SMB-digital

Online collections database

Der Räuber
  • Der Räuber
  • Bild
  • Theodor Hildebrandt (2.7.1804 - 29.9.1874), Maler
  • 1829
  • faktischer Entstehungsort: Düsseldorf
  • Öl auf Leinwand
  • 114 x 99 cm
  • Ident.Nr. W.S. 91
  • 1861 Vermächtnis des Bankiers Joachim Heinrich Wilhelm Wagener als Gründungssammlung der Nationalgalerie
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Description
Provenienz
Die Figur des ›edlen Räubers‹ als eines Selbsthelfers aus Not war seit dem Erscheinen von Schillers »Die Räuber« (1782) und dem noch populäreren Werk von Christian August Vulpius, »Rinaldo Rinaldini, der Räuberhauptmann« (1798), literarisches Allgemeingut. Von letzterem sind wohl auch die berühmten Räuberdarstellungen Léopold Roberts beeinflußt, dessen »Schlafender Räuber« 1824 auf der Berliner Akademieausstellung zu sehen war (Nationalgalerie, Inv.-Nr. W.S. 191).
Der sinnend-lauernde Räuber Hildebrandts zeigt die der Düsseldorfer Schule eigentümliche Melancholie, er »blickt trübe vor sich hin. Er scheint von Trauer über seinen Zustand erfüllt zu sein« (Kunst-Blatt, Beilage zum Morgenblatt der gebildeten Stände, 11. Jg., 1830, Nr. 83, S. 329). In Haltung und kompositorischer Anordnung ähnelt er stark dem König im Gemälde »Ein trauerndes Königspaar« von Carl Friedrich Lessing (Eremitage, Sankt Petersburg), einem Hauptwerk der Berliner Akademieausstellung von 1830. Die blockhafte Geschlossenheit verleiht beiden Figuren Bedeutsamkeit, fast Symbolhaftes. Zugleich erinnern beide Werke an ›lebende Bilder‹ auf einer schmalen Vordergrundbühne, wie sie in dem literarisch regen Düsseldorfer Künstlerkreis um Wilhelm Schadow – namentlich von Hildebrandt – häufig gestellt wurden und dabei Bildvorstellungen prägten.
»Der Räuber« ist ein Werk der romantisch-poetischen Genremalerei akademischer Prägung. »Hildebrandt bewegt sich selten in hohen Kreisen, aber seine Werke haben den Ernst der Geschichte. […] Er ist nicht pathetisch, aber er ist über das Gewöhnliche erhaben« (A. Raczyński, Geschichte der Neueren Deutschen Kunst, Bd. 1, Berlin 1836, S. 210). Im Katalog der Sammlung Wagener 1838 kommentierte Franz Kugler: »Aber das Gesicht ist von reiner, edler Bildung; und diese sowohl, wie der goldne Trauring […] scheint es anzudeuten, dass nicht Lust und Liebe zu Raub und Mord ihn in sein düstres Gewerbe geführt, dass er glücklichere Tage gekannt hat und vielleicht nur durch ein böses Geschick aus der menschlichen Gesellschaft ausgestossen wurde« (Verzeichniss der Gemälde-Sammlung des Consuls J. H. W. Wagener, Berlin 1838, Kat.-Nr. 91). | Angelika Wesenberg


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. links unten: Th: Hildebrandt. 1829

AUSSTELLUNGEN
– Berliner Akademie-Ausstellung, Berlin, Königliche Akademie der Bildenden Künste, 1830
– Die Sammlung Wagener. Aus der Vorgeschichte der National-Galerie, Berlin (Ost), Staatliche Museen zu Berlin, National-Galerie, 24.3. - Mitte Mai 1976
– A German Dream. Masterpieces of Romanticism from the Nationalgalerie Berlin, Dublin, National Gallery of Ireland, 17.10.2004-30.1.2005
– Die Sammlung des Bankiers Wagener. Die Gründung der Nationalgalerie, Berlin, Alte Nationalgalerie, 23.3.2011-8.1.2012
– Die Sammlung des Bankiers Wagener. Die Gründung der Nationalgalerie, Papenburg, Gut Altenkamp, 15.5.-19.8.2012
– Meisterwerke der Malerei des 19. Jahrhunderts aus der Nationalgalerie Berlin, Breslau, Muzeum Miejskie Wrocławia, 18.09.2016-15.01.2017

