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Die Religion
  • Die Religion
  • Bild
  • Philipp Veit (13.2.1793 - 18.12.1877), Maler
  • 1819
  • Öl auf Leinwand
  • 194,5 x 127 cm
  • Ident.Nr. A II 368
  • 1922 erworben von Direktor Wurster, Berlin, im Tausch gegen ein Bild und zwei Ölstudien von Carl Blechen
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Description
Provenienz
Mit ihrem zweiten Gatten Friedrich Schlegel konvertierte Dorothea Veit, Tochter des berühmten jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn, zum Katholizismus. 1808 ließen sich die Schlegels in Wien nieder. Wenig später folgten die beiden Söhne aus erster Ehe, Johannes und Philipp Veit, nach Wien und konvertierten ebenfalls. Philipp wurde nicht, wie es die Mutter wünschte, Priester, sondern wählte eine künstlerische Laufbahn. Friedrich Schlegel schrieb ihr beruhigend, Philipps Beruf als Maler sei, »so wie er ihn nimmt, schon an sich sehr edel und selbst für die Religion wichtiger […], für unsere Zeit besonders, als der eines gewöhnlichen, wenn auch frommen Priesters« (zit. nach: L. Justi, Von Runge bis Thoma, Bd. 1, Berlin 1932, S. 75). Zunächst aber trat Philipp Veit mit seinem Freund Joseph von Eichendorff 1813 dem Lützowschen Freikorps bei. Nach dem Ende der Freiheitskriege ging Veit 1815 nach Rom und schloß sich dort den Nazarenern an. In den darauffolgenden zwei Jahren beteiligte er sich an der Ausmalung der Casa Bartholdy (vgl. Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 419). Nach erfolgreicher Beendigung dieser Wandbilder erhielten die Nazarener weitere Freskoaufträge, so auch Veit, der sowohl für das Casino Massimo als auch im zum Museo Chiaramonti ernannten Nordflügel des Vatikan tätig war. Dort entstand sein Fresko »Die Religion«, welches er mit diesem Gemälde wiederholte und 1819 im Palazzo Caffarelli ausstellte. »Die Geschichtsmalerey«, schrieb das »Kunst-Blatt«, »hat von Oehlbildern wenig große, aber einige sehr gute geliefert. Unter diesen steht die Religion von Ph. Veit aus Berlin oben an« (Kunst-Blatt, Beilage des Morgenblatts für gebildete Stände, 1819, H. 7, S. 26). Gehüllt in einen goldenen Mantel sitzt eine die Religion verkörpernde weibliche Gestalt auf antiken Trümmern. Mit der Linken hält sie ein bis zum Boden reichendes Kreuz, in der Rechten das Palmblatt der Märtyrer. Ihr zu Füßen ein Blutkrüglein und Marterwerkzeuge, im Hintergrund die Ruinen des Kolosseums in Rom, das unter Papst Pius VII. christlich geweiht wurde. Rechts unten, neben dem Monogramm des Künstlers, malte Veit den Stengel eines Rittersporns, nach Justi wohl eine Anspielung auf seine patriotische Gesinnung während der Freiheitsbewegung. »Den Sieg des Christentums adlig zu versinnbildlichen war Veits Grundgedanke«, schrieb Paul Ortwin Rave anläßlich der Erwerbung des Gemäldes durch die Nationalgalerie (Der Kunstwanderer, 8. Jg., 1926, H. 1/2, S. 198–199). | Birgit Verwiebe


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. rechts unten: PSV [Monogramm] 1819

AUSSTELLUNGEN
– Kunstausstellung zu Ehren des Kaisers Franz, Rom, Palazzo Caffarelli auf dem Capitol, Frühjahr 1819
– Religion Macht Kunst. Die Nazarener, Frankfurt am Main, Schirn Kunsthalle, 15.4.-24.7.2005

LITERATUR
– art. Das Kunstmagazin: Wolf Uecker u.a. (Hrsg.), art. Das Kunstmagazin, Hamburg, Gruner + Jahr, 1979 ff., Nr. 4, April 2005, Farbabb. S. 88
– Ausst.-Kat. Frankfurt 2005: Religion Macht Kunst. Die Nazarener, hrsg. v. Max Hollein und Christa Steinle, Ausst.-Kat. Schirn Kunsthalle Frankfurt 15.4.-24.7.2005, S. 279, Farbtaf. S. 49
– Boetticher 1891: Friedrich Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Leipzig, Schmidt & Günther, 1891, Bd. II, 2, S. 917, Kat.-Nr. 1
– Justi 1926: Ludwig Justi, Paul Ortwin Rave und Ludwig Thormaehlen, Zweihundert Bilder der Nationalgalerie. Erworben 1910 bis 1925 von Ludwig Justi, Berlin, Bard, 1926, S. 12, Taf. 18
– Justi 1932: Ludwig Justi, Von Runge bis Thoma. Deutsche Malkunst im 19. und 20. Jahrhundert. Ein Gang durch die National-Galerie, Berlin, Bard, 1932, S. 75
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1923-1934, Kat.-Nr. 1419
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 864 mit Abb.
– Rave 1924: Paul Ortwin Rave, Neuerwerbungen der Nationalgalerie, in: Der Kunstwanderer, 6, 1924/25
– Schorn 1820-1848: Ludwig Schorn (Hrsg.), Kunstblatt, Stuttgart, Tübingen, Cotta'sche Buchhandlung, 1820-1848, 1819, Nr. 7, S. 26
– Thieme/Becker 1907-1950: Ulrich Thieme und Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Leipzig, Engelmann, 1907-1950, Bd. 34, 1940, S. 184
– Wesenberg 2001: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig, Seemann, 2001, S. 440 f., Kat.-Nr. 517 mit Farbabb.
– WVZ Suhr 1991: Norbert Suhr, Philipp Veit (1793-1877). Leben und Werk eines Nazareners. Monographie und Werkverzeichnis, Weinheim, VCH, 1991, S. 47 f., S. 249 f., Nr. G 5


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