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Madonna mit Kind
  • Madonna mit Kind
  • Bild
  • Carl Begas d. Ä. (30.9.1794 - 23.11.1854), Maler
  • vor 1825
  • Öl auf Eichenholz
  • 85 x 61,4 cm
  • Ident.Nr. A I 1085
  • 1909 aus der Königlichen Gemäldegalerie, Berlin, überwiesen
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Description
Provenienz
Noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts war Begas’ Madonna »das einzige neuere Gemälde« (A. Hagen, Die deutsche Kunst, Bd. 1, Berlin 1857, S. 247) unter den Alten Meistern der Berliner Gemäldegalerie. Diese Auszeichnung verdankte das Werk seinem Rahmen, einem breiten, von dem Flamen Jan Davidsz. de Heem 1650 gemalten Früchte- und Blumenkranz mit darin eingelassenen Cherubsköpfen. Solche ›Einsatzbilder‹, Figurenbilder in gemaltem Stilleben, waren im 17. Jahrhundert in Holland und noch mehr in Flandern verbreitet; ein spätes Echo bietet Anselm Feuerbachs »Gastmahl« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 279). Die Madonna wurde eigens für diese Einfassung gemalt, aus der einige Ranken in das Bild weitergeführt sind. Mit diesen zwei ineinandergeführten Realitätsebenen wurde das Bild im Herbst 1826 zuerst ausgestellt. Obwohl die Figur »den Meisten zu gewöhnlich« vorkam und sie daher die Blumen vorzogen, lobte sie ein Rezensent (Kunst-Blatt, Beilage des Morgenblatts für gebildete Stände, 8. Jg., 1827, S. 160).
Was als ›gewöhnlich‹ empfunden wurde, war offenbar die Darstellung der Maria als einfaches Landmädchen. Der blühende Myrtenkranz auf dem offenen Haar, wie man ihn von altdeutschen Porträts her kennt – Begas hatte 1821 die Sammlung Boisserée in Stuttgart bewundert –, weist symbolisch auf Liebe und Brautschaft hin und scheint schwer vereinbar mit der Rolle der Gottesmutter. Als Modell gilt seit alters die Potsdamerin Wilhelmine Bock, eine vielgerühmte Schönheit, die der Maler nach vierjährigem Verlöbnis im Frühjahr 1825 heiratete. In einer Porträtzeichnung von 1825 (Kupferstichkabinett, Berlin), die dem Bild von 1828 (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A II 1037) zugrunde liegt, wirkt Wilhelmine bedeutend reifer, was eine Datierung der »Madonna« in die italienischen Jahre nahelegt. Der Künstler setzte sich wechselnden Einflüssen aus; hier ruft alles – die Dreiviertelfigur vor der nachdrücklich als italienisch charakterisierten Landschaft, die glasklare Farbigkeit, die melodiösen Umrisse und selbst die Zeichnung der Gesichter, Hände und Füße – die Madonnenbilder von Perugino oder Raffael in Erinnerung. | Claude Keisch


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. links unten: C. BEGAS.

AUSSTELLUNGEN
– Berliner Akademie-Ausstellung, Berlin, Akademie der Künste, 1826
– Deutsche Romantik. Gemälde, Zeichnungen, Berlin (Ost), Staatliche Museen zu Berlin, National-Galerie, 1965
– Kunst in Berlin. 1648-1987, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin im Alten Museum, 10.6.-25.10.1987
– Carl Joseph Begas (1794-1854). Blick in die Heimat, Heinsberg, Heimatmuseum, 4.9.-30.10.1994

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1826: Verzeichniß derjenigen Kunstwerke, welche von der Königlichen Akademie der Künste [...] öffentlich ausgestellt sind, Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin, 1826, S. 4, Kat.-Nr. 18
– Ausst.-Kat. Berlin 1965: Deutsche Romantik. Gemälde, Zeichnungen, Ausst.-Kat. Nationalgalerie, Berlin 1965, Kat.-Nr. 8
– Ausst.-Kat. Berlin 1987: Kunst in Berlin 1648-1987, Ausst.-Kat. Altes Museum, Berlin 10.6.-25.10.1987, S. 22, Kat.-Nr. F 13
– Ausst.-Kat. Heinsberg 1994: Carl Joseph Begas (1794-1854). Blick in die Heimat, Ausst.-Kat. Kreismuseum Heinsberg 4.9.-30.10.1994, S. 25, 118, Kat.-Nr. 43, Taf. S. 240 (Abb. 23)
– Boetticher 1891: Friedrich Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Leipzig, Schmidt & Günther, 1891, Bd. I, 1, S. 71, Kat.-Nr. 15
– Hagen 1857: Ernst August Hagen, Die deutsche Kunst in unserem Jahrhundert. Eine Reihe von Vorlesungen mit erläuternden Beischriften, Berlin, Schindler, 1857, Bd. 1, S. 247
– Maria im Rosenhag 1915: Maria im Rosenhag, Madonnen-Bilder alter deutscher und niederländisch-flämischer Meister, Königstein am Taunus und Leipzig, K.R. Langewiesche, 1915, Taf. 96
– Müllejans-Dickmann/Cortjaens 2013: Begas Haus, Heinsberg. Band 2: Die Sammlung Begas, hrsg. v. Rita Müllejans-Dickmann und Wolfgang Cortjaens, Köln, Wienand, 2013, S.80-81, Kat.-Nr. 43
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 58 mit Abb.
– Nützmann 1991: Hannelore Nützmann, Der Bilderrahmen als Kunstwerk, in: Staatliche Museen zu Berlin, Forschungen und Berichte 31, Berlin, Henschel Verlag, S. 201-210, S. 204
– Parthey 1863-1864: Gustav Parthey, Deutscher Bildersaal, Berlin, Nicolai, 1863-1864, Bd. I, 1863, S. 556
– Reber 1884: Franz von Reber, Geschichte der neueren deutschen Kunst. Nebst Excursen über die parallele Kunstentwicklung der übrigen Länder germanischen und romanischen Stammes, Leipzig, Haessel, 1884, S. 328
– Schmitz 1914: Ludwig Schmitz, "Die dem Rheinland entstammende Künstlerfamilie Begas", in: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins, (1914), Bd. 36, S. 218-227, S. 221
– Schorn 1820-1848: Ludwig Schorn (Hrsg.), Kunstblatt, Stuttgart, Tübingen, Cotta'sche Buchhandlung, 1820-1848, 8, 1827, Nr. 40, S. 160
– Wesenberg 2001: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig, Seemann, 2001, S. 33 f., Farbabb. S. 34, Kat.-Nr. 16
– WVZ Fabeck 1968: Marilies von Fabeck, Joseph Carl Begas gen. d. Ä. (1794-1854). Königlich Preußischer Hofmaler, Innsbruck 1968, S. 113 f., Kat.-Nr. 15


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