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Frühlingslandschaft
  • Frühlingslandschaft
  • Bild
  • Charles-François Daubigny (15.2.1817-19.2.1878), Maler
  • 1862
  • Öl auf Leinwand
  • 133 x 240 cm
  • Ident.Nr. A I 682
  • 1900 Geschenk von Berliner Kunstfreunden (Guido Fürst Henckel von Donnersmarck, Eduard Arnhold, Franz und Robert von Mendelssohn, Isidor Loewe) und die Pariser Kunsthandlung Manzi, Joyant & Cie
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Jörg P. Anders
Beschreibung
Provenienz
Als er dieses Bild stillen Friedens malte, stand der 45jährige Daubigny auf der Höhe seiner Laufbahn. Zwei Jahre zuvor hatte er in Auvers ein Haus mit Atelier gebaut, in dem er endlich an großen Formaten arbeiten konnte. Seit 1857 bereiste er die Flüsse der Île-de-France mit seinem Hausboot ›Le Botin‹ (Das Kistchen). Um den Preis bohèmehafter Unbequemlichkeiten und komischer Episoden – die er in Federzeichnungen und Radierungen überliefert hat – gewann er, sobald er, wie im Falle der Frühlingslandschaft, vom Wasser aus das Ufer malte, den ihm besonders willkommenen reinen Horizontalblick auf die Landschaft. Über die Jahrzehnte hinweg wird sein Werk von einem stets gleich proportionierten, deutlich überstreckten Breitformat – beinahe doppelt so breit wie hoch – beherrscht. Selbst wenn die ruhigen Wasserflächen der Oise oder der Seine nicht bis an den unteren Bildrand reichen, steht so gut wie nie ein großes Vordergrundmotiv dem Blick im Wege, der sich über die ganze Breite des Bildes hinweg, stets parallel zu dessen Fläche, gleichmäßig auf den Horizont zubewegt. In demselben Maße, in dem blickfangende Einzelmotive fehlen, werden Licht und Luft – so ungreifbar und unspektakulär wie allgegenwärtig – zum eigentlichen Thema: in der Frühlingslandschaft mit der matten Bläue des Himmels, über den kleine Wolken ziehen, mit den weißen und gelben Pünktchen der Blüten vorn. Die durchsichtige, beinahe körperlose Frühlingsvegetation – ein neues Thema der Malerei, das mit dem Fortschreiten des Jahrhunderts an Bedeutung zunimmt – kommt der Neigung Daubignys entgegen, die großen Formen verschwimmen zu lassen. Die vorsatzlos improvisierende Maltechnik, zu der er sich bekannte, setzt den wechselnden Stofflichkeiten folgend breite oder winzige Flecken, leichte Parallelstriche oder ruhige Farbflächen ein. Staffagefiguren sind bei Daubigny selten oder sehr klein. Das Liebespaar auf unserem Bild, präsenter zwar als seine Figuren sonst, aber vom Betrachter abgekehrt, bleibt ein lyrischer Beiklang. | Claude Keisch


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. rechts unten: Daubigny 1862

AUSSTELLUNGEN
– Salon, Paris, 1868
– Die Nationalgalerie und ihre Stifter. Ausstellung zum hundertjährigen Bestehen der Nationalgalerie, Berlin (West), Nationalgalerie, 26.3.-7.5.1961
– Französische Malerei von Watteau bis Renoir. Meisterwerke aus der Gemäldegalerie und Nationalgalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz Berlin und anderen Sammlungen, Braunschweig, Herzog Anton Ulrich-Museum, 1.12.1983-22.1.1984
– Französische Malerei von Watteau bis Renoir. Meisterwerke aus der Gemäldegalerie und Nationalgalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz Berlin, Aachen, Suermondt-Ludwig-Museum, 19.2.-8.4.1984
– Von Manet bis van Gogh. Hugo von Tschudi und der Kampf um die Moderne, Berlin, Alte Nationalgalerie, 20.9.1996-1.6.1997
– Von Manet bis van Gogh. Hugo von Tschudi und der Kampf um die Moderne, München, Neue Pinakothek, 24.1.-5.11.1997
– Frankreich in der Nationalgalerie, Berlin, Staatlichen Museen zu Berlin, Nationalgalerie, 23.5.-7.10.2007

