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Christenverfolgung in den römischen Katakomben
  • Christenverfolgung in den römischen Katakomben
  • Bild
  • Carl Rahl (13.8.1812 - 9.7.1865), Maler
  • 1846/1847
  • Öl auf Leinwand
  • 90 x 136 cm
  • Ident.Nr. W.S. 183
  • 1861 Vermächtnis des Bankiers Joachim Heinrich Wilhelm Wagener als Gründungssammlung der Nationalgalerie
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Beschreibung
Provenienz
Der Sammler und Begründer der Nationalgalerie Joachim Heinrich Wilhelm Wagener bestellte bei Carl Rahl die Wiederholung in halber Größe der 1844 vollendeten Komposition »Christenverfolgung in den römischen Katakomben« (seit 1874 in der Hamburger Kunsthalle), die schnell bekannt geworden und 1846 auch in Berlin ausgestellt worden war. Dargestellt ist die Unterbrechung einer Messe durch römische Soldaten, die den Priester in Ketten legen, Gläubige gefangen nehmen oder töten, Kreuz und heilige Gefäße vom Altar stoßen. Im Mittelgrund links deutet der Prätor auf das kaiserliche Edikt. Frauen und Kinder flehen mit ausdrucksvollen Gebärden um Erbarmen. Pathosformeln, die über die italienische Malerei des 17. Jahrhunderts auf die hellenistische Plastik zurückweisen (etwa auf die sogenannte Florentiner Niobidengruppe), erhalten durch überschlanke Körpermaße und durch die Verselbständigung der Faltenlinien eine manieristische Expressivität.
Für Rahl hatte das Bild zweifellos einen aktuellen politischen Gleichniswert. Von einem ›freidenkenden‹ Vater erzogen, hatte er schon auf der Akademie seine erste selbständige Komposition der griechischen Revolution gewidmet und sollte 1848 an vielen Orten Deutschlands als aktiver Revolutionär und Wahlredner auftreten. Im März 1848 war er in Berlin und skizzierte die Ehrung der Märzgefallenen. Das Thema der Christenverfolgung ist den Hussiten- und Reformationsmotiven etwa von Carl Friedrich Lessing verwandt. Daß Rahl grundsätzlich auf die Unterdrückung jeglichen oppositionellen Geistes durch die Machthaber und nicht auf eine Ruhmesverkündung christlichen Märtyrertums zielte, wird durch das geplante, aber nur als Karton ausgeführte Gegenstück (vgl. F. Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Bd. 2/1, Dresden 1898, Nr. 10) deutlich: Mit der Geschichte der Hypatia von Konstantinopel sollte geschichtspessimistisch die Verfolgung heidnischer Philosophen durch die Christen belegt werden. Vielleicht steht die bei Boetticher (Nr. 142) erwähnte, undatierte kleine Ölskizze »Die sterbenden Märtyrer« (Verbleib unbekannt) mit der »Christenverfolgung in den römischen Katakomben« in Zusammenhang. Wie die erste Fassung, so wurde auch die zweite von Rahls Freund Christian Mayer in Wien in Schabkunst gestochen. Dazu mußte Wagener sie 1851 für ein ganzes Jahr ausleihen. | Claude Keisch


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. rechts unten: C. Rahl pinx. Roma 1847

AUSSTELLUNGEN
– Kunstverein Wien, Wien, Kunstverein, 1848

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 2011: Die Sammlung des Bankiers Wagener. Die Gründung der Nationalgalerie, hrsg. v. Birgit Verwiebe, Angelika Wesenberg und Udo Kittelmann, Ausst.-Kat. Alte Nationalgalerie, Berlin 23.3.2011-8.1.2012, Kat-Nr. 183
– Boetticher 1891: Friedrich Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Leipzig, Schmidt & Günther, 1891, Bd. II, 1, S. 347, Kat.-Nr. 51
– George-Mayer 1882: August George-Mayer, Erinnerungen an Carl Rahl, ein Beitrag zur Kunstgeschichte Wiens (von 1847 bis 1863), Wien, Lehmann und Wentzel, 1882, S. 15
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1876-1902, Kat.-Nr. 266
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 676 mit Abb.
– Riegel 1868: Herman Riegel, Karl Rahl, in: ders., Deutsche Kunststudien, Hannover, Rümpler, 1868, S. 303-325, S. 305
– Thieme/Becker 1907-1950: Ulrich Thieme und Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Leipzig, Engelmann, 1907-1950, Bd. 27, 1933, S. 570
– Zentralarchiv SMPK, Wagener-Korrespondenz: Briefe von Rahl an Wagener vom 6. 3. und 22. 6. 1846, ohne Datum (1848) sowie des Barons Louis Pereira, Vorstand des Wiener Kunstvereins, an Wagener vom 26. 12. 1848, von Carl Roeser im Auftrag der Wiener Akademie an Wagener, ohne Datum (April 1851); Wageners Konzepte zu Briefen an Rahl vom 7. 4. 1851 sowie an die Wiener Akademie vom selben Tag


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