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Der Reichskanzler Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst
  • Der Reichskanzler Fürst Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst
  • Bild
  • Franz von Lenbach (13.12.1836 - 6.5.1904), Maler
  • 1896
  • Öl auf Leinwand
  • 73,5 x 60,5 cm
  • Ident.Nr. A I 614
  • 1897 Ankauf vom Künstler
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Klaus Göken
Description
Lenbachs Ruhm begann schon bei Lebzeiten zu schwinden, seine repräsentative, sich an historischen Stilen orientierende Porträtmalerei war am Ende des 19. Jahrhunderts obsolet geworden. Hugo von Tschudi aber erwarb 1897 vom Künstler, sicher nicht nur aus taktischen Gründen, das Bild des Reichskanzlers Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst (1819–1901). Tschudi hatte die Sammlung von Bildnissen bedeutender Zeitgenossen fortzuführen, was ihn aber dazu bewog, sich für dieses Werk zu entscheiden, war vermutlich die scharfe, treffende Charakterisierung der Person, der eine frei skizzierende und lebhafte Pinselschrift entsprach.
Der 1894 zum Reichskanzler und preußischen Ministerpräsidenten ernannte Hohenlohe ist als ein bei fein und klug zurückhaltender Art dennoch energischer Politiker dargestellt. Der umgelegte Pelz ist nur skizzenhaft in dünnen Lasurfarben gegeben, durch die Linienführung und Farbgebung ist allein der Kopf mit der hochgewölbten Stirn und den hellen, scharf blickenden Augen betont. Das Individuelle in Stil und Gehalt aber spielte für Tschudi und in der Kunsthistorie um 1900 eine wichtige Rolle.
Lenbach hat in diesem Bereich seiner Porträtmalerei stets den charakteristischen Zug eines Gesichtes wirkungsvoll herauszuholen versucht. Sehr oft dienten ihm Fotografien als Grundlage, sie bürgten für wiedererkennbare Züge. Virtuos ästhetisierte und stilisierte er dann Frauen wie Männer zu besonderen, der Allgemeinheit enthobenen Persönlichkeiten – berückend schön die Frauen, geist- und charaktervoll die Männer. Der Nähe zum Klischee ist er vor allem bei ersterer Personengruppe nicht immer entgangen. Lenbach selbst ahnte, daß nur die wirklich empfundenen Werke von seinem Œuvre bleiben würden. 1894 wurde er in London gefragt, wie er die Nachwirkung seines Werkes einschätze. Klarsichtig antwortete er: »Was das anlangt, so denke ich, dass ich möglicherweise eine Aussicht auf Nachruhm haben kann, aber nur dann, wenn Individualisierung und Charakterisierung von bleibendem Wert in einem Bilde angesehen werden. Dies werde ich aber nie wissen, da es nur von den Nachkommen beurteilt werden kann« (zit. nach: Franz von Lenbach, Ausst.-Kat., München 1986, S. 10). | Angelika Wesenberg


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. rechts oben: F. Lenbach / 1896.; unten (am Keilrahmen umgeschlagen): Fürst Chlodwig von Hohenlohe 1896

AUSSTELLUNGEN
– Im Tempel der Kunst. Die Künstlermythen der Deutschen, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie, 1.10.2008-18.1.2009

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 2008: Im Tempel der Kunst. die Künstlermythen der Deutschen, hrsg. v. Bernhard Maaz, Ausst.-Kat. Alte Nationalgalerie, Berlin 1.10.2008-18.1.2009, S. 130 f., 156, Kat. 104, Farbabb. S. 131
– Ausst.-Kat. München 1986: Franz von Lenbach 1836-1904, hrsg. von Rosel Gollek, Winfried Ranke, Ausst.-Kat. Lenbachhaus, München 14.12.1986-3.5.1987, S. 10
– Keisch 2005: Die Alte Nationalgalerie Berlin, hrsg. v. Claude Keisch, London, Beck, Scala, 2005, S. 107, Kat.-Nr. 118 mit Farbabb.
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1898-1934, Kat.-Nr. 749
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 514 mit Abb.
– Rave 1949: Paul Ortwin Rave, Deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts, Berlin, Mann, 1949, S. 326, Taf. 195
– Rosenberg 1898: Adolf Rosenberg, Lenbach, Bielefeld, Leipzig, Velhagen & Klasing, 1898, S. 66, 118
– Wesenberg 2001: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig, Seemann, 2001, S. 230, Kat.-Nr. 261 mit Farbabb.


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