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Aachen 1984: Französische Malerei von Watteau bis Renoir. Meisterwerke aus der Gemäldegalerie und Nationalgalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz Berlin, Ausst.-Kat. Suermondt-Ludwig-Museum, Aachen 19.2.-8.4.1984, S. 92, Kat.-Nr. 31, Farbtaf. S. 93
– Ausst.-Kat. Berlin 1961: Die Nationalgalerie und ihre Stifter. Ausstellung zum hundertjährigen Bestehen der Nationalgalerie, hrsg. v. Nationalgalerie, Ausst.-Kat. Orangerie Schloss Charlottenburg, Berlin 26.3.-7.5.1961, S. 28, Kat.-Nr. 73
– Ausst.-Kat. Berlin 1961: Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke der Nationalgalerie Berlin in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg, Ausst.-Kat. Schloß Charlottenburg, Berlin, 1961, S. 38
– Ausst.-Kat. Berlin 1996: Manet bis van Gogh. Hugo von Tschudi und der Kampf um die Moderne, hrsg. v. Johann Georg Prinz von Hohenzollern, Peter-Klaus Schuster, Ausst.-Kat. Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, 20.9.1996-6.1.1997; Neue Pinakothek, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München, 24.1.-11.5.1997, S. 60 f., Kat.-Nr. 9 mit Farbtaf.
– Ausst.-Kat. Berlin 2007: Frankreich in der Nationalgalerie: Courbet, Manet, Cézanne, Renoir, Rodin, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Ausst.-Kat. Nationalgalerie, Berlin 23.5.-7.10.2007, S. 29 f., 37, Kat.-Nr. 21 mit Farbabb.
– Ausst.-Kat. Braunschweig 1983: Französische Malerei von Watteau bis Renoir. Meisterwerke aus der Gemäldegalerie und Nationalgalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz Berlin und anderen Sammlungen, Ausst.-Kat. Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig 1.12.1983-22.1.1984, S. 116, Kat.-Nr. 43, Farbtaf. S. 117
– Ausst.-Kat. München 1979: Die Schule von Barbizon, französische Landschaftsmalerei im 19. Jahrhundert, bearb. von Hans-Peter Bühler, Ausst.-Kat. Galerie Dr. Bühler, München, 15.10.-20.11.1979, Abb. 59
– Brauer/Jannasch 1968: Verzeichnis der vereinigten Kunstsammlungen Nationalgalerie, Preussischer Kulturbesitz, Galerie des 20. Jahrhunderts, Land Berlin, bearb. v. Heinrich Brauer und Adolf Jannasch, Berlin, Mann, 1968, S. 54, Abb. 235, S. 324
– Gersdorff 1987: Dagmar von Gersdorff, Liebespaare, Eheleute. Aus den Sammlungen der Berliner Museen, Berlin, Edition Hentrich, 1987, S. 78 f., Farbabb. 86
– Grote 1967: Ludwig Grote (Hrsg.), Europäische Malerei in deutschen Galerien. Meister des 19. Jahrhunderts, München, Prestel, 1967, Bd. II, Abb. 46
– Honisch 1979: Dieter Honisch, Die Nationalgalerie Berlin, Recklinghausen, Bongers, 1979, S. 182, Abb. 160
– Honisch 1992: Dieter Honisch, Texte. Mit einem Gruß von Günther Uecker, Stuttgart, Edtion Cantz, 1992, S. 76
– Krieger 1967: Peter Krieger, Maler des Impressionismus, Berlin, Mann, 1967, S. 7, 31, Kat.-Nr. 10, Taf. 1
– Laran 1913: Jean Laran, Daubigny, 48 planches hors-texte, accompagnées de 48 notices, Paris, Librairie centrale des beaux-arts, 1913, S. 93 f., Abb. XXXIX
– Maaz 1996: Bernhard Maaz (Hrsg.), Alte Nationalgalerie Berlin, München, New York, Prestel, 1996, S. 98, Kat.-Nr. 129 mit Farbabb.
– Maaz 2003: Bernhard Maaz, "Hier handelt sich's nicht blos um eine Persönlichkeit, sondern um ein Prinzip". Hugo von Tschudi im Briefwechsel, Berlin, Mann, 2003, S. 181 f., Abb. 16
– Moreau-Nélaton 1925: Etienne Moreau-Nélaton, Daubigny raconté par lui-même, Paris, Laurens, 1925, S. 97 f., Abb. 86
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1901-1934, Kat.-Nr. 807
– Nationalgalerie 1976: Nationalgalerie. Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen des 19. Jahrhunderts, bearb. v. Barbara Dieterich und Peter Krieger und Elisabeth Krimmel-Decker, Berlin 1976, S. 98, Taf. S. 99
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 188 mit Abb.
– Paul 1993: Barbara Paul, Hugo von Tschudi und die moderne französische Kunst im deutschen Kaiserreich, Mainz, Zabern, 1993, S. 361, Kat.-Nr. 47, Abb. 48
– Reidemeister/Brauer 1961: Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke der Nationalgalerie Berlin in der Orangerie des Schloss Charlottenburg, bearb. v. Leopold Reidemeister und Henrich Brauer, Berlin 1961, 1961, 1964, 1966, S. 38
– Scheffler 1912: Karl Scheffler, Die Nationalgalerie zu Berlin. Ein kritischer Führer, Berlin, Cassirer, 1912, S. 238, Abb. S. 237
– Schmid 1904-1906: Max Schmid, Kunstgeschichte des XIX. Jahrhunderts, Leipzig, Seemann, 1904-1906, Bd. 2, 1906, S. 35; Abb. 24
– Thieme/Becker 1907-1950: Ulrich Thieme und Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Leipzig, Engelmann, 1907-1950, Bd. 9, 1913, S. 422
– Waldmann 1927: Emil Waldmann, Die Kunst des Realismus und des Impressionismus im 19. Jahrhundert, Berlin, Propyläen, 1927, 2. Aufl., S. 626, Taf. S. 394
– Wesenberg 2001: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig, Seemann, 2001, S. 108 f., Kat.-Nr. 112, Farbabb. S. 109
– With 1986: Christopher B. With, The Prussian Landeskunstkommission 1862-1911. A Study in State Subvention of the Arts, Berlin, Gebrüder Mann, 1986, S. 117- 118, Abb. 24
– WVZ Hellebranth 1976: Robert Hellebranth, Charles-François Daubigny, 1817-1878, Morges, Matute, 1976, S. 314, WVZ Nr. 961 mit Abb.
– Zentralarchiv SMPK, I/NG, Acta Gen. 37, Bd. VI, J.Nr. 593/00, 765/00


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