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Bildnis Jean Paul
  • Bildnis Jean Paul
  • Bild
  • Friedrich Meier (1785 o. um 1790 - 16.6.1815), Maler
  • 1810
  • Öl auf Leinwand
  • 59,5 x 50,7 cm
  • Ident.Nr. A II 865
  • 1935 erworben von der Kunsthandlung Dr. W. A. Luz, Berlin, für die Bildnissammlung
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Beschreibung
Provenienz
Kaum dreißigjährig sollte Friedrich Meier im Juni 1815 als Offizier der Lützower Jäger in der Schlacht bei Ligny ums Leben kommen. Eine unruhige Laufbahn hatte ihn aus Rathenow über Berlin, Halle und Dresden – wo er mit Kleist, Varnhagen von Ense und anderen Modernen umging – nach Wien geführt. Neben einem lebhaften Interesse an geistigen Begegnungen, das ihn wohl auch zum Porträtmalen führte, ist die Freundschaft mit den Malerbrüdern Friedrich, Ferdinand und Heinrich Olivier und zu den gleichfalls von romantischen Ideen erfaßten Brüdern Leopold und Wilhelm von Gerlach ein Leitmotiv seines kurzen Lebens.
Romantischer Freundschaftskult liegt auch der Entstehung des Jean-Paul-Porträts zugrunde. 1809 begingen Meier und der entfernt studierende Wilhelm von Gerlach den Geburtstag Jean Pauls (1763–1825), des damals berühmtesten und meistgelesenen Schriftstellers Deutschlands. Sie lasen das 38. Kapitel aus dem »Hesperus« und schrieben einander abends darüber. Meier berichtete dies dem Dichter und bat zugleich um Porträterlaubnis. »Ich wurde nie getroffen«, heißt es in der skeptischen Antwort (J. Paul, Sämtliche Werke, Historisch-kritische Ausgabe, Abt. 3, Briefe, Bd. 6, Berlin 1952, S. 21). Doch im folgenden Frühjahr unternahm Meier mit den Brüdern von Gerlach und dem Dichter Karl Thorbecke die ersehnte ›Wallfahrt‹ nach Bayreuth und malte das Porträt, von dem alsbald mehrere Wiederholungen bestellt wurden. Der Dichter war auch menschlich tief beeindruckt: »Seit langem wurd’ ich im Spätjahr des Lebens […] nicht so schnell und anhaltend für zwei Menschen erwärmt als für Sie und Ihren Freund«, schrieb er dem Künstler (ebd., S. 270) und nannte Meiers Porträt »das einzig treffende« (ebd., Bd. 7, S. 114 f.). Mit einer an altdeutsche Bildnisse erinnernden hingebungsvollen Geradheit überliefert der ›Seelen- und Körpermaler‹ den Charakterkopf, nicht ohne die emotionalen und geistigen Spannungen deutlich zu machen. Die glasigen Augen des Trinkers mit jenem unsteten, rollenden Blick, den Zeitgenossen bemerkten, das wirre Haar, die nachlässige Kleidung werden nicht ignoriert, sie untermauern jedoch den Ausdruck zurückgehaltener Leidenschaft und visionären Ernstes. | Claude Keisch


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
nicht bezeichnet

AUSSTELLUNGEN
– Große Deutsche in Bildnissen ihrer Zeit, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin im ehemaligen Kronprinzenpalais, Aug. - Sept. 1936
– Patriotische Kunst aus der Zeit der Volkserhebung 1813, Berlin, Deutsche Akademie der Künste zu Berlin, 15.5.-15.7.1953
– Kunst der Goethezeit. "Classizismus und Romantizismus", Papenburg-Aschendorf, Gut Altenkamp, 8.5.-26.9.1999
– Jean Paul - Dintenuniversum - Schreiben ist Wirklichkeit, Berlin, Max-Liebermann-Haus, 12.10.-29.12.2013
– Jean Paul. Dintenuniversum. Schreiben ist Wirklichkeit, Berlin, Staatsbibliothek zu Berlin, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Stiftung Brandenburger Tor, Max Liebermann Haus, 12.10.-29.12.2013

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1936: Große Deutsche in Bildnissen ihrer Zeit, Ausst.-Kat. National-Galerie, Kronprinzenpalais Berlin 1.8.-30.9.1936, Taf. 267
– Ausst.-Kat. Berlin 1953: Patriotische Kunst aus der Zeit der Volkserhebung 1813, hrsg. v. Deutsche Akademie der Künste, Ausst.-Kat. Deutsche Akademie der Künste Berlin 15.5.-15.7.1953, S. 144, Kat.-Nr. 31
– Ausst.-Kat. Berlin 2013: Jean Paul. Dintenuniversum. Schreiben ist Wirklichkeit, hrsg. v. Markus Bernauer, Angela Steinsiek und Jutta Weber, Ausst.-Kat. Staatsbibliothek zu Berlin, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Stiftung Brandenburger Tor, Max Liebermann Haus, Berlin, 12.10.-29.12.2013., S. 31-32, Kat.-Nr. 2.6
– Ausst.-Kat. Papenburg-Aschendorf 1999: "Classizismus und Romantizismus". Kunst der Goethezeit, hrsg. v. Birgit Verwiebe, Ausst.-Kat. Gut Altenkamp, Papenburg-Aschendorf 8.5.-26.9.1999, S. 62, Kat.-Nr. 18
– Berend 1929: Eduard Berend, Das Jean Paul-Bildnis von Friedrich Meier, in: Bayreuther Tageblatt Heimatbeilage, 1929, H. 3, S. 71-75, S. 73 (Abb. der Bayreuther Replik)
– Berend 1929: Eduard Berend, Das Jean Paul-Bildnis von Friedrich Meier, in: Jean Paul Blätter, 4. Jg. (1929), H. 2, S. 25-29, Kat. 2.6, Abb., S. 31-32
– Grote 1938: Ludwig Grote, Die Brüder Olivier und die deutsche Romantik, Berlin, Rembrandt, 1938, S. 121, Abb. 61
– Nationalgalerie 1945: Paul Ortwin Rave (Hrsg.), Die Malerei des XIX. Jahrhunderts. 240 Bilder nach Gemälden der National-Galerie, Berlin, Gebr. Mann, 1945, S. 8, Taf. 42
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 570 mit Abb.
– Paul 1952: Eduard Berend (Hrsg.), Jean Pauls sämtliche Werke, historisch-kritische Ausgabe, 3. Abteilung, Briefe, Berlin, Akademie, 1952, Bd. VI, Nr. 62, 263, 270, 510, 582, 583, 877, Bd. VII, Nr. 284, 287, Bd. VIII, Nr. 196, 297
– Rave 1949: Paul Ortwin Rave, Deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts, Berlin, Mann, 1949, S. 308, Taf. 67
– Verein der Freunde der National-Galerie 1938: National-Galerie. Die wichtigsten Erwerbungen in den Jahren 1933-1937, bearb. v. Eduard von der Heydt, hrsg. v. Verein der Freunde der National-Galerie, Berlin, Deutscher Kunstverlag, 1938, S. 10, Taf. 39


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