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Die Quelle des Lison
  • Die Quelle des Lison
  • Bild
  • Gustave Courbet (10.6.1819 - 31.12.1877), Maler
  • um 1864
  • Öl auf Leinwand
  • 65,5 x 80,5 cm
  • Ident.Nr. NG 11/69
  • 1969 Geschenk des Dr. Eduard von Schwartzkoppen, Berliner Handelsgesellschaft, Frankfurt am Main
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Description
Provenienz
Allein im Entstehungsjahr dieses Bildes hat Courbet nach eigener Aussage an die vierzig Landschaften gemalt: Darunter viele Darstellungen der Loue und ihres Nebenflusses Lison, die in der Nähe von Courbets Geburtsstadt Ornans in der Bourgogne-Franche-Comté still durch tiefe, waldige Täler fließen und in deren glatter Fläche sich das Grün des Laubes spiegelt. Beide Quellen waren leicht erreichbar – die des Lison liegt in der Nähe des Dorfes Nans-sous-Sainte-Anne –, und beide malte Courbet mehrfach, namentlich in den Jahren 1863 und 1864. Welche von ihnen das Berliner Bild, dem im Laufe der Zeit unterschiedliche Titel gegeben wurden, darstellt, bleibt zweifelhaft. Es könnte auch als eine freie Variante gemeint sein.
Daß das geheimnisvolle Dunkel der Höhle erotische Nebenempfindungen weckt, daß im Motiv des stürzenden Quellwassers eine alte Fruchtbarkeitssymbolik enthalten ist, liegt auf der Hand; und wie eng Courbet die Landschaft mit dem Körper des Menschen assoziiert, wird in einem anderen Felsenbild aus dieser Zeit deutlich (»Paysage fantastique aux roches anthropomorphes«, 1877, Privatbesitz).
Die dichte und einheitliche Materialität des Berliner Bildes verdankt sich der Spachteltechnik, auf deren virtuose Beherrschung Courbet stolz war. Sein Freund Max Buchon erlebte ihn bei der Arbeit an einem der Quellen-Bilder: »Mit seinem Palettmesser nahm er Farbe aus Gläsern voll Weiß, Gelb Rot und Blau. Er mischte sie auf der Palette und breitete sie dann mit dem Messer und schabte sie mit fester, sicherer Hand, wobei er seine Theorien erläuterte. ›Sie wundern sich darüber, daß meine Leinwand schwarz ist. Dabei ist doch die Natur, ohne die Sonne, schwarz und finster; ich mache es wie das Licht; ich beleuchte die hervorstechenden Punkte, und schon ist das Bild fertig […]. Der Spachtel ist mein bestes Werkzeug. Versuchen Sie doch mit einem Pinsel solche Felsen wiederzugeben, die Wetter und Regen mit großen rostfarbenen Strähnen von oben nach unten durchsetzt haben!‹« (G. Riat, Gustave Courbet peintre, Paris 1906, S. 218). | Claude Keisch


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. links unten: G. Courbet.

AUSSTELLUNGEN
– Gustave Courbet, Paris, École Nationale des Beaux-Arts, 1882
– Gustave Courbet, Berlin, Galerie Wertheim, 1930
– Zurück zur Natur. Die Künstlerkolonie von Barbizon. Ihre Vorgeschichte und ihre Auswirkung, Bremen, Kunsthalle, 6.11.1977-22.1.1978
– Französische Malerei von Watteau bis Renoir. Meisterwerke aus der Gemäldegalerie und Nationalgalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz Berlin und anderen Sammlungen, Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum, 1.12.1983-22.1.1984
– Französische Malerei von Watteau bis Renoir. Meisterwerke aus der Gemäldegalerie und Nationalgalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz Berlin, Aachen, Suermondt-Ludwig-Museum, 19.2.-8.4.1984
– Spirit of an Age. Nineteenth-Century Paintings from the Nationalgalerie, Berlin, London, National Gallery, 8.3.-13.5.2001
– Spirit of an Age. Nineteenth-Century Paintings from the Nationalgalerie, Berlin, Washington, National Gallery of Art, 10.6.-3.9.2001
– Courbet and the modern landscape, Los Angeles, Paul J. Getty Museum, 21.02.-14.05.2006
– Frankreich in der Nationalgalerie, Berlin, Staatlichen Museen zu Berlin, Nationalgalerie, 23.5.-7.10.2007
– Gustave Courbet: Ein Traum von der Moderne, Frankfurt, Schirn Kunsthalle, 15.10.2010-30.01.2011
– Gustave Courbet, Riehen/Basel, Fondation Beyerler, 7.9.2014-198.1.2015

