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Bildnis des Archäologen Ernst Curtius
  • Bildnis des Archäologen Ernst Curtius
  • Bild
  • Max Johann Bernhard Koner (17.7.1854 - 7.7.1900), Maler
  • 1896
  • Öl auf Leinwand
  • 83 x 104 cm
  • Ident.Nr. A I 615
  • 1897 Ankauf nach Bestellung für die Bildnissammlung
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Beschreibung
Max Koner, so beschrieb Paul Hildebrandt 1895 die Arbeitsweise des erfolgreichen Berliner Porträtisten, schuf seine Bildnisse stets erst, nachdem er sich einen Eindruck vom Charakter des Dargestellten verschafft hatte. Bei der eigentlichen Porträtsitzung schritt er sodann unvermittelt zur Tat. »Keine genaue Zeichnung, nicht einmal eine flüchtige zeichnerische Skizze des Kopfes wird angefertigt, mit einem dicken Pinsel fährt der Künstler auf die Leinwand und zaubert gewöhnlich in zwei bis drei Stunden, ohne den Pinsel zu wechseln, ohne die Palette aus der Hand zu legen – und nur ab und zu mit dem Finger die Farben verwischend – das Bildnis des oder der zu Porträtierenden auf die Fläche« (in: Künstlerland, 3. Jg., 1895, Nr. 20, o. Pag.). Koner selbst empfand die Vorzeichnung mit Kohle als zu langwierig und zu erschöpfend. Stellte sich während des Malens heraus, daß er den Gegenüber falsch eingeschätzt hatte, so verwarf er das angefangene Bild und begann von neuem. »Das Höchste ist mir«, erklärte der Künstler, »den Charakter der Person herauszubringen, die Technik ist mir ganz egal« (ebd.). Entsprechend wichtig war ihm die Persönlichkeit des zu Porträtierenden: »Einen langweiligen Menschen bekomme ich überhaupt nicht heraus«, klagte er, »ein noch so schönes Wesen, das sich während des Malens als langweilig und geistlos herausstellt, kann mir die ganze Arbeit verleiden« (ebd.). Dieses Problem hatte sich bei dem bedeutenden klassischen Archäologen und Philologen Ernst Ludwig Curtius (1814–1896) sicher nicht gestellt, dennoch befriedigte den Künstler das zunächst für die Bildnissammlung der Nationalgalerie gedachte Porträt nicht, das 1895 auf der Großen Berliner Kunstausstellung zu sehen war (Verbleib unbekannt, evtl. übermalt). Koner bat daher um Geduld und die Möglichkeit, das Bild neu zu malen, doch Curtius gewährte dem Maler nur seltene, kurze Sitzungen und so war das Porträt erst 1897 vollendet. Es zeigt den Gelehrten im Halbfigurenporträt, die Hand nachdenklich an die Wange gelegt, den Blick in die Ferne schweifend. – Vgl. das Curtius-Bildnis von Reinhold Lepsius von 1891 (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 1045). | Regina Freyberger


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. rechts unten: Max Koner 96

AUSSTELLUNGEN
– Gemälde und Studien von Max Koner, gest. den 7. Juli 1900, Berlin, Akademie der Künste, 28.2.-24.3.1901
– Große Deutsche in Bildnissen ihrer Zeit, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin im ehemaligen Kronprinzenpalais, Aug. - Sept. 1936

LITERATUR
– Amelung 1915: Heinz Amelung, Eine vaterländische Bildnissammlung, in: Westermanns Monatshefte, 1915, Bd. 119/1, H. 709, S. 45-54, Abb. S. 50
– Ausst.-Kat. Berlin 1901: Gemälde und Studien von Max Koner, gest. den 7. Juli 1900, Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin, 28.2.-24.3.1901, S. 11, Kat.-Nr. 35
– Ausst.-Kat. Berlin 1936: Große Deutsche in Bildnissen ihrer Zeit, Ausst.-Kat. National-Galerie, Kronprinzenpalais Berlin 1.8.-30.9.1936, Taf. 227
– Hildebrand 1895: Paul Hildebrand, Max Koner, in: Im Künstlerland, Vierzehntagesbeilage zu Amsler & Ruthardt’s Wochen-Berichten, Illustrirte Zeitschrift für Kunst, Kunsthandel und Kunstgewerbe, III. Jg., H. 29 (13.4.1895), I. K, Nr. 15, o. Pag.
– Jordan 1901: Max Jordan, Koner, Bielefeld und Leipzig, Velhagen & Klasing, 1901, S. 50 f., Abb. 44, S. 49
– Mackowsky 1913: Hans Mackowsky, Führer durch die Bildnis-Sammlung der Königlichen Nationalgalerie, Berlin, Cassirer, 1913, S. 25 f., Kat.-Nr. 11
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1898-1911, Kat.-Nr. 750
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 462 mit Abb.
– Thieme/Becker 1907-1950: Ulrich Thieme und Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Leipzig, Engelmann, 1907-1950, Bd. 21, 1927, S. 263
– Wirth 1990: Irmgard Wirth, Berliner Malerei im 19. Jahrhundert. Von der Zeit Friedrichs des Großen bis zum Ersten Weltkrieg, Berlin, Siedler, 1990, S. 349, Abb. 439


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