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Kirschenernte
  • Kirschenernte
  • Bild
  • Dora Hitz (31.3.1856 - 20.11.1924), Malerin
  • vor 1905
  • Öl auf Leinwand
  • 160 x 232 cm
  • Ident.Nr. A II 129
  • 1915 erworben von der Künstlerin als Schenkung ihrer Freundinnen und Gönnerinnen Hertha Harries, geb. Siemens, Giulietta von Mendelssohn, geb. Gordigiani, und Marie von Mend, Berlin
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Reinhard Saczewski
Description
Provenienz
Nach 1900 bildete Dora Hitz einen neuen, eigenständigen Malstil aus. In der Art der Farbzerlegung und den deutlich sichtbar bleibenden Pinselstrichen nahm sie Anregungen des französischen Spätimpressionismus auf und steigerte sie zu einem bewußt monumentalen Ausdruck. »Alles lebt vom Lichte und verschwimmt ungewiss im Lichten«, charakterisierte Karl Scheffler das so entstandene Spätwerk der Künstlerin und ergänzte zum Bild »Kirschenernte«, daß hier »die Darstellung des Lichtes bis zum Getümmel gesteigert« wäre (in: Kunst und Künstler, 14. Jg., 1916, H. 8, S. 387). Auch Hans Rosenhagen lobte das Werk als koloristisch herausragend: »Wenige Maler haben ein so wundervolles Grün, ein so warmes Sonnenlicht, einen so farbenreichen Schatten in ihren Bildern wie die Berliner Malerin. Dabei sind sie scheinbar ganz einfach gemalt mit breitem Pinsel« (in: Velhagen & Klasings Monatshefte, 38. Jg., 1923/24, Bd. 1, S. 655). Der Dynamik der pastosen, spontanen Pinselstriche stehen allerdings in manchen Gesichtern lasierend aufgetragene Partien einer unteren Malschicht gegenüber. »Wenn gelegentlich auf einem ihrer Bilder etwas unsicher wirkt, so ist das dadurch zu erklären«, so Hans Rosenhagen, »daß sie aus irgendwelchen Gründen verhindert war, es vor der Natur zu vollenden. Sie läßt lieber eine Partie in einem Bilde unfertig stehen, ehe sie durch ein konventionelles Fertigmachen das, was ›Natur‹ im Bilde ist sich verdirbt« (in: Kunst und Künstler, 14. Jg., 1916, H. 8, S. 656).
Das in der Kunstgeschichte nicht selten allegorisch aufgeladene Motiv der Erntearbeit dient auch im vorliegenden Bild nicht allein der Naturwiedergabe; über die impressionistische Behandlung von spätsommerlichem Licht und Farbe schiebt sich die Darstellung der Lebensalter: zentral eine Mutter mit Kind; links von ihr eine ältere Frau, die sich zu einem im Gras sitzenden Kind herunterbeugt; rechts von ihr ein Mädchen und eine junge Frau, die von einem Arbeiter stürmisch umworben wird.
Dora Hitz zeigte das Bild mit Erfolg 1905 auf der zweiten Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Berlin. | Regina Freyberger


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. links unten: Dora Hitz

AUSSTELLUNGEN
– Zweite Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes, Berlin, 1905
– Profession ohne Tradition. 125 Jahre Verein der Berliner Künstlerinnen, Berlin, Berlinische Galerie, 11.9.-1.11.1992
– Zeitenwende - Von der Berliner Secession bis zur Novembergruppe, Berlin, Bröhan-Museum, 19.11.2015-03.04.2016

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1905: Katalog der zweiten Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes, Ausst.-Kat. Ausstellungshaus des Deutschen Künstlerbundes, Berlin, 1905, Kat.-Nr. 56
– Ausst.-Kat. Berlin 1992: Profession ohne Tradition. 125 Jahre Verein der Berliner Künstlerinnen, hrsg. v. Dietmar Fuhrmann, Ausst.-Kat. Berlinischen Galerie 11.9.-1.11.1992, S. 54, 57, 602, Farbabb. 30
– Ausst.-Kat. Berlin 2015: Zeitenwende. Von der Berliner Secession zur Novembergruppe, hrsg. v. Tobias Hoffmann, Ausst.-Kat. Bröhan-Museum, Berlin, 19.11.2015-3.4.2016, S. 86-87, Kat.-Nr. 56
– Ausst.-Kat. Würzburg 2009: Berliner Impressionismus. Werke der Berliner Secession aus der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Ausst.-Kat. Museum Kulturspeicher Würzburg 20.3.-1.6.2009; Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund 20.6.2009-11.4.2010, Kat.-Nr. 46, S. 101
– Doede/Doede 1977, 1981: Werner Doede und Gisela Doede, Die Berliner Secession. Berlin als Zentrum der deutschen Kunst von der Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkrieg, Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1977, 1981, 1. & 2. Aufl., S. 96, Abb. 114
– Heilbutt 1905: Emil Heilbutt, Die zweite Ausstellung des Deutschen Künstlerbunds, in: Kunst und Künstler, 3. Jg. (1905), S. 399-428, S. 415-416 mit Abb.
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 376 mit Abb.
– Rosenhagen 1905: Hans Rosenhagen, Die zweite Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Brlin, in: Die Kunst für Alle, 20. Jg. (1905), H. 21-22, S. 490-501, 514-523, S. 496, Abb. S. 509
– Scheffler 1903: Karl Scheffler (Hrsg.), Kunst und Künstler. Illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe, Berlin, Cassirer, 1903-1933, Jg. 14, 1916, S. 387
– Velhagen und Klasings Monatshefte 1885-1953: Velhagen und Klasings Monatshefte, Leipzig, Bielefeld, Berlin, Velhagen & Klasing, 1885-1953, Jg. 38, 1923/24, Bd. 1, S. 655


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