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1830: Verzeichniß derjenigen Kunstwerke, welche von der Königlichen Akademie der Künste [...] öffentlich ausgestellt sind, Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin, 1830, S. 25, Kat.-Nr. 267
– Ausst.-Kat. Berlin 1976: Die Sammlung Wagener. Aus der Vorgeschichte der Nationalgalerie, Ausst.-Kat. Nationalgalerie, Berlin 24.3.-5.1976, o. S., Titelbild
– Ausst.-Kat. Berlin 2011: Die Sammlung des Bankiers Wagener. Die Gründung der Nationalgalerie, hrsg. v. Birgit Verwiebe, Angelika Wesenberg und Udo Kittelmann, Ausst.-Kat. Alte Nationalgalerie, Berlin 23.3.2011-8.1.2012, Kat-Nr. 91
– Ausst.-Kat. Dublin 2004: A German Dream. Masterpieces of Romanticism from the Nationalgalerie Berlin, hrsg. v. Bernhard Maaz, Ausst.-Kat. National Gallery of Ireland, Dublin 17.10.2004-30.1.2005, S. 150, Kat.-Nr. 52 mit Farbtaf.
– Boetticher 1891: Friedrich Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Leipzig, Schmidt & Günther, 1891, Bd. I, 2, S. 559, Kat.-Nr. 7
– Fontane 1970: Theodor Fontane, Aufsätze zur Bildenden Kunst, München, Nymphenburger Verlagsanstalt, 1970, Bd. 1, S. 474
– Hütt 1964: Wolfgang Hütt, Die Düsseldorfer Malerschule 1819-1869, Leipzig, Seemann, 1964, S. 30, Abb. 9
– Hütt 1984: Wolfgang Hütt, Die Düsseldorfer Malerschule. 1819-1869, Leipzig, Seemann, 1984, 2. Aufl., S. 52, Farbtaf. 44
– Jordan 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin, bearb. v. Max Jordan, Berlin, Mittler & Sohn, 1876, 2. Aufl., S. 130 f., Kat.-Nr. 138
– Müller von Königswinter 1854: Wolfgang Müller von Königswinter, Düsseldorfer Künstler aus den letzten fünfundzwanzig Jahren, Leipzig, Rudolf Weigel, 1854, S. 183
– Muther 1893-1894: Richard Muther, Geschichte der Malerei im XIX. Jahrhundert, München, G. Hirth, 1893-1894, Bd. I, S. 231
– Nagler, Bd. VI, 1838, S. 177
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1876-1914, Kat.-Nr. 138
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 374 mit Abb.
– Raczynski 1836: Athanasius Raczynski, Geschichte der neueren deutschen Kunst, Berlin 1836-1841, Bd. I, 1836, S. 134, 203
– Rosenberg 1889: Adolf Rosenberg, Geschichte der modernen Kunst, Leipzig, Grunow, 1889, Bd. 2, 1887, S. 362
– Schadow 1987: Johann Gottfried Schadow, Kunstwerke und Kunstansichten. Ein Quellenwerk zur Berliner Kunst- und Kulturgeschichte zwischen 1780 und 1845, Berlin, Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, 1987, 1849/1987, S. 175
– Schorn 1820-1848: Ludwig Schorn (Hrsg.), Kunstblatt, Stuttgart, Tübingen, Cotta'sche Buchhandlung, 1820-1848, 1830, Nr. 83, S. 329
– Verwiebe/Wesenberg 2013: Birgit Verwiebe und Angelika Wesenberg (Hrsg.), Die Gründung der Nationalgalerie in Berlin. Der Stifter Wagener und seine Bilder, Köln, Böhlau, 2013, S. 72-73, Abb. 31
– Waagen 1861: Verzeichniss der Gemälde-Sammlung des am 18. Januar 1861 zu Berlin verstorbenen Königlichen Schwedischen und Norwegischen Konsuls J. H. W. Wagener, welche durch letztwillige Bestimmung in den Besitz Seiner Majestät des Königs übergegangen ist, hrsg. v. Gustav Friedrich Waagen, Berlin 1861, Kat.-Nr. 91
– Waagen 1866: Verzeichniß der Gemälde-Sammlung des J. H. W. Wagener, hrsg. v. Gustav Friedrich Waagen, Berlin 1866, 1838, S. 44, Kat.-Nr. 81
– Waagen 1866: Verzeichniß der Gemälde-Sammlung des J. H. W. Wagener, hrsg. v. Gustav Friedrich Waagen, Berlin 1866, 1850, Kat.-Nr. 70
– Wesenberg 2001: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig, Seemann, 2001, S. 189 f., Kat.-Nr. 209, Farbabb. S. 190
– Weyl 1842: Louis Weyl, Der Führer durch die Kunstsammlungen Berlins, Berlin, Oehmigke's Buchhandlung, 1842, Kat.-Nr. 81
– Zentralarchiv SMPK, Nachlaß Schadow (Brief an Maximilian Speck von Sternburg, 18. 4. 1831)


SMB-digital is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Germany License.
Permissions beyond the scope of this license may be available at www.bpk-bildagentur.de.