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Dachauerin (Mädchen mit schwarzem Kopftuch)
  • Dachauerin (Mädchen mit schwarzem Kopftuch)
  • Bild
  • Wilhelm Maria Hubertus Leibl (23.10.1844 - 4.12.1900), Maler
  • 1879
  • Öl auf Holz
  • 20 x 16 cm
  • Ident.Nr. A I 953
  • 1906 Vermächtnis der Helene Kühn, geb. Koschmieder, Berlin
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Beschreibung
Provenienz
Die kleine Holztafel eines Mädchens mit schwarzem Kopftuch malte Leibl in Berbling, im Voralpenland, in den Monaten der Arbeit an seinem Hauptwerk »Drei Frauen in der Kirche« (Kunsthalle Hamburg). Er gibt, wie bei der jüngsten dieser Frauen, einen hellen und genau durchgearbeiteten Kopf vor einem dunklen Hintergrund, in dem ›altdeutschen‹, an der Feinmalerei Holbeins orientierten Stil dieser Jahre. 1879 war für Leibl ein hoffnungsvolles Jahr. Im März verkaufte er ein »Köpfchen« in Paris, die Dresdner Gemäldegalerie erwarb im Herbst den wenige Monate zuvor gemalten »Kopf eines Bauernmädchens« aus der zweiten Internationalen Kunstausstellung in München (Galerie Neue Meister, Dresden) – es war der erste und für noch lange Zeit einzige, offizielle Ankauf.
Im Herbst 1879 nun malte Leibl in mehreren unterschiedlichen Versionen dasselbe Bauernmädchen, »welches wo ich wohne die Tochter ist« (Wilhelm Leibl, Briefe, Hildesheim 1996, S. 178). Das »Mädchen mit schwarzem Kopftuch« schien Leibl unter diesen Porträts das gelungenste. »Ich glaube, es ist eine meiner besten Arbeiten oder die beste«, schrieb er im Dezember 1879 der Mutter. Im Januar 1880 stritt er mit seinem Galeristen: »Sie meinen, das betreffende Köpfchen sei weniger werth als dasjenige, welches an die Dresdener Gallerie verkauft worden ist, weil es kleiner ist. Ich kann Ihnen versichern, das Köpfchen ist bedeutend mehr werth« (ebd., S. 176). Im Februar bekräftigte er der Schwester gegenüber noch einmal seine Überzeugung vom besonderen Wert dieser feinen, hingebungsvollen Arbeit: »Doch will ich diesmal besonders das gemalte Köpfchen mit dem Kopftuch nicht sobald hergeben; denn es ist weitaus das Beste, was ich bis jetzt hervorgebracht habe. Auch sind verschiedene meiner Freunde der festen Ansicht, daß zur Zeit Niemand etwas solches malen könne. So etwas kann man auch nur machen, wenn man sich ganz und gar in seine Arbeit vertieft, was in der Stadt nicht so ganz möglich ist, wenigstens für mich« (ebd., S. 178). | Angelika Wesenberg


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. links oben: W. Leibl / 79.

AUSSTELLUNGEN
– Schätze der Weltkultur von der Sowjetunion gerettet, Berlin (Ost), Staatliche Museen zu Berlin, National-Galerie
– Deutsche Bildnisse 1800-1960, Berlin (Ost), Lucas-Cranach-Kommission beim Ministerium für Kultur in der Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, 1962

