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Hagen versenkt den Nibelungenhort
  • Hagen versenkt den Nibelungenhort
  • Bild
  • Peter von Cornelius (23.9.1783 - 6.3.1867), Maler
  • 1859
  • Öl auf Leinwand
  • 80 x 100 cm
  • Ident.Nr. W.S. 38
  • 1861 Vermächtnis des Bankiers Joachim Heinrich Wilhelm Wagener als Gründungssammlung der Nationalgalerie
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Beschreibung
Provenienz
Seit das mittelalterliche Epos über die Nibelungen 1807 durch Friedrich Heinrich von der Hagens Übertragung in modernes Deutsch allgemein zugänglich geworden war, blieben seine Gestalten und Vorgänge Pfeiler des deutschen nationalen Selbstverständnisses. Julius Schnorr von Carolsfelds Fresken in der Münchner Residenz (1827–1867) und Wagners Operntetralogie (1853–1874) waren nur die berühmtesten Beiträge dazu. Als ersten der vielen Nibelungen-Zyklen der Romantik und Nachromantik schuf der junge Peter Cornelius 1812/13 »Darstellungen aus dem Liede der Nibelungen«. 1855 lieferte Cornelius eine Tuschzeichnung für das »Rheinland-Album«, ein Geschenk der Rheinprovinzen zur silbernen Hochzeit des Prinzen von Preußen (später Wilhelm I.), die er auf Wunsch von Bankier Wagener in der ihm längst fremd gewordenen, nur höchst selten geübten Öltechnik ausführte: »es wird wohl mein leztes Öhlgemälde sein«, schrieb er dem Auftraggeber Wagener, »und teusche ich mich nicht auch mein bestes [...] obschon der Schwerpunkt meiner Kunst nicht in der Farbe liegt« (Brief vom 9. August 1859, SMB-ZA, IV/NL Wagener, Künstlerbriefe).
In deutlichem Unterschied zu den ›historisch‹ aufgefaßten, erzählenden Nibelungen-Kompositionen aus seiner Frühzeit ist hier der mythologische Aspekt unterstrichen. Hagen wirft den Schatz nicht, wie es Schnorr von Carolsfeld und andere zeigen, selbst in den Fluß, sondern hat dem Wortlaut des Liedes gemäß Helfer dazu. Außer diesen und ihm selbst, einer Gestalt von dämonischer Intensität, sind alle anderen Personifikationen, von denen die Sage nicht erzählt: ›Vater Rhein‹ als ein antiker Flußgott, begleitet von der unheilverkündenden Lorelei; und die Rheinnixen, die sich nicht rasch genug des Goldes bemächtigen können und zugleich (ganz rechts) einen seiner Überbringer zu sich ins Wasser zu ziehen versuchen. »Unter dem Nibelungenhort«, schrieb Cornelius an Th. Brüggemann, »denke ich mir das Sinnbild aller deutschen Macht, Glück und Herrlichkeit, welches alles im Rhein versenkt liegt und mit ihm dem Vaterland erhalten oder verloren geht« (zit. nach: E. Förster, Peter Cornelius, Bd. 2, Berlin 1874, S. 382). Unüberhörbar ist der aktuell-politische Akzent: Das Rheingold wurde bald eine gängige Metapher für die deutsche Einheit, und auch das Gebäude der Nationalgalerie schmückte sich 1875 mit Ernst Ewalds achtundzwanzigteiligen Nibelungen-Fresken in der unteren Querhalle. | Claude Keisch


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
nicht bezeichnet

AUSSTELLUNGEN
– Die Nationalgalerie und ihre Stifter. Ausstellung zum hundertjährigen Bestehen der Nationalgalerie, Berlin (West), Nationalgalerie, 26.3.-7.5.1961
– Die Nibelungen Bilder von Liebe, Verrat und Untergang, München, Haus der Kuns, 5.12.1987-14.2.1988
– Bismarck. Preußen, Deutschland und Europa, Berlin, Martin-Gropius-Bau, 26.8.-25.11.1990
– Duisburg und der Rhein, Duisburg, Museum der Deutschen Binnenschiffahrt, 15.9.1991-12.1.1992
– Mythos Rhein, Ludwigshafen, Wilhelm-Hack-Museum, 1992
– Bilder im Zirkel, 175 Jahre Badischer Kunstverein Karlsruhe, Karlsruhe, Badischer Kunstverein, 2.10.-21.11.1993
– Der Mythos des Erlösers. Richard Wagners Traumwelten und die deutsche Gesellschaft 1871-1918, Minden, Preußen-Museum Nordrhein-Westfalen, 29.9.-1.12.2002
– Der Mythos des Erlösers. Richard Wagners Traumwelten und die deutsche Gesellschaft 1871-1918, Wesel, Preußen-Museum Nordrhein-Westfalen, 1.2.-27.4.2003
– Die Loreley: Ein Fels im Rhein - Ein deutscher Traum, Koblenz, Mittelrhein-Museum, 27.08.2004-31.10.2004
– Die Sammlung des Bankiers Wagener. Die Gründung der Nationalgalerie, Berlin, Alte Nationalgalerie, 23.3.2011-8.1.2012
– Die Sammlung des Bankiers Wagener. Die Gründung der Nationalgalerie, Berlin, Alte Nationalgalerie, 23.3.2011-8.1.2012
– Die Sammlung des Bankiers Wagener. Die Gründung der Nationalgalerie, Papenburg, Gut Altenkamp, 15.5.-19.8.2012
– Die Sammlung des Bankiers Wagener. Die Gründung der Nationalgalerie, Papenburg, Gut Altenkamp, 15.5.-19.8.2012
– Weltenschöpfer. Richard Wagner, Max Klinger, Karl May. Mit Räumen von Rosalie, Leipzig, Museum der bildenden Küste, 16.05.-15.09.2013
– Meisterwerke der Malerei des 19. Jahrhunderts aus der Nationalgalerie Berlin, Breslau, Muzeum Miejskie Wrocławia, 18.09.2016-15.01.2017

