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Der Tod des Oskar (Nach Ossian)
  • Der Tod des Oskar (Nach Ossian)
  • Bild
  • Joseph Anton Koch (27.7.1768 - 12.1.1839), Maler
  • 1804
  • Öl auf Leinwand
  • 117 x 112 cm
  • Ident.Nr. A III 474
  • 1962 Ankauf von Frau F. Loewe, Berlin
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Bernd Kuhnert
Beschreibung
Provenienz
Der Autorität der klassischen Antike setzte der Sturm und Drang des späten 18. Jahrhunderts einen ›Homer des Nordens‹ entgegen: Altgälische Heldenlieder, von dem Schotten James Macpherson gesammelt, mit dem Namen des Barden Ossian verknüpft und durch eine eingreifende Überarbeitung in ein frühromantisches Epos umgewandelt, eroberten ganz Europa. Ihnen hat Joseph Anton Koch seinen Stoff entnommen (Buch Temora, I. Gesang): Während eines Feldzuges gegen den Usurpator des irischen Throns, Kairbar, ist Ossians Sohn Oskar in einen tödlichen Hinterhalt gelockt worden. Nachdem Oskars Großvater Fingal die Feinde in die Flucht geschlagen hat, betrauert er den sterbenden Oskar. Hinter Fingal, links im Bild, ist der Leichnam von Oskars Gegner Kairbar erkennbar, rechts trauert Ossian. Im Hintergrund die irische Burg Temora, das Meer, die Schiffe der Krieger. Der junge Krieger mit Drachenhelm rechts ist wohl Oskars Bruder Fillan, der rot bemützte Waffenlose links der Barde Ullin. Schon vor 1800 hatte die ossianische Dichtung, die menschliche Leidenschaften mit dem Stürmen der Natur verknüpfte, die Malerei ergriffen.
Daß ausgerechnet einer der großen deutschen Landschaftsmaler einen Ossian-Stoff rein figürlich interpretiert, mag überraschen. Doch dies lag am Schwerpunkt seines Interesses in seinen ersten Jahren in Rom; damals komponierte er graphische Zyklen zu Dante, Aischylos und Ossian. Auf letzteren hatte ihn – neben dem Schotten Georg August Wallis – sein Mentor Asmus Jakob Carstens aufmerksam gemacht. Gegen 1800 plante er eine Folge von Ossian-Radierungen und wollte 1803 vier der zahlreichen Entwürfe in Ölfarben ausführen, doch kam im Jahr darauf einzig der »Tod des Oskar« zustande. Vier vorbereitende Zeichnungen sind erhalten (Kongelige Kobberstiksamling, Kopenhagen; Akademie der bildenden Künste Wien).
Ende 1804 in nur 18 Tagen für das Caffè Greco, das römische Künstlercafé, gemalt und dort aufgehängt, stieß das Werk auf so harte Kritik bei den Kollegen, daß Koch es nach einigen Wochen durch die »Heroische Landschaft mit Regenbogen« ersetzte (1805, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe). Damit war auch endgültig die Wende vom Historien- zum Landschaftsmaler vollzogen. Nie wieder hat sich Koch an derart monumentalen Figuren versucht. Die schwerblütigen Trauergebärden und die kräftige Modellierung erinnern an Carstens (was den Urheber der apokryphen Signatur irregeführt haben mag), ebenso an Michelangelo. Das rotbraune Inkarnat und die changierenden Farben der Stoffe deuten zurück auf italienische Manieristen und den frühen Rubens, aber auch auf Christian Gottlieb Schicks maltechnische Unterweisungen. | Claude Keisch


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. rechts unten: A. Carstens [von fremder Hand und fälschlich]

