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Bildnis des Bildhauers Gottfried Schadow
  • Bildnis des Bildhauers Gottfried Schadow
  • Bild & Pendant
  • Friedrich Georg Weitsch (8.8.1758 - 30.5.1828), Maler
  • 1795
  • Öl auf Leinwand
  • 60,5 x 46 cm
  • Ident.Nr. A II 200
  • 1918 Ankauf von Franz Gassmann, Berlin
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Klaus Göken
Description
Provenienz
Die von Friedrich Georg Weitsch gemalten Bildnisse des Berliner Hofbildhauers Johann Gottfried Schadow und seiner ersten Ehefrau Marianne (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A II 200 und 201) zeigen ein unkonventionelles Paar, dessen Liebesgeschichte den Stoff für einen Roman in der Art von Friedrich Schlegels »Lucinde« (1799) hätte abgeben können. Der junge Schadow (1764–1850) war bereits der Tochter seines Lehrmeisters Jean-Pierre-Antoine Tassaert versprochen, als er im Berliner Salon der Henriette Herz die fünf Jahre ältere Marianne Devidels (1758–1815) kennenlernte, eine aus Wien stammende, wegen eines unehelichen Kindes in ein Kloster geflohene und dort 1779 getaufte Jüdin. Das Paar war 1785 nach Italien gereist, wo Gottfried Schadow zum Katholizismus übertrat, um Marianne heiraten zu können. Wieder in Berlin und im Dienste des preußischen Hofes kehrte er 1787 zum Protestantismus zurück.
Marianne Schadow ist im Dreiviertelprofil wiedergegeben. Ihre roten Lippen, die erröteten Wangen, das üppige Haar und der weite Ausschnitt ihres blauen Kleides verleihen der klug und selbstbewußt wirkenden Frau Sinnlichkeit. Im Zusammenspiel der beiden Bildnisse wendet sie sich ihrem Gatten zu. Auch dieser begegnet dem Betrachter als beeindruckende Persönlichkeit. Die leichte Drehung seines Kopfes belebt das ›en face‹ angelegte Porträt Schadows. Der in Faltenwürfen geöffnete Hemdkragen verleiht dem Bildhauer eine gewisse jugendliche Nonchalance, während der konzentrierte Blick und die markanten Gesichtszüge Entschlossenheit und die hohe Stirn künstlerische Inspiration signalisieren.
Weitsch und Schadow waren sich schon vor der Entstehung dieser Bildnisse in Rom begegnet. Mitte der 1790er Jahre trafen sie in Berlin wieder zusammen und wurden, da sie beide in der Neuen Münze am Werderschen Markt Quartier bezogen, überdies Nachbarn. Auch auf künstlerischem Gebiet kreuzten sich ihre Wege: 1795 präsentierte Weitsch auf der Akademieausstellung sein programmatisches Gemälde, auf dem Prinzessin Luise und ihre Schwester Friederike die von Schadow geschaffene Büste Friedrich Wilhelms II. bekränzen (Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Potsdam). Zeitgleich schuf Schadow die erste Fassung seines berühmten Doppelstandbildes der Prinzessinnen Luise und Friederike (Inv.-Nr. B II 34), das heute zu den Hauptwerken der Nationalgalerie zählt. | Birgit Verwiebe


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
nicht bezeichnet

AUSSTELLUNGEN
– Berliner Akademie-Ausstellung, Berlin, Königliche Akademie der Bildenden Künste, 1795
– Berliner Bildnisse aus drei Jahrhunderten, München, Städtische Galerie, 1.6.-1.7.1962
– Berlin Museum, Berlin (West), Berlin Museum, 1964
– Berlin zwischen 1789 und 1848. Facetten einer Epoche, Berlin (West), Akademie der Künste, 30.8.-1.11.1981
– " ... und abends in Verein". Johann Gottfried Schadow und der Berlinische Künstler Verein 1814-1840, Berlin (West), Berlin Museum, 1983
– Johann Gottfried Schadow und die Kunst seiner Zeit, Düsseldorf, Kunsthalle, 5.11.1994-29.1.1995
– Johann Gottfried Schadow und die Kunst seiner Zeit, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, 14.7.-24.9.1995
– Johann Gottfried Schadow und die Kunst seiner Zeit, Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, 30.3.-18.6.1995
– Im Tempel der Kunst. Die Künstlermythen der Deutschen, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie, 1.10.2008-18.1.2009