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1961: Die Nationalgalerie und ihre Stifter. Ausstellung zum hundertjährigen Bestehen der Nationalgalerie, hrsg. v. Nationalgalerie, Ausst.-Kat. Orangerie Schloss Charlottenburg, Berlin 26.3.-7.5.1961, S. 12, Kat.-Nr. 7
– Ausst.-Kat. Berlin 2011: Die Sammlung des Bankiers Wagener. Die Gründung der Nationalgalerie, hrsg. v. Birgit Verwiebe, Angelika Wesenberg und Udo Kittelmann, Ausst.-Kat. Alte Nationalgalerie, Berlin 23.3.2011-8.1.2012, Kat-Nr. 38
– Ausst.-Kat. Duisburg 1991: Duisburg und der Rhein, Leinen los! 275 Jahre Rhein-Ruhr Hafen Duisburg, Ausst.-Kat. Museum der Deutschen Binnenschiffahrt Duisburg-Ruhrort, Kultur- und Stadthistorisches Museum, Duisburg, 15.9.1991-12.1.1992, Kat.-Nr. 276, S. 219, Farbabb. S. 215
– Ausst.-Kat. Karlsruhe 1993: Bilder im Zirkel, hrsg. v. Jutta Dresch und Wilfried Rößling, Ausst.-Kat. Badischer Kunstverein, Karlsruhe, 2.10.-21.11.1993, Kat.-Nr. 28, Farbtaf. XX
– Ausst.-Kat. Ludwigshafen 1992: Mythos Rhein, hrsg. v. Richard W. Gassen, Bernhard Holeczek, Ausst.-Kat. Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen 12.6.-16.8.1992, Kat.-Nr. 116, Farbabb. S. 251
– Ausst.-Kat. Minden 2002: Der Mythos des Erlösers. Richard Wagners Traumwelten und die deutsche Gesellschaft 1871-1918, hrsg. von Veit Veltzke, Ausst.-Kat. Preussen-Museum Nordrhein-Westfalen, Wesel, 1.2.-27.4.2003, S. 85, Kat.-Nr. 62 mit Farbabb.
– Brauer/Jannasch 1968: Verzeichnis der vereinigten Kunstsammlungen Nationalgalerie, Preussischer Kulturbesitz, Galerie des 20. Jahrhunderts, Land Berlin, bearb. v. Heinrich Brauer und Adolf Jannasch, Berlin, Mann, 1968, S. 52, Abb. 142, S. 312
– Eckert 1906: Christian Eckert, Peter Cornelius, Bielefeld, Leipzig, Velhagen & Klasing, 1906, S. 98 f., Abb. 99, S. 103
– Förster 1874: Ernst Förster, Peter Cornelius. Ein Gedenkbuch aus seinem Leben und Wirken, Berlin, Reimer, 1874, Bd. 2, S. 382
– Jordan 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin, bearb. v. Max Jordan, Berlin, Mittler & Sohn, 1876, 2. Aufl., S. 79, Kat.-Nr. 56
– Koch 1905: David Koch, Peter Cornelius, ein deutscher Maler, Stuttgart, Steinkopf, 1905, S. 49 f., 54, 58-62
– Kuhn 1921: Alfred Kuhn, Peter Cornelius und die geistigen Strömungen seiner Zeit, Berliln, Reimer, 1921, S. 74
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1876-1907, 1923-1934, Kat.-Nr. 56
– Nationalgalerie 1976: Nationalgalerie. Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen des 19. Jahrhunderts, bearb. v. Barbara Dieterich und Peter Krieger und Elisabeth Krimmel-Decker, Berlin 1976, S. 87 mit Abb.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 168 mit Abb.
– Schulte-Wülwer 1980: Ulrich Schulte-Wülwer, Das Nibelungenlied in der deutschen Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, Giessen, Anabas, 1980, S. 151 f., Abb. 56
– Verwiebe/Wesenberg 2013: Birgit Verwiebe und Angelika Wesenberg (Hrsg.), Die Gründung der Nationalgalerie in Berlin. Der Stifter Wagener und seine Bilder, Köln, Böhlau, 2013, S. 137-138, Abb. 61
– Volmari 1987: Beate Volmari, "Am Rhein, am Rhein, am Deutschen Rhein", in: Die Nibelungen, Bilder von Liebe, Verrat und Untergang, hrsg. von Wolfgang Storch, Ausst.-Kat. Haus der Kunst, München, 5.12.1987-14.21988, S. 164, Abb. S. 165
– Waagen 1861: Verzeichniss der Gemälde-Sammlung des am 18. Januar 1861 zu Berlin verstorbenen Königlichen Schwedischen und Norwegischen Konsuls J. H. W. Wagener, welche durch letztwillige Bestimmung in den Besitz Seiner Majestät des Königs übergegangen ist, hrsg. v. Gustav Friedrich Waagen, Berlin 1861, S. 20 f., Kat.-Nr. 38
– Wesenberg 2001: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig, Seemann, 2001, S. 100 f., Kat.-Nr. 101 mit Farbabb.
– Zentralarchiv SMPK, Wagener-Archiv, Künstlerbriefe, Nr. 1382 und Nr. 1381 (Cornelius an J. H. W. Wagener, 9. 8. 1859 und 8. 6. 1859)


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