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Gotische Klosterruine und Baumgruppen
  • Gotische Klosterruine und Baumgruppen
  • Bild
  • Karl Friedrich Schinkel (13.3.1781 - 9.10.1841), Maler
  • 1809
  • Öl auf Leinwand
  • 239 x 635 cm
  • Ident.Nr. NG 8/50
  • 1923 mit der Sammlung des Beuth-Schinkel-Museums in die Verwaltung der Nationalgalerie übergegangen
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Jörg P. Anders
Beschreibung
Provenienz
Zu Beginn seiner Karriere, als Karl Friedrich Schinkel mit öffentlichen Ausstellungen von Schaubildern und Panoramen in Berlin Aufmerksamkeit erregte, entstand eines seiner frühen monumentalen Gemälde. 1809 hatte er »ein grosses vortreffliches Tapetenbild […] für den verstorbenen Hof-Zimmermeister Glatz, in der kurzen Frist von drei Wochen gemalt; dasselbe stellt die Küste von Genua, der Schinkel auf der rechten Seite des Vordergrundes ein altes Kloster als freie Composition hinzugefügt hat, dar«, erinnerte sich Franz Kugler (Karl Friedrich Schinkel, eine Charakteristik seiner künstlerischen Wirksamkeit, Berlin 1842, S. 147). Nachdem das Glatzsche Haus in der Neuen Packhofstr. 3/4 im Jahre 1853 dem Bau des Neuen Museums weichen mußte, erwarb Friedrich Wilhelm IV. das sechs Meter lange Bild für Schloß Monbijou. Später gelangte das Werk in das Schinkel-Museum, seit 1950 ist es im Besitz der Nationalgalerie.
Wie in einer Bilderzählung schildert Schinkel das Panorama einer südlichen Landschaft, in der Architekturmotive vergangener Epochen und Bäume verschiedenen Alters zusammengeführt sind und auf den Gedanken der Entwicklung verweisen. Links ist ein antikes, von Pflanzen überwachsenes Grabdenkmal zu sehen, Baumwurzeln drohen, sein Fundament zu zerstören. Im Zentrum des Bildes ragen Pfeiler einer mittelalterlichen Ruine wie Stämme eines Waldes auf. Auch hier hat sich die Vegetation bereits der Baukunst bemächtigt. Zwei Wanderer durchschreiten die geschichtsträchtige Landschaft. Lagernde Rinder lassen an Arkadien denken. Am rechten Bildrand sind das Grabmal eines Ritters und ein reich gegliederter, von dichtem Baumlaub halb verborgener gotischer Dom dargestellt. Dieses Motiv, in dem sich die romantische Idee der geistigen Vollendung der Natur im Architekturwerk ausdrückt, greift Schinkel ein Jahr später in seiner Lithographie »Dom hinter Bäumen« wieder auf. Eine quadrierte Vorzeichnung wird im Kupferstichkabinett, Berlin, bewahrt (Aquarell, 1809, 19,3 × 41,3 cm). | Birgit Verwiebe


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
nicht bezeichnet

AUSSTELLUNGEN
– Karl Friedrich Schinkel. Architektur, Malerei, Kunstgewerbe, Berlin, Staatliche Schlösser und Gärten und Staatliche Museen, Nationalgalerie, in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg, 13.3.-13.9.1981
– Romantik und Mittelalter. Architektur und Natur in der Malerei nach Schinkel, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie, 14.9.2012-6.1.2013

