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Porträt Dorothea Schlegel
  • Porträt Dorothea Schlegel
  • Bild
  • Anton Graff (18.11.1736 - 22.6.1813), Maler
  • um 1790
  • Öl auf Leinwand
  • 44,2 x 37,5 cm
  • Ident.Nr. A II 386
  • 1923 durch Tausch erworben von der Kunsthandlung Paffrath, Düsseldorf
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Jörg P. Anders
Description
Im Jahre 1790 erweiterte Brendel Veit (1764–1839) ihr literarisches Teekränzchen zu einem regelrechten Salon. Vorbilder dafür waren die Salons von Rahel Levin und Henriette Herz, Jüdinnen wie sie. Als Gattin des wohlhabenden Bankiers Veit und als Tochter des Philosophen und Aufklärers Moses Mendelssohn (1729–1786) besaß sie die Mittel und die Bildung dafür. Im Zuge der Assimilationsbestrebungen der Zeit wandelte Brendel ihren Namen zudem in Dorothea um. Die Gäste in den verschiedenen, nachmals so berühmten Salons waren häufig dieselben. 1797 wird sie im Salon von Henriette Herz dem jungen Friedrich Schlegel begegnen und in ihm auch einen geistigen Partner finden. 1799 wurde sie von Veit geschieden, 1804, nach ihrem Übertritt zum evangelischen Glauben, heiratete sie Friedrich Schlegel. Wenige Jahre später konvertierten beide gemeinsam zum Katholizismus.
Graff hat um 1790 mehrfach sehr nahsichtige Frauenbildnisse mit üppiger Haartracht gemalt, ›in ungezwungenen Locken‹, wie man damals sagte. Besonders im Stadium des Entwurfes erinnern sie mitunter an Medusenhäupter (vgl. die Bildnisse der Friederike von Preußen und Sophie Stolberg-Stolberg, Abb. in: E. Berckenhagen, Anton Graff, Berlin 1967, Nr. 315 und 1327). Für verheiratete Jüdinnen, die wenige Jahre zuvor ihre Haare noch unter einer Haube oder Perücke zu verbergen hatten, war die Haarpracht zugleich Zeichen der neuen Freiheiten und Möglichkeiten. Das offene, üppige Haar – wie ebenso auf dem Bildnis der Henriette Herz (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 433) zu sehen – besaß für sie eine besondere Bedeutung. In Porträts erhält es einen eigenen Ausdruck wie auf anderen Damenbildnissen Kleid oder Schmuck. | Angelika Wesenberg


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. rechts unten (von fremder Hand): Dorothea Schlegel / von / Anton Graff

AUSSTELLUNGEN
– Berliner Bildnisse aus drei Jahrhunderten, München, Städtische Galerie, 1.6.-1.7.1962
– Leistung und Schicksal. 300 Jahre Jüdische Gemeinde zu Berlin & Dokumente Gemälde Druckgraphik Handzeichnungen Plastik, Berlin, Berlin Museum, 10.9.-10.11.1971
– Berlinerinnen. Bekannte und unbekannte Frauen in Berlin aus drei Jahrhunderten, Berlin, Berlin Museum, 26.4.-29.6.1975
– Preußen. Versuch einer Bilanz, Berlin, Berliner Festspiele GmbH im Gropius-Bau, 15.8.-15.11.1981
– Eva und die Zukunft. Das Bild der Frau seit der Französischen Revolution, Hamburg, Hamburger Kunsthalle, 11.7.-14.8.1986
– Berlin, Berlin. Die Ausstellung zur Geschichte der Stadt, Berlin, Berliner Festspiele GmbH, Aug. - Nov. 1987
– Sklavin oder Bürgerin? Französische Revolution und Neue Weiblichkeit 1760-1830, Frankfurt am Main, Historisches Museum, 4.10.-4.12.1989
– Jüdische Lebenswelten. Jüdisches Denken und Glauben, Leben und Arbeiten in den Kulturen der Welt, Berlin, Martin-Gropius-Bau, 12.1.-26.4.1992
– Ereignis Weimar. Anna Amalia, Carl August und das Entstehen der Klassik 1757-1807, Weimar, Klassik Stiftung Weimar, Schloßmuseum, 1.4.-4.11.2007
– Anton Graff, Gesichter einer Epoche, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Alte Nationalgalerie, 25.10.2013-23.2.2014

