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Männlicher Studienkopf
  • Männlicher Studienkopf
  • Bild & Studie
  • Ludwig Eibl (14.12.1842 - 26.5.1918), Maler
  • 1874
  • Öl auf Leinwand
  • 54 x 45 cm
  • Ident.Nr. A II 277
  • 1918 Vermächtnis des Künstlers
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Description
Der österreichische Maler Ludwig Eibl, der nach einer Bildhauerlehre in Wien und Paris Malerei in München, vor allem bei Wilhelm von Diez, studierte, hat der Nationalgalerie neben drei Stilleben (Inv.-Nr. A II 275, 276 und 280) drei sogenannte Studienköpfe als Vermächtnis übereignet. Man kann annehmen, daß er diese Werke für besonders charakteristisch hielt. Eine Eigentümlichkeit der Arbeiten der Diez-Schüler in den 1870er Jahren war der freie malerische Vortrag, eine bewußte Skizzenhaftigkeit. Sie charakterisiert den männlichen Studienkopf auf olivgrünem Hintergrund (Inv.-Nr. A II 277) und suggeriert die geistige Beweglichkeit des Dargestellten. Sie verleiht dem von einer Spitzenkrause umgebenen Kinderköpfchen auf rotem, flockigem Grund (Inv.-Nr. A II 279) seinen besonderen Reiz und den Eindruck von kindlicher Spontaneität. Das Bildnis der jungen Frau (Inv.-Nr. A II 278) dagegen erscheint gefaßter. Selbst bei Studien drückt sich in der Malweise Rollenverständnis aus. Sehr verbreitet in der Diez-Schule wie im Leibl-Kreis waren Männerbildnisse in fast monochromer, nuancenreicher Tonmalerei und breiter Pinselschrift, das helle Gesicht auf einem noch helleren Kragen ruhend und aus einem dunklen Hintergrund prägnant hervortretend. Das Motiv ›Studienkopf‹ – weniger Porträt als vielmehr freie Wiedergabe einer unbekannten, dem Betrachter gleichgültigen Person – erlaubte das Ausprobieren neuer malerischer Möglichkeiten und stand während der 1870er und 1880er Jahre in der Diez-Schule nahezu im Mittelpunkt des akademischen Unterrichts wie des freien Schaffens (vgl. Mappe mit Fotografien der Galerie Heinemann »Zur Erinnerung an die Ausstellung von Werken der Diez-Schüler«, München 1890, Exemplar in der Bibliothek der Alten Nationalgalerie); es war für Eibl zugleich die Brücke zu dem wichtigen, sein späteres Schaffen bestimmenden Gebiet der Stillebenmalerei. | Angelika Wesenberg


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. links unten: L. Eibl.
Verso beschr.: Dietz Schule 1874 L.Eibl.

LITERATUR
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 212 mit Abb.
– Zentralarchiv SMPK, J.Nr. 559/18


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