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1981: Karl Friedrich Schinkel. Architektur; Malerei; Kunstgewerbe, hrsg. v. Helmut Börsch-Supan und Lucius Grisebach, Ausst.-Kat. Staatliche Schlösser und Gärten, Potsdam, und Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, 13.3.-13.9.1981, S. 228 f., Kat.-Nr. 144, Farbabb. S. 43
– Ausst.-Kat. Berlin 2012: Angelika Wesenberg, Romantik und Mittelalter. Architektur und Natur in der Malerei nach Schinkel, Ausst.-Kat. Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie, 14.9.2012-6.1.2013, S. 5-8, Abb. S. 6-7
– Ausst.-Kat. Berlin 2012: Karl Friedrich Schinkel. Geschichte und Poesie, hrsg. v. Hein-Th. Schulze Altcappenberg, Rolf H. Johannsen und Christiane Lange, Ausst.-Kat. Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett, Berlin, 7.9.2012-6.1.2013; Kunsthalle der Hypo Kulturstiftung, München, 1.2.-12.5.2013, S. 71, Kat.-Nr. 36
– Börsch-Supan 2007: Helmut Börsch-Supan, Bild-Erfindungen, Berlin, Deutscher Kunstverlag, 2007, S. 299 f., Kat.-Nr. 163 mit Abb., Farbabb. S. 129, Farbtaf. IXa
– Brauer/Jannasch 1968: Verzeichnis der vereinigten Kunstsammlungen Nationalgalerie, Preussischer Kulturbesitz, Galerie des 20. Jahrhunderts, Land Berlin, bearb. v. Heinrich Brauer und Adolf Jannasch, Berlin, Mann, 1968, S. 179
– Grisebach 1981: Lucius Grisebach, Zu Schinkels Gemälden, in: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz, (1981), Bd. 19, S. 59-75, S. 67
– Honisch 1979: Dieter Honisch, Die Nationalgalerie Berlin, Recklinghausen, Bongers, 1979, S. 94, 342, Abb. 15
– Kugler 1842: Franz Kugler, Karl Friedrich Schinkel. Eine Charakteristik seiner künstlerischen Wirksamkeit, Berlin, Gropius, 1842, S. 147
– Mösl 2012: Kristina Mösl, Unsichtbar – sichtbar. Infrarotuntersuchungen zu Schinkels Gemälden und ihren Unterzeichnungen, in: Karl Friedrich Schinkel. Geschichte und Poesie. Das Studienbuch, hrsg. v. Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Rolf H. Johannsen, Berlin, Deutscher Kunstverlag, 2012, S. 143-155, S. 153-154, Abb. 12
– Nationalgalerie 1976: Nationalgalerie. Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen des 19. Jahrhunderts, bearb. v. Barbara Dieterich und Peter Krieger und Elisabeth Krimmel-Decker, Berlin 1976, S. 348 f. mit Abb.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 732 mit Abb.
– Sydow 1921: Eckart von Sydow, Karl Friedrich Schinkel als Landschaftsmaler, in: Monatshefte für Kunstwissenschaft, 14. Jg. (1921), S. 262-363, S. 245, Abb. 1
– Waagen 1875: Gustav Friedrich Waagen, Carl Friedrich Schinkel als Mensch und Künstler (erstmals erschienen in: Berliner Kalender auf das Schalt-Jahr 1844), in: Kleine Schriften, Stuttgart, Ebner & Seubert, 1875, S. 323
– Wolzogen 1862-64: Alfred von Wolzogen (Hrsg.), Aus Schinkel's Nachlaß. Reisetagebücher, Briefe und Aphorismen, Katalog des künstlerischen Nachlasses, 4 Bde. (Nachdruck der Ausgabe Berlin 1862-64), Mittenwald, Mäander, 1981, Bd. 2, 1862, S. 338, Kat.-Nr. 4; Bd. 3, S. 400, Kat.-Nr. 26; Bd. 4, 1864, S. XVI, Kat.-Nr. 35, S. 550 f., Kat.-Nr. II C. b. 68, und S. 601, Kat.-Nr. 1
– Wolzogen 1864: Alfred von Wolzogen, Schinkel als Architekt, Maler und Kunstphilosoph. Ein Vortrag, gehalten im Verein für Geschichte der bildenden Künste zu Breslau, in: Zeitschrift für Bauwesen, 14. Jg. (1864), S. 241


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