friedrich denken lassen – der in Berlin nicht unbekannt war –, so vertritt Biermann doch, mit seiner Entscheidung für das auch äußerlich Dramatische und für additive Motivfülle, eine andere Seite der Romantik. Im Vergleich mit dem zweiten großen Gebirgsmaler der älteren Generation, Joseph Anton Koch, erweist sich Biermanns Blick als bedeutend begrenzter und mehr auf den Gegenstand als auf den räumlichen Zusammenhang bezogen. | Claude Keisch


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. links unten (auf einem Stein): EBiermann 1830

AUSSTELLUNGEN
– Berliner Akademie-Ausstellung, Berlin, Königliche Akademie der Bildenden Künste, 1830
– Ausstellung des künstlerischen Nachlasses von Paul Graeb und Karl Eduard Biermann. XXXIII. Sonderausstellung der National-Galerie, Berlin, Königliche National-Galerie zu Berlin, 1893
– Kunst in Berlin. 1648-1987, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin im Alten Museum, 10.6.-25.10.1987
– Die Kunst der Aufklärung, Peking, chinesisches Nationalmuseum, 01.04.2011-31.03.2012

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Beijing 2011: Die Kunst der Aufklärung. Eine Ausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin, der Staatlichen Kunstsammlungen Dresdenm der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München und des National Museum of China, Ausst.-Kat. National Museum of China, Beijing, 2011, S. 256, Kat.-Nr. 160
– Ausst.-Kat. Berlin 1830: Verzeichniß derjenigen Kunstwerke, welche von der Königlichen Akademie der Künste [...] öffentlich ausgestellt sind, Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin, 1830, Kat.-Nr. 43
– Ausst.-Kat. Berlin 1893: Ausstellung des künstlerischen Nachlasses von Paul Graeb und Karl Eduard Biermann, Ausst.-Kat. Königliche Nationalgalerie, Berlin 1893, Kat.-Nr. 182
– Ausst.-Kat. Berlin 1987: Kunst in Berlin 1648-1987, Ausst.-Kat. Altes Museum, Berlin 10.6.-25.10.1987, S. 242, Kat.-Nr. F 33, Abb. S. 243
– Ausst.-Kat. Berlin 2011: Die Sammlung des Bankiers Wagener. Die Gründung der Nationalgalerie, hrsg. v. Birgit Verwiebe, Angelika Wesenberg und Udo Kittelmann, Ausst.-Kat. Alte Nationalgalerie, Berlin 23.3.2011-8.1.2012, Kat-Nr. 16
– Boetticher 1891: Friedrich Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Leipzig, Schmidt & Günther, 1891, Bd. I, 1, S. 98 f., Kat.-Nr. 3
– Jordan 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin, bearb. v. Max Jordan, Berlin, Mittler & Sohn, 1876, 2. Aufl., S. 61, Kat.-Nr. 27
– Kugler 1838: Verzeichniss der Gemälde-Sammlung des Königl. Schwedischen und Norwegischen Consuls J. H. W. Wagener zu Berlin, hrsg. v. Franz Kugler, Berlin 1838, S. 29, Kat.-Nr. 39
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1876-1902, Kat.-Nr. 27
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 76 mit Abb.
– Waagen 1861: Verzeichniss der Gemälde-Sammlung des am 18. Januar 1861 zu Berlin verstorbenen Königlichen Schwedischen und Norwegischen Konsuls J. H. W. Wagener, welche durch letztwillige Bestimmung in den Besitz Seiner Majestät des Königs übergegangen ist, hrsg. v. Gustav Friedrich Waagen, Berlin 1861, S. 10, Kat.-Nr. 16
– Waagen 1866: Verzeichniß der Gemälde-Sammlung des J. H. W. Wagener, hrsg. v. Gustav Friedrich Waagen, Berlin 1866, 1850, Kat.-Nr. 13
– Wesenberg 2001: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig, Seemann, 2001, S. 44, Kat.-Nr. 29 mit Farbabb.
– Weyl 1842: Louis Weyl, Der Führer durch die Kunstsammlungen Berlins, Berlin, Oehmigke's Buchhandlung, 1842, Kat.-Nr. 39


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