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Aachen 1984: Französische Malerei von Watteau bis Renoir. Meisterwerke aus der Gemäldegalerie und Nationalgalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz Berlin, Ausst.-Kat. Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen 19.2.-8.4.1984, S. 86 ff., Kat.-Nr. 28 mit Farbtaf.
– Ausst.-Kat. Berlin 1930: Gustave Courbet, Ausst.-Kat. Galerie Wertheim Berlin 28.9.-28.10.1930, Kat.-Nr. 37
– Ausst.-Kat. Berlin 2007: Frankreich in der Nationalgalerie: Courbet, Manet, Cézanne, Renoir, Rodin, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Ausst.-Kat. Nationalgalerie, Berlin 23.5.-7.10.2007, S. 16, 24, Kat.-Nr. 10 mit Farbabb.
– Ausst.-Kat. Braunschweig 1983: Französische Malerei von Watteau bis Renoir. Meisterwerke aus der Gemäldegalerie und Nationalgalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz Berlin und anderen Sammlungen, Ausst.-Kat. Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig 1.12.1983-22.1.1984, S. 110 ff., Kat.-Nr. 40 mit Farbtaf.
– Ausst.-Kat. Bremen 1977: Zurück zur Natur. Die Künstlerkolonie von Barbizon. Ihre Vorgeschichte und ihre Auswirkung, hrsg. v. Günter Busch, Ausst.-Kat. Kunsthalle Bremen 6.11.1977-22.1.1978, o. S., Kat.-Nr. 431 mit Abb.
– Ausst.-Kat. London 2001: Spirit of an Age. Nineteenth-Century Paintings from the Nationalgalerie, Berlin, Ausst.-Kat. National Gallery, London 2001, S. 168, Kat.-Nr. 64, Farbtaf. S. 169
– Ausst.-Kat. Paris 1882: Exposition des œuvres de Gustave Courbet, Ausst.-Kat. École Nationale des Beaux-Arts, Paris, Mai 1882, Kat.-Nr. 102
– Ausst.-Kat. Riehen/Basel 2014: Gustave Courbet, hrsg. v. Ulf Küster, Ausst.-Kat. Fondation Beyeler, Riehen/Basel, 7.9.2014-198.1.2015, Taf. S. 98-99
– Berliner Museen 1951-1973: Berliner Museen, Berlin 1951-1973, NF XIX, 1969, Heft 2, S. 86, Titelbild
– Claudet 1948: Max Claudet, "Souvenirs: Gustave Courbet", in: Courbet, raconté par lui-même et par ses amis, sa vie et ses œuvres, hrsg. von Pierre Courthion, Genf, Cailler, 1948, S. 197, 202
– Fernier 1969: Robert Fernier, Gustave Courbet, peintre de l'art vivant, Paris, Bibliothèque des arts, 1969, S. 17, Abb. 5
– Haftmann 1970: Werner Haftmann, Neuerwerbungen der Nationalgalerie im Jahre 1969, in: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz, (1970), Bd. 7, S. 288-292, S. 288, Taf. 52
– Honisch 1979: Dieter Honisch, Die Nationalgalerie Berlin, Recklinghausen, Bongers, 1979, S. 183, 328, Abb. 162
– Keisch 2005: Die Alte Nationalgalerie Berlin, hrsg. v. Claude Keisch, London, Beck, Scala, 2005, S. 76, Kat.-Nr. 79 mit Farbabb.
– Nationalgalerie 1976: Nationalgalerie. Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen des 19. Jahrhunderts, bearb. v. Barbara Dieterich und Peter Krieger und Elisabeth Krimmel-Decker, Berlin 1976, S. 88/90, Taf. S. 91
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 170 mit Abb.
– Riat 1906: Georges Riat, Gustave Courbet, peintre, Paris, Floury, 1906, S. 218 f.
– Schuster 2001: Peter-Klaus Schuster (Hrsg.), Die Nationalgalerie, Köln, DuMont, 2001, S. 142 mit Farbtaf.
– ten-Doesschate Chu 1996: Petra ten-Doesschate Chu (Hrsg.), Gustave Courbet, correspondance, Paris, Flammarion, 1996, S. 224
– Waetzold 1972: Neuerwerbungen der Nationalgalerie 1967-1972, bearb. v. Stephan Waetzoldt und Werner Haftmann, Berlin 1972, S. 11
– Wesenberg 2001: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig, Seemann, 2001, S. 102, Kat.-Nr. 103 mit Farbabb.
– Wormit 1976: Hans-Georg Wormit (Hrsg.), Neuerwerbungen für die Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin, Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, 1976, Nr. 107 mit Abb.
– WVZ Fernier 1977: Robert Fernier, La Vie et l'œuvre de Gustave Courbet, catalogue raisonné, Genf, Fondation Wildenstein, 1977-1978, Bd. I, S. 216, WVZ Nr. 388 mit Abb.


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