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Kaiser Franz I. von Österreich
  • Kaiser Franz I. von Österreich
  • Bild & Studie
  • Friedrich von Amerling (14.4.1803 - 14.1.1887), Maler
  • 1832
  • Öl auf Leinwand
  • 55,5 x 45 cm
  • Ident.Nr. NG 32/60
  • 1960 Geschenk der Erben aus dem Nachlaß von Jakob Goldschmidt, New York
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Beschreibung
Provenienz
»Willkommen war es mir, geruffen zu werden, um einmal ins thätigere Leben zu tretten«, schrieb der junge Friedrich Amerling in Rom freudig in sein Tagebuch, als er durch seinen Vater Nachricht vom Auftrag des Kaiserporträts erhielt (zit. nach: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Wien, Bd. 8, Wien 1928, S. 80). Ende März 1832 kam es denn auch zur Begegnung von Maler und Modell, als Amerling zu einem Mittagessen in die Hofburg geladen wurde, um – aus gebührendem Abstand zur kaiserlichen Tafel – den Monarchen zu skizzieren.
Kaiser Franz I. von Österreich, letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und hernach Begründer des österreichischen Kaisertums, war ein konservativer, vom Glauben an sein Gottesgnadentum durchdrungener Monarch, dessen Minister Metternich das Land nach 1813 in den jahrzehntelangen Dämmerschlaf der Restauration versenkte. Während Zensur, Polizeistaat und Spitzelwesen oppositionelle Kräfte in Schach halten sollten, übernahm Franz weitgehend repräsentative Aufgaben und interessierte sich als gelernter Gärtner vor allem für Blumen und Pflanzenkunde.
Amerlings Bildnis steht im Zusammenhang mit mehreren Studien in Öl oder Aquarell, die der Künstler in zeitlicher Nähe zu seinem großen Staatsporträt des alternden Regenten im Ornat des österreichischen Kaisers (Kunsthistorisches Museum, Wien) sowie zwei weiteren ganzfigurigen Gemälden gefertigt hat (Österreichische Galerie Belvedere, Wien). Zeigt ein ebenfalls im Belvedere aufbewahrtes Brustbild den Regenten noch realitätsnah im bürgerlichen Rock, so lastet auf dem Berliner Gemälde – wie auf dem Großformat im Kunsthistorischen Museum – die Rudolfinische Hauskrone von 1602 schwer auf dem kaiserlichen Haupt. Die Diskrepanz zwischen althergebrachter Machtsymbolik und dem niedergedrückt dreinblickenden Greisengesicht findet Entsprechung in der fast sakral anmutenden, bildsprengenden Frontalität bei gleichzeitig meisterlich freiem Pinselduktus. Hier verrät das Gemälde englischen Einfluß, insbesondere von Thomas Lawrence. Friedrich von Amerling, der einen steilen Weg zum Lieblingsporträtisten höchster Kreise nahm, gelang mit seinem Gemälde ein ansprechendes Vexierbild von Amt und Person, Würde und Bürde. | Philipp Demandt


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
nicht bezeichnet

AUSSTELLUNGEN
– Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation 962–1806. Altes Reich und neue Staaten 1495–1806, Berlin, Deutsches Historisches Museum, 28.08.-10-12-2006

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Wien 2003: Friedrich von Amerling, hrsg. v. Sabine Grabner, Ausst.-Kat. Österreichische Galerie Belvedere, Wien, 26.3.2003-22.6.2003, S. 41-56
– Beenken 1944: Hermann Beenken, Das neunzehnte Jahrhundert in der deutschen Kunst. Aufgaben und Gehalte. Versuch einer Rechenschaft, München, Bruckmann, 1944, 357 f., vgl. Abb. 133
– Boetticher 1891: Friedrich Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Leipzig, Schmidt & Günther, 1891, Bd. I, 1, S. 33, vgl. Kat.-Nr. 6
– Brauer/Jannasch 1968: Verzeichnis der vereinigten Kunstsammlungen Nationalgalerie, Preussischer Kulturbesitz, Galerie des 20. Jahrhunderts, Land Berlin, bearb. v. Heinrich Brauer und Adolf Jannasch, Berlin, Mann, 1968, S. 19
– Hütt 1986: Wolfgang Hütt, Deutsche Malerei und Graphik 1750-1945, Berlin, Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, 1986, S. 98 f.
– Nationalgalerie 1976: Nationalgalerie. Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen des 19. Jahrhunderts, bearb. v. Barbara Dieterich und Peter Krieger und Elisabeth Krimmel-Decker, Berlin 1976, 32, 32
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 42 mit Abb.
– Probszt 1927: Günther Probszt, Friedrich von Amerling. Der Altmeister der Wiener Porträtmalerei, Zürich/Leipzig/Wien, Amalthea, 1927, vgl. Nr. 248, Abb. 27
– Probszt 1928: Günther von Probszt, "Friedrich von Amerlings Tagebuch und Briefe", in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Wien, 1928, Heft 8, S. 80


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