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Ave, Caesar, morituri te salutant
  • Ave, Caesar, morituri te salutant
  • Bild
  • Wilhelm Trübner (3.2.1851 - 21.12.1917), Maler
  • 1877
  • Öl auf Holz
  • 45,5 x 37,5 cm
  • Ident.Nr. A III 364
  • 1954 Überweisung des Ministeriums für Kultur als Teil des Freundschaftsgeschenks der Volksrepublik Polen an die DDR
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Beschreibung
Provenienz
Das 1877 entstandene Bild betitelte Trübner »Ave, Caesar, morituri te salutant« und glossierte damit den damaligen Zeitgeschmack für große Historienbilder mit ähnlich bombastischen Titeln. Trübner gehörte in seinen jungen Jahren zum sogenannten Leibl-Kreis, der eine ›reine Malerei‹ propagierte. Allein die Farbgebung und der Farbauftrag sollten Interesse erwecken. Trübner aber vertraute dem Kunstsinn der Betrachter nicht und wählte häufig gefällige Motive. Es bereitete ihm eine besondere Freude, erinnerte sich Trübners Schülerin Ida Beer-Walbrunn, »seinen Motiven eine burleske, humoristische Bedeutung zu geben, ihnen eine fürs große Publikum berechnete Anzüglichkeit zu verleihen, und sie der Aufmerksamkeit dieses lieben Publikums durch vielsagende Titel zu empfehlen […]. Mit höchstem Vergnügen spekulierte er solche ›Witze‹ aus« (Kunst und Künstler, 18. Jg., 1920, S. 498–500). Hier verleiht der berühmte Spruch, der lange als vermeintliche Begrüßung der Gladiatoren in der Arena galt, »Sei gegrüßt, Cäsar, die Todgeweihten grüßen dich«, dem Bild zugleich eine ironische Note.
Trübners Schüler Hermann Goebel berichtete: »Seine von ihm oft gemalte Dogge hat er einmal mit Würsten über der Schnauze hängend dargestellt. Das gute Tier habe ihm tatsächlich mit den Würsten als Modell gesessen. Während der Arbeit habe er kurz an die Ateliertüre gehen müssen, weil jemand geklopft hatte. Als er zurück kam, saß der Hund genau wie vorher, unbeweglich und steif da, nur die Würste waren in der kurzen Zwischenzeit spurlos verschwunden« (zit. nach: Wilhelm Trübner, Ausst.-Kat., Basel 1927, S. 12). – Zwei weitere Darstellungen der Dogge, die tatsächlich Cäsar hieß, die nun aber sehnsüchtig auf eine Schale mit Würsten blickt, laufen unter dem nicht minder doppelsinnigen Titel »Caesar am Rubicon« (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe; Österreichische Galerie Belvedere, Wien). | Angelika Wesenberg


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. rechts oben: W.Trübner. München.

AUSSTELLUNGEN
– Deutsche Malerei. Freundschaftsgeschenk des polnischen Volkes an das deutsche Volk, Berlin (Ost), Staatliche Museen zu Berlin, 19.12.1953-28.2.1954
– Die Kleine Nationalgalerie, ein Bildersaal deutscher Kunst im 19. Jahrhundert, Dortmund, Museum für Kunst- und Kulturgeschichte, 26.6.2005-31.12.2007
– Haubrok, Berlin, Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, EG West, 23.09.2017

LITERATUR
– Aukt.-Kat. Berlin 1918: Nachlass Wilhelm Trübner. 1.Teil: eigene Gemälde, Arbeiten seiner Gattin Alice, Werke aus dem Freundeskreise; 2. Teil: Gemälde alter Meister, Gobelins, antike Teppiche und Möbel, Rudolph Lepke's Kunst-Auctions-Haus, Berlin, 4.-5.6.1918, Kat.-Nr. 30, Taf. 21
– Ausst.-Kat. Basel 1927: Hermann Goebel, Wilhelm Trübner, Ausst.-Kat. Kunsthalle Basel 16.1.-27.2.1927, S. 12
– Ausst.-Kat. Berlin 1954: Deutsche Malerei. Freundschaftsgeschenk des polnischen Volkes an das deutsche Volk, Ausst.-Kat. Nationalgalerie, Berlin 19.12.1953-28.2.1954, S. 54, Kat.-Nr. 66
– Ausst.-Kat. Dortmund 2005: Die Kleine Nationalgalerie. Ein Bildersaal deutscher Kunst im 19. Jahrhundert, hrsg. v. Brigitte Buberl, Ausst.-Kat. Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Dortmund 26.6.2005-31.12.2007, S. 206, Kat.-Nr. 88
– Ausst.-Kat. Heidelberg 1994: Wilhelm Trübner 1851–1917, hrsg. v. Jörn Bahns, Ausst.-Kat. Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg 10.12.1994-19.2.1995; Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung München 10.3.-21.5.1995, S. 154-155, Kat.-Nr. 38
– Beer-Walbrunn 1920: Ida Beer-Walbrunn, Trübner und seine Beziehungen zu Leibl und Schuch, in: Kunst und Künstler, 18. Jg. (1920), H. 11, S. 489-500, vgl. S. 498-500
– Beringer 1917: Joseph August Beringer, Wilhelm Trübner. Des Meisters Gemälde, Stuttgart, Berlin, Deutsche Verlagsanstalt, 1917, Taf. 108
– Beringer 1921: Joseph August Beringer, Wilhelm Trübner. Eine Auswahl aus dem Lebenswerk des Meisters in 101 Abbildungen, Stuttgart, Berlin, Deutsche Verlagsanstalt, 1921, Taf. 43
– Braune/Wiese 1926: Schlesisches Museum der Bildenden Künste Breslau, Katalog der Gemälde und Skulpturen, bearb. v. Heinz Braune und Erich Wiese, Breslau, Korn, 1926, 6. Aufl., S. 262, Kat.-Nr. 1201
– Bringmann 1991: Michael Bringmann, "Das Gemälde "Cäsar am Rubikon" von Wilhelm Trübner - oder: Wie die Historienmalerei auf den Hund kam", in: Jahrbuch der Staatlichen Kunstsammlungen in Baden-Württemberg, (1991), S.112
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S., Abb. 126
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 854 mit Abb.
– WVZ Rohrandt 1972: Klaus Rohrandt, Wilhelm Trübner (1851-1917). Kritischer und beschreibender Katalog sämtlicher Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphik. Biographie und Studien zum Werk, Kiel 1972, Bd. 1, S. 190, Nr. G 456


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