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Frau in Trauer (Antigone)
  • Frau in Trauer (Antigone)
  • Bild
  • Anselm Feuerbach (12.9.1829 - 4.1.1880), Maler
  • 1847
  • Öl auf Karton
  • 29,5 x 22,5 cm
  • Ident.Nr. A I 758
  • 1902 Vorlaß der Mary Levi (spätere Balling), München und Partenkirchen, aus der Sammlung ihres verstorbenen Ehemanns Conrad Fiedler; 1919 endgültige Übergabe nach dem Tod der Stifterin
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Description
Provenienz
Die kleine Studie »Frau in Trauer (Antigone)« malte Feuerbach, wie überzeugend von Jürgen Ecker im Werkverzeichnis (München 1991, S. 75) dargelegt wurde, in Bezug auf den Tod des von ihm tief verehrten Felix Mendelssohn Bartholdy am 4. November 1847. An die Mutter schrieb er: »Ich begreife jetzt noch nicht, wie ein solcher Mensch sterben kann, ich war ganz erstarrt; ich bin stolz auf das liebreiche Interesse, das er an mir nahm, die Komposition, die er gesehen, soll über mein Bett kommen. – Den 5ten höre ich seine Antigone mit dem Bachuschor, ich will ihn auch seiner würdig komponieren« (A. Feuerbach, Briefe an seine Mutter, Berlin 1911, Bd. 1, S. 156).
Mendelssohn Bartholdys Oratorium für Männerchor und Orchester zur »Antigone« des Sophokles in der Übersetzung durch Friedrich Hölderlin und in der Bühnenbearbeitung von Ludwig Tieck war zu dieser Zeit überaus populär. Selbst während der Beerdigungszeremonie für Mendelssohn Bartholdy wurde die Einleitungsmusik aus »Antigone« gespielt. Auf den Sprechgesang zwischen Chor und Antigone im vierten Aufzug des Oratoriums wohl nimmt Feuerbach mit seinem Erinnerungsbild Bezug. Chor: »Da zur Kammer, die alle bettet, ich / Dort sehe Antigone schreiten.« Antigone: »Seht mich, o ihr / Des väterlichen Landes Bürger, / Den letzten Weg / Gehen und das letzte Licht / Schauen der Sonne, […]« und wieder der Chor: »Doch gehst du ruhmvoll so und mit Lob / In diese Kammer der Toten! / Dich schlugen verzehrende Krankheiten nicht / Noch empfingst du das Handgeld der Schwerter, / Sondern nach eigenem Gesetz / Gehst lebend du / Als einzige unter den Sterblichen / Hinab in das Reich der Toten!«
Die klar komponierte Studie gelangte in den Besitz des Kunsthistorikers Conrad Fiedler, der die Deutschrömer, insbesondere Hans von Marées und Adolf Hildebrand, früh ideell und finanziell unterstützte. Vermutlich begründete das kleine Bild, das seine besondere Aura aus der Farbgebung bezieht – den beiden schwarz- bzw. weißgekleideten Frauen unter einem grünlichen Himmel, vor der von den letzten Sonnenstrahlen beleuchteten Wand der Grabkammer –, die Beziehung zwischen Feuerbach und dem Sammler Fiedler. Mit der Witwe kam das Bild dann an den Münchner Dirigenten Hermann Levi. | Angelika Wesenberg


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
nicht bezeichnet

AUSSTELLUNGEN
– Feuerbach-Ausstellung zur Feier des 100. Geburtstages des Meisters. Zeichnungen und Aquarelle geistesverwandter Künstler des 19. Jahrhunderts, München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Sept. - Okt. 1929
– Adolph Menzel und seine Zeit. Gemälde der Berliner National-Galerie aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, Celle, Herzogschloß, 19.12.1949-12.2.1950
– Anselm Feuerbach, Speyer, Historisches Museum der Pfalz, 15.9.2002-19.1.2003
– Kleine Meisterwerke, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie, 30.03.2017-30.07.2017

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Celle 1949: Adolph Menzel und seine Zeit. Gemälde der Berliner National-Galerie aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, hrsg. von Lothar Pretzell, Ausst.-Kat. Schloss Celle 19.12.1949-12.2.1950, S. 17, Kat.-Nr. 12
– Ausst.-Kat. München 1929: Feuerbach-Ausstellung zur Feier des 100. Geburtstages des Meisters. Verbunden mit einer Ausstellung von Zeichnungen geistesverwandter Künstler des 19. Jahrhunderts, Ausst.-Kat. Neue Pinakothek, München 9.-10.1929, S. 15, Kat.-Nr. 8
– Ausst.-Kat. Speyer 2002: Anselm Feuerbach, Ausst.-Kat. Historisches Museum der Pfalz, Speyer, 15.9.-19.1.2003, S. 100-101 mit Taf.
– Brauer/Jannasch 1968: Verzeichnis der vereinigten Kunstsammlungen Nationalgalerie, Preussischer Kulturbesitz, Galerie des 20. Jahrhunderts, Land Berlin, bearb. v. Heinrich Brauer und Adolf Jannasch, Berlin, Mann, 1968, S. 61
– Honisch 1979: Dieter Honisch, Die Nationalgalerie Berlin, Recklinghausen, Bongers, 1979, S. 163, 330, Abb. 135
– Nationalgalerie 1976: Nationalgalerie. Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen des 19. Jahrhunderts, bearb. v. Barbara Dieterich und Peter Krieger und Elisabeth Krimmel-Decker, Berlin 1976, S. 110 mit Abb.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 230 mit Abb.
– Paul-Pescatore 1939: Anni Paul-Pescatore, Anselm Feuerbach. Briefe an die Mutter, Berlin, Königsberg, Leipzig, Kanter, 1939, S. 326, Taf. 1 nach S. 16
– Uhde-Bernays 1913: Hermann Uhde-Bernays, Feuerbach. Des Meisters Gemälde in 200 Abbildungen, Stuttgart, Berlin, Deutsche Verlagsanstalt, 1913, S. XVII, Taf. 12 (?)
– WVZ Allgeyer 1904: Julius Allgeyer, Anselm Feuerbach, Berlin, Stuttgart, Spemann, 1904, 2. Aufl., Bd. 2, S. 113 f., 514, Kat.-Nr. 51
– WVZ Ecker 1991: Jürgen Ecker, Anselm Feuerbach. Leben und Werk. Kritischer Katalog der Gemälde, Ölskizzen und Ölstudien, München, Hirmer, 1991, S. 75 ff., Kat.-Nr. 40 mit Abb.
– WVZ Uhde-Bernays 1929: Hermann Uhde-Bernays, Anselm Feuerbach. Katalog seiner sämtlichen Gemälde, München, Bruckmann, 1929, Kat.-Nr. 30, Abb. 24


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