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1929: Wilhelm Leibl. Gemälde - Zeichnungen. Radierungen, hrsg. v. Bruno Cassirer, Ausst.-Kat. Wallraf-Richartz-Museums, Köln, 10.3.-31.3.1929; Preußische Akademie der Künste und Galerie Matthiesen, Berlin, 7.4.-7.5.1929, S. 58, Kat.-Nr. 91
– Ausst.-Kat. Berlin 1958: Schätze der Weltkultur von der Sowjetunion gerettet, Ausst.-Kat. Pergamonmuseum, Berlin 1958; Nationalgalerie, Berlin 1958, Kat.-Nr. H 35, Taf. o. S.
– Ausst.-Kat. Berlin 1961: Gemälde Bildwerke Zeichnungen. Bildband 1, hrsg. v. Martin Ohlsberg, Ausst.-Kat. Berlin 1961, o. S., Taf. 33
– Ausst.-Kat. Berlin 1961: Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke der Nationalgalerie Berlin in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg, Ausst.-Kat. Schloß Charlottenburg, Berlin, 1961, S. 36
– Ausst.-Kat. Berlin 1962: Deutsche Bildnisse 1800-1960. Ausstellung der Lucas-Cranach-Kommission beim Ministerium für Kultur, Ausst.-Kat. Nationalgalerie, Berlin 1962, S. 30, Titelbild
– Ausst.-Kat. London 2001: Spirit of an Age. Nineteenth-Century Paintings from the Nationalgalerie, Berlin, Ausst.-Kat. National Gallery, London 2001, S. 155, Farbabb. Fig. 49
– Ausst.-Kat. München 1994: Wilhelm Leibl zum 150. Geburtstag, hrsg. v. Götz Czymmek und Christian Lenz, Ausst.-Kat. Neue Pinakothek, München, 12.5.-24.7.1994; Wallraf-Richartz-Museum, Köln, 4.8.-23.10.1994, S. 336 mit Abb.
– Bildende Kunst 1953-1991: Staatliche Kommission für Kunstangelegenheiten, Verband Bildender Künstler der DDR (Hrsg.), Bildende Kunst, Dresden, Berlin 1953-1991, 1961, Heft 3, S. 154
– Eisler 1996: Colin Eisler, Masterworks in Berlin. A City's Paintings Reunited. Painting in the Western World 1300-1914, Boston, Little, Brown and Co., 1996, S. 651, Farbabb. S. 575
– Hanfstaengl 1938: Eberhard Hanfstaengl, Leibl. Das bäuerliche Antlitz, Burg b. Magdeburg, Hopfer, 1938, Taf. S. 35
– Justi 1932: Ludwig Justi, Von Runge bis Thoma. Deutsche Malkunst im 19. und 20. Jahrhundert. Ein Gang durch die National-Galerie, Berlin, Bard, 1932, S. 226
– Langer 1961: Alfred Langer, Wilhelm Leibl, Leipzig, Seeman, 1961, Taf. 50
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1908-1934, Kat.-Nr. 945
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S., Taf. 127
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 504 mit Abb.
– Röhrl 1996: Boris Röhrl (Hrsg.), Wilhelm Leibl. Briefe mit historisch-kritischem Kommentar. Gesamtverzeichnis des schriftlichen Nachlasses, Hildesheim, Zürich, New York, G. Olms, 1996, S. 174, 176, 178
– Ruhmer 1984: Eberhard Ruhmer, Der Leibl-Kreis und die reine Malerei, Rosenheim, Rosenheimer Verlagshaus, 1984, Kat.-Nr. 139
– Ruthenberg/Heese 1963: Vera Ruthenberg und Walter Heese, Nationalgalerie, Leipzig, Seemann, 1963, S. 25, 54, Farbtaf. 35
– Scheffler 1912: Karl Scheffler, Die Nationalgalerie zu Berlin. Ein kritischer Führer, Berlin, Cassirer, 1912, S. 182 mit falscher Abb.
– Schuster 2001: Peter-Klaus Schuster (Hrsg.), Die Nationalgalerie, Köln, DuMont, 2001, S. 135 mit Farbtaf.
– Wesenberg 2001: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig, Seemann, 2001, S. 226, Kat.-Nr. 255 mit Farbabb.
– Wolf 1924: Georg Jacob Wolf, Leibl und sein Kreis, Hannover, Kunstverein, 1924, S. 107
– WVZ Waldmann 1914: Emil Waldmann, Wilhelm Leibl. Eine Darstellung seiner Kunst. Gesamtverzeichnis seiner Gemälde, Berlin 1914, S. 174, Nr. 161, Taf. 137
– WVZ Waldmann 1930: Emil Waldmann, Wilhelm Leibl. Eine Darstellung seiner Kunst. Gesamtverzeichnis seiner Gemälde, Berlin, Cassirer, 1930, 2. Aufl., S. 130 f., Nr. 169, Taf. 169


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