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1795: Verzeichniß der zu der Kunstausstellung der Königl. Akademie der bildenden Künste [...] eingesandten Gemälde, Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin, 1795, S. 27, Kat.-Nr. 85
– Ausst.-Kat. Berlin 1981: Berlin zwischen 1789 und 1848. Facetten einer Epoche, hrsg. v. Sonja Günther, Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin 30.8.-1.11.1981, S. 349, Kat.-Nr. 5.155, Abb. S. 332
– Ausst.-Kat. Berlin 1983: " ... und abends in Verein". Johann Gottfried Schadow und der Berlinische Künstler Verein 1814-1840, hrsg. von Sybille Gramlich und Rolf Bothe, Ausst.-Kat. Berlin Museum 17.9.1983-30.10.1983, S. 49 f., Kat.-Nr. 21 mit Abb.
– Ausst.-Kat. Berlin 2008: Im Tempel der Kunst. die Künstlermythen der Deutschen, hrsg. v. Bernhard Maaz, Ausst.-Kat. Alte Nationalgalerie, Berlin 1.10.2008-18.1.2009, S. 46, 152, Kat. 9, Farbabb. S. 46
– Ausst.-Kat. Düsseldorf 1994: Johann Gottfried Schadow und die Kunst seiner Zeit, hrsg. v. Bernhard Maaz, Ausst.-Kat. Kunsthalle Düsseldorf 5.11.1994-29.1.1995; Germanisches Nationalmuseum Nürnberg 23.2.-7.5.1995; Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Berlin 5.-7.1995, S. 201 f., Kat.-Nr. 2 mit Abb., Farbabb. S. 129
– Ausst.-Kat. München 1962: Berliner Bildnisse aus drei Jahrhunderten, hrsg. von Irmgard Wirth,Dora Lüttgen, Ausst.-Kat. Städtische Galerie München 1.6.1962-1.7.1962, Kat.-Nr. 91, Taf. o. S.
– Brauer/Jannasch 1968: Verzeichnis der vereinigten Kunstsammlungen Nationalgalerie, Preussischer Kulturbesitz, Galerie des 20. Jahrhunderts, Land Berlin, bearb. v. Heinrich Brauer und Adolf Jannasch, Berlin, Mann, 1968, S. 223
– Mackowsky, Schadow, o. J., Bd. 2, Kap. 1, S. 40
– Müller-Klocke 1990: Anette Müller-Klocke, Friedrich Georg Weitsch 1758-1828. Ein Maler zwischen zwei Epochen, Berlin 1990, S. 30 f., 107-109, Kat.-Nr. 30
– Museumsjournal: Museumsjournal. Berichte aus den Museen, Schlössern und Sammlungen in Berlin und Potsdam, Berlin, 17. Jg., Nr. I, Januar 2003, S. 15-18, Farbabb. S. 15
– Nationalgalerie 1976: Nationalgalerie. Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen des 19. Jahrhunderts, bearb. v. Barbara Dieterich und Peter Krieger und Elisabeth Krimmel-Decker, Berlin 1976, S. 450 mit Abb.
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 900 mit Abb.
– Oschilewski 1978: Walther G. Oschilewski, Erinnerung an Friedrich Georg Weitsch, in: Der Bär von Berlin. Jahrbuch des Vereins für die Geschichte Berlins, hrsg. v. Gerhard Kutzsch und Claus P. Mader, (1978), S. 24-40, S. 36, 38 f.
– Steinbrucker 1921: Charlotte Steinbrucker (Hrsg.), Briefe Daniel Chodowieckis an Anton Graff, Berlin, Leipzig, Gruyter & Co., 1921, S. 152, 156
– Thieme/Becker 1907-1950: Ulrich Thieme und Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Leipzig, Engelmann, 1907-1950, Bd. 35, 1942, S. 349
– Wirth 1990: Irmgard Wirth, Berliner Malerei im 19. Jahrhundert. Von der Zeit Friedrichs des Großen bis zum Ersten Weltkrieg, Berlin, Siedler, 1990, Abb. 49, S. 50
– WVZ Lacher 2003: Reimar F. Lacher, Friedrich Georg Weitsch, Maler - Kenner - Akademiker, Berlin, Mann, 2003, S. 224, Kat.-Nr. W61, Abb. S. 225, W61


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