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Bildnis Richard Wagner
  • Bildnis Richard Wagner
  • Bild
  • Franz von Lenbach (13.12.1836 - 6.5.1904), Maler
  • um 1878
  • Öl auf Holz
  • 71,5 x 55,5 cm
  • Ident.Nr. A I 765
  • 1902 Vorlaß der Mary Levi (spätere Balling), München und Partenkirchen, aus der Sammlung ihres verstorbenen Ehemanns Hermann Levi; 1919 endgültige Übergabe nach dem Tod der Stifterin
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Klaus Göken
Description
Provenienz
Nicht so zahlreich wie Bismarck, aber doch oft hat Lenbach den Komponisten und Kapellmeister Richard Wagner (1813–1883) gemalt, die wachsende Wagnergemeinde garantierte steten Absatz. Lenbach selbst war kein Wagnerianer, wie aus etlichen seiner Äußerungen hervorgeht, aber Wagner schätzte Lenbach. An Friedrich Nietzsche schrieb er 1872 nach der Lektüre von dessen »Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik«: »Zu Cosima sagte ich, nach ihr kämen gleich Sie; dann lange kein anderer bis zu Lenbach, der ein ergreifend richtiges Bild von mir gemacht hat!« (Richard Wagner in seinen Briefen, Stuttgart 1907, S. 69).
Im Dezember 1871 hatte Wagner an mehreren Tagen in München bei Lenbach zu einem Porträt als Geschenk für Cosima Wagner Modell gesessen. Arnold Böcklin und der Bildhauer Lorenz Gedon nutzten diese Sitzungen für eigene Studien des Komponisten. Keines der damals konzipierten Werke wurde vollendet. Lenbach sandte vorerst ein Profilbild mit Barett, als Skizze bezeichnet, an Richard Wagner (Privatbesitz). Das als ›ergreifend richtige Bild‹ gelobte Werk entstand nach einer kurz zuvor aufgenommenen Fotografie von Franz Hanfstaengl. In der Folgezeit malte Lenbach den Komponisten auch nach anderen Fotografien, die meist von Cosima Wagner in Auftrag gegeben und zur Verfügung gestellt wurden. So fertigte Lenbach um 1874 mehrere Bildnisse nach dem Brustausschnitt einer 1873/74 entstandenen Fotografie von Adolph von Gross, nach der es später auch eine Radierung von William Unger gab. Die mehrfache Ausführung erklärt, warum Lenbach 1898 für den geplanten Ankauf eines der Exemplare durch die Nationalgalerie (Inv.-Nr. A I 640) um die Bestätigung seiner Autorschaft auf der Rückseite des Bildes gebeten wurde.
Nach einer der etwa acht Aufnahmen aus der Serie des Londoner Fotoateliers Elliot & Fry vom Mai 1877 wiederum malte Lenbach umgehend ein Wagnerporträt für den Hofkapellmeister Hermann Levi (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 765). Niemand aus dem Umkreis Lenbachs und Wageners schien an dieser Art der Bildnisproduktion Anstoß genommen zu haben. Cosima Wagner schrieb am 28. August 1878 an Lenbach: »Kapellmeister Levy wird Ihnen erzählt haben dass ich durchaus wollte, dass er mir das Portrait schenkte das er von Ihnen erhalten. Er thut es aber nicht!« (zit. nach: M. Geck, Die Bildnisse Richard Wagners, München 1970, S. 151). | Angelika Wesenberg


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. rechts oben: F. Lenbach

AUSSTELLUNGEN
– Schätze der Weltkultur von der Sowjetunion gerettet, Berlin (Ost), Staatliche Museen zu Berlin, National-Galerie

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1958: Schätze der Weltkultur von der Sowjetunion gerettet, Ausst.-Kat. Pergamonmuseum, Berlin 1958; Nationalgalerie, Berlin 1958, Kat.-Nr. H 37
– Geck 1970: Martin Geck, Die Bildnisse Richard Wagners, München, Prestel, 1970, S. 38-42, 151, Nr. 30a
– Mehl 1980: Sonja Mehl, Franz von Lenbach in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München, München, Prestel, 1980, S. 133 f., Nr. 253
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S., Abb. 114
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 508 mit Abb.
– Wagner 1907: Richard Wagner, Richard Wagner in seinen Briefen, hrsg. v. Erich Kloss, Stuttgart, Greiner und Pfeiffer, 1907, vgl. S. 69
– Wesenberg 2001: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig, Seemann, 2001, S. 229 f., Kat.-Nr. 260, Farbabb. S. 230


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