LITERATUR
– Arendt 1959: Hannah Arendt, Rahel Varnhagen. Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der Romantik. Mit einer Auswahl von Rahel-Briefen und Zeitgenössischen Abbildungen, München, Piper, 1959, Taf. nach S. 80
– Ausst.-Kat. Berlin 1971: Leistung und Schicksal. 300 Jahre Jüdische Gemeinde zu Berlin. Dokumente Gemälde Druckgraphik Handzeichnungen Plastik, Ausst.-Kat. Berlin Museum 10.9.-10.11.1971, S. 109, Kat.-Nr. 293, Taf. 39
– Ausst.-Kat. Berlin 1975: Berlinerinnen. Bekannte und unbekannte Frauen in Berlin aus drei Jahrhunderten. Gemälde- Plastik- Graphik- Photographien- Autographen- Bücher, hrsg. v. Irmgard Wirth, Ausst.-Kat. Berlin Museum 26.4.-29.6.1975, S. 21, Kat.-Nr. 90
– Ausst.-Kat. Berlin 1981: Preußen. Versuch einer Bilanz, hrsg. v. Gottfried Korff, Ausst.-Kat. Gropius-Bau, Berlin 15.8.-15.11.1981, Bd. 1, S. 341, Kat.-Nr. 19/5 mit Farbabb.
– Ausst.-Kat. Berlin 1987: Berlin, Berlin. Die Ausstellung zur Geschichte der Stadt, hrsg. v. Gottfried Korff und Reinhard Rürup, Ausst.-Kat. Martin-Gropius-Bau, Berlin 15.8.-22.11.1987, Kat.-Nr. 5/52
– Ausst.-Kat. Berlin 1992: Jüdische Lebenswelten, hrsg. v. Andreas Nachama und Gereon Sievernich, Ausst.-Kat. Martin-Gropius-Bau Berlin 12.1.-26.4.1992, S. 184, Kat.-Nr. 9/35 mit Farbabb.
– Ausst.-Kat. Frankfurt am Main 1989: Sklavin oder Bürgerin? Französische Revolution und neue Weiblichkeit 1760-1830, hrsg. v. Viktoria Schmidt-Linsenhoff, Ausst.-Kat. Historisches Museum, Frankfurt am Main, 4.10.-4.12.1989, Kat.-Nr. 13.10, Farbabb., S. 416
– Ausst.-Kat. Hamburg 1986: Eva und die Zukunft. Das Bild der Frau seit der Französischen Revolution, hrsg. von Werner Hofmann, Ausst.-Kat. Hamburger Kunsthalle, 11.7.-14.9.1986, S. 307 f., Kat.-Nr. 219 mit Abb.
– Ausst.-Kat. München 1962: Berliner Bildnisse aus drei Jahrhunderten, hrsg. von Irmgard Wirth,Dora Lüttgen, Ausst.-Kat. Städtische Galerie München 1.6.1962-1.7.1962, Kat.-Nr. 23
– Ausst.-Kat. Weimar 2007: Ereignis Weimar. Anna Amalia, Carl August und das Entstehen der Klassik 1757-1807, hrsg. v. Klassik Stiftung Weimar, Ausst.-Kat. Schlossmuseum Weimar, 1.4.-4.11.2007, S. 214, 327, Kat.-Nr. 20.65, Farbabb. 176
– Ausst.-Kat. Winterthur 2013: Anton Graff, Gesichter einer Epoche, hrsg. von Marc Fehlman und Birgit Verwiebe, Ausst.-Kat. Museum Oskar Reinhart, Winterthur, 22.6.2013-29.9.2013; Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie, 25.10.2013-23.2.2013, S. 246, Kat.-Nr. 87, Farbtaf. S. 247
– Brauer/Jannasch 1968: Verzeichnis der vereinigten Kunstsammlungen Nationalgalerie, Preussischer Kulturbesitz, Galerie des 20. Jahrhunderts, Land Berlin, bearb. v. Heinrich Brauer und Adolf Jannasch, Berlin, Mann, 1968, S. 85
– Dunkler/Livné-Freudenthal, 1981: Ulrich Dunkler und Rachel Livné-Freudenthal, Juden in Preußen. Ein Kapitel deutscher Geschichte, Dortmund, Harenberg, 1981, S. 150
– Klessmann 1969: Eckart Klessmann, Die Welt der Romantik, München, Kurt Desch, 1969, Abb. S. 324
– Mackowsky 1929: National-Galerie. Führer durch die Bildnis-Sammlung, bearb. v. Hans Mackowsky, Berlin, Hermann, 1929, S. 97 ff., Kat.-Nr. 58
– Nationalgalerie 1976: Nationalgalerie. Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen des 19. Jahrhunderts, bearb. v. Barbara Dieterich und Peter Krieger und Elisabeth Krimmel-Decker, Berlin 1976, S. 152 f. mit Abb.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 302 mit Abb.
– Rave 1949: Paul Ortwin Rave, Das geistige Deutschland im Bildnis. Das Jahrhundert Goethes, Berlin, Verlag des Druckhauses Tempelhof, 1949, Taf. 207
– Sellenthin 1959: Hans-Gerd Sellenthin, Geschichte der Juden in Berlin, Berlin, Jüdische Gemeinde, 1959, Abb. S. 31
– Singer 1937-1938: Hans Wolfgang Singer, Neuer Bildniskatalog, Leipzig, Hiersemann, 1937-1938, S. 207, Nr. 32125
– WVZ Berckenhagen 1967: Ekhart Berckenhagen, Anton Graff. Leben und Werk, Berlin, Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, 1967, S. 323, Kat.-Nr. 1216 mit Abb.


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