AUSSTELLUNGEN
– Italia und Germania. Deutsche Klassizisten und Romantiker in Italien. Eine Ausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin, National-Galerie, Stendal, Winckelmann-Haus, 1975-1976
– Italia und Germania. Deutsche Klassizisten und Romantiker in Italien. Eine Ausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin, National-Galerie, Weimar, Kunstsammlungen, 1976
– Classici e Romantici Tedeschi in Italia. Opere d' Arte dei Musei della Repubblica Democratica Tedesca, Venedig, Ala Napoleonica, Sept. - Nov. 1977
– Asmus Jakob Carstens und Joseph Anton Koch. Zwei Zeitgenossen der Französischen Revolution. Zeichnungen, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, 14.12.1989-25.2.1990
– Kunst der Goethezeit. "Classizismus und Romantizismus", Papenburg-Aschendorf, Gut Altenkamp, 8.5.-26.9.1999

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1989: Asmus Jakob Carstens und Joseph Anton Koch. Zwei Zeitgenossen der Französischen Revolution. Zeichnungen, Ausst.-Kat. Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, 14.12.1989-25.2.1990, Kat.-Nr. 110, Abb.
– Ausst.-Kat. Papenburg-Aschendorf 1999: "Classizismus und Romantizismus". Kunst der Goethezeit, hrsg. v. Birgit Verwiebe, Ausst.-Kat. Gut Altenkamp, Papenburg-Aschendorf 8.5.-26.9.1999, S. 98, Kat.-Nr. 35, Abb. S. 84
– Ausst.-Kat. Stendal 1975: Italia und Germania. Deutsche Klassizisten und Romantiker in Italien, hrsg. v. Max Kunze, Ausst.-Kat. Winckelmann-Museum Stendal, Kunstsammlungen zu Weimar 1975-1976, S. 66, Abb. S. 67
– Ausst.-Kat. Venedig 1977: Classici e Romantici Tedeschi in Italia. Opere d' Arte dei Musei della Repubblica Democratica Tedesca, hrsg. v. Claude Keisch, Ausst.-Kat. Ala napoleonica, Venedig 9.-11.1977, Kat.-Nr. 53, Abb.
– Keisch 1976: Claude Keisch, "Der Tod des Oskar. Joseph Anton Koch als Historienmaler", in: Forschungen und Berichte, (1976), Bd. 17, S. 189-198, S. 189-198, Taf. 33
– Kotzebue 1805: August von Kotzebue, Erinnerungen von einer Reise aus Liefland nach Rom und Neapel, Berlin, Frölich, 1805, Bd. 2, S. 425
– Leitzmann 1892: Albert Leitzmann (Hrsg.), Briefe von Wilhelm von Humboldt an Friedrich Heinrich Jacobi, Halle (Saale), Niemeyer, 1892, S. 80
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 446 mit Abb.
– Neidhardt 1977: Hans Joachim Neidhardt, Joseph Anton Koch, Dresden, Verlag der Kunst, 1977, ?
– Ruthenberg 1968: Vera Ruthenberg, Neuerwerbungen der Älteren Abteilung der Nationalgalerie von 1961-1967, in: Forschungen und Berichte, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, 1968, S. 151-158, Nr. 3
– Schneider 1938: Arthur von Schneider, "Die Briefe Joseph Anton Kochs an den Freiherrn Karl Friedrich von Uexküll", in: Jahrbuch der Preuszischen Kunstsammlungen, Berlin, 1938, S. 186-208, 258-280, S. 191, 194
– Wesenberg 2001: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig, Seemann, 2001, S. 209 f., Kat.-Nr. 234 mit Farbabb.
– WVZ Lutterotti 1940: Otto R. von Lutterotti, Joseph Anton Koch 1768-1839. Mit Werkverzeichnis und Briefen des Künstlers, Berlin, Deutscher Verein für Kunstwissenschaft, 1940, S. 30, Kat.-Nr. G 98
– WVZ Lutterotti 1985: Otto R. von Lutterotti, Joseph Anton Koch (1768-1839). Leben und Werk. Mit einem vollständigen Werkverzeichnis, Wien, München, Herold, 1985, 2. Aufl., S. 44, Kat.-Nr. G 9 b, Abb. 7


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