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Fjord bei Holmestrand
  • Fjord bei Holmestrand
  • Bild
  • Johan Christian Clausen Dahl (24.2.1788 - 14.10.1857), Maler
  • 1843
  • Öl auf Leinwand
  • 38 x 52,5 cm
  • Ident.Nr. FNG 117/05
  • 2005 Ankauf aus dem Londoner Kunsthandel durch den Verein der Freunde der Nationalgalerie
  • Erworben durch die Freunde der Nationalgalerie
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Beschreibung
Provenienz
»Es war jetzt ein junger Norweger nach Dresden gekommen, welcher unter den Studierenden große Sensation erregte. Es war Christian Dahl. Eine große nordische Gebirgslandschaft von ihm auf der Kunstausstellung machte das ungeheuerste Aufsehen, und schwerlich kann man sich jetzt eine Vorstellung machen, welche Wirkung ein Werk von solch schlagender Naturwahrheit unter dem Troß der übrigen schattenhaften, leblosen, maniervollen Gemälde hervorbrachte. Nur Dahls Freund Friedrich machte davon eine Ausnahme mit seinen ganz originellen, poetisch gedachten und tief melancholischen Landschaftsbildern« (L. Richter, Lebenserinnerungen eines deutschen Malers, Leipzig 1909, S. 59).
Johan Christian Dahl, der sich 1818 in Dresden niedergelassen hatte, blieb zeitlebens mit seiner norwegischen Heimat eng verbunden. Aufgrund seiner Vorliebe für Seeküsten, Gebirgsgegenden, Wasserfälle, Schiffe und Häfen bei Tageslicht oder Mondschein bezeichnete er sich als einen »mehr nordischen Bildner« (zit. nach: Johan Christian Dahl, ein Malerfreund Caspar David Friedrichs, Ausst.-Kat., München 1989, S. 20). Schon als Student in Kopenhagen hatte Dahl diese Neigung entwickelt und sich bevorzugt der »Natur in ihrem wilden Zustand [...], und zwar den Gegenden von mächtigen Szenerien mit Gebirgen und Wäldern« gewidmet (Dahl, zit. nach: ebd.). Dahls künstlerische Auffassung wurzelte im frühromantischen Ideengut, das ihm seit seiner Studienzeit in Kopenhagen vertraut war: Strömungen der Empfindsamkeit und des Ossiankultes sowie ein wachsendes Interesse für die nordische Vorzeit und Mythologie prägten damals das kulturelle Leben der dänischen Hauptstadt.
Der Norweger Dahl wollte – ähnlich wie der ›Schwede‹ Caspar David Friedrich – dem klassischen Italienbild die nordische Landschaft entgegensetzen. Beide Künstler bereisten wiederholt die Orte ihrer Kindheit und fanden dort Inspirationen für ihr künstlerisches Werk. Dahl unternahm insgesamt fünf Reisen nach Norwegen: 1826, 1834, 1839, 1844 und 1850. »Man hat mir gesagt«, schrieb er an einen Freund, »daß Norwegen so schön wie die Schweiz sei […] und wenn ich die schlechten Prospekte von Norwegen sehe, ist es als ob ein Magnet mich dort anziehe um ein besseres Bild Norwegens darzustellen« (Dahl, zit. nach: ebd.). Durch zahlreiche Studien und Zeichnungen erwarb Dahl sich einen reichen Motivfundus. Seine nordischen Landschaften prägten maßgeblich die romantische Dresdner Landschaftsmalerei.
Eine Landschaftsstudie mit der Bezeichnung »Ved Holmestrand d 1st. Octbr. 1834 Dahl« (KODE Kunstmuseene, Bergen) sowie eine präzise Vorzeichnung aus dem Jahre 1843 (Privatbesitz, USA) wurden zur Vorlage für das Gemälde »Fjord bei Holmestrand«. Mit großer Genauigkeit hat der Künstler die Details der südlich von Oslo gelegenen Fjordlandschaft erfaßt und sie zugleich symbolisch erhöht. Der am Horizont nur halb sichtbare Mond spiegelt sich in silbrigen Reflexen auf der Wasserfläche. Mehrere Segelschiffe kehren heim oder liegen bereits vor Anker. Zwei Boote bringen Reisende ans Ufer. Rechts im Vordergrund, neben Felsgestein, steht ein Mann mit Zylinder; er schaut hinaus zu den Schiffen, zum Mond am Horizont. Das Motivensemble mit Mondschein, Schiffen, Küste, Meer und Rückenfigur am Ufer offenbart Dahls künstlerische Nähe zu Caspar David Friedrich. | Birgit Verwiebe


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. links unten: J Dahl / 1843.

AUSSTELLUNGEN
– Regards sur l'Europe. L'Europe et la peinture allemande du XIXe siècle, Brüssel, Palais des Beaux-Arts, 8.3.-20.5.2007
– Blicke auf Europa. Europa und die deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts, München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Neue Pinakothek, 22.6.-2.9.2007
– Kopenhagener Malerschule, Greifswald, Pommersches Landesmuseum, 27.08.2016-27.11.2016

LITERATUR
– Aukt.-Kat. Oslo 1929: Auktion Blomqvist, Oslo, März 1929, Kat.-Nr. 83
– Aukt.-Kat. Oslo 1930: Auktion Blomqvist, Oslo, März 1930, Kat.-Nr. 64
– Aukt.-Kat. Oslo 1936: Auktion Blomqvist, Oslo, Februar 1936, Kat.-Nr. 48
– Aukt.-Kat. Oslo 1948: Auktion Blomqvist, Oslo, November 1948, Kat.-Nr. 40
– Ausst.-Kat. Brüssel 2007: Blicke auf Europa. Europa und die deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts, hrsg. v. Bernhard Maaz, Ausst.-Kat. Palais des Beaux-Arts, Brüssel 8.3.-20.5.2007; Neue Pinakothek, München 22.6.-2.9.2007, S. 341, Kat.-Nr. 52 mit Farbabb., Farbtaf. 51, S. 162
– Ausst.-Kat. München 1988: Johan Christian Dahl 1788-1857, ein Malerfreund Caspar David Friedrichs, hrsg. von Christoph Heilmann, Ausst.-Kat. Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Neue Pinakothek, München, 11.11.1988-15.1.1989, S. 20
– Bang 1987: Marie Lødrup Bang, Johan Christian Dahl 1788-1857. Life and Works, Oslo, Norwegian University Press, 1987, Bd. 2, S. 297, Kat.-Nr. 981; Bd. 3, Taf. Plate 419, no. 981
– Museumsjournal: Museumsjournal. Berichte aus den Museen, Schlössern und Sammlungen in Berlin und Potsdam, Berlin, 19. Jg., Nr. III, Juli 2005, S. 20 f., Farbabb. 1
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 182 mit Abb.
– VFN Neuerwerbungen 2004: Die Neuerwerbungen des Vereins der Freunde der Nationalgalerie 2004, Berlin 2005, S. [5], Farbtaf. S. [4]


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