SMB-digital

Online-Datenbank der Sammlungen

Wintermorgen
  • Wintermorgen
  • Bild
  • Anatolij Dmitrievič Kajgorodov (2.11.1878 - 18.7.1945), Maler
  • vor 1913
  • Öl auf Leinwand
  • 115 x 124 cm
  • Ident.Nr. A III 632
  • 1914 nach Kriegsbeginn mit zahlreichen anderen Bildern des "feindlichen Auslands" aus der Großen Berliner Kunstausstellung beschlagnahmt und der Nationalgalerie "zur unverantwortlichen Aufbewahrung" überwiesen
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Beschreibung
Provenienz
Nach Studien bei dem Landschaftsmaler Archip Ivanovič Kuindži in Sankt Petersburg reüssierte Anatolij Kajgorodov im Jahre 1900 auf der dortigen Akademieausstellung. Nach weiteren Studien in München und Paris war er 1904, 1906 und 1913 auf den Münchner Jahresausstellungen im Glaspalast vertreten, 1914 erstmals auch auf der Großen Berliner Kunstausstellung. Das dort gezeigte Bild »Wintermorgen«, das Kajgorodov bereits 1913 in München präsentiert hatte, dürfte mit dem heute in der Nationalgalerie befindlichen Gemälde »Haus unter verschneiten Bäumen« identisch sein. Es zeigt ein rotes Backsteinhaus hinter schlanken Birkenstämmen und jungen Tannen, alles hoch von frischem Schnee bedeckt. Im Hintergrund bricht die Sonne durch die Äste und taucht die stille Winterszene in warmes Licht. Das Motiv einer Villa im Birkenhain hatte ihn mehrfach beschäftigt (vgl. Jahresausstellung im Königlichen Glaspalast in München 1904, Kat.-Nr. 543). – In der Reduktion auf geradezu plakative Weiß- und Rottöne sowie vereinzeltes Grün erinnert das Bild an Arbeiten des schwedischen Malers Carl Larsson. Anregungen für die Vergitterung durch Birkenstämme sowie die Übersetzung des Raumes ins beinahe Flächige, mag Kajgorodov durch die Auseinandersetzung mit der japanischen Holzschnittkunst oder der zeitgenössischen Malerei, beispielsweise Gustav Klimt, empfangen haben.
1914, nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, wurde das Bild »Winter-Morgen«, wie alle Werke von Künstlern aus den nun als feindlich geltenden Ländern Frankreich, Belgien, Großbritannien und Rußland, aus der Großen Berliner Ausstellung beschlagnahmt und am 17. November 1914 der Nationalgalerie »zur unverantwortlichen Aufbewahrung« übergeben (SMB-ZA, I/NG 865, J.Nr. 2065/14). Eine Restitution des Bildes nach Kriegsende erfolgte im Gegensatz zu den Gemälden belgischer, englischer und französischer Künstler nicht. | Regina Freyberger


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. rechts unten: A. Kaygorodoff.

AUSSTELLUNGEN
– XI. internationale Kunstausstellung, München, Glaspalast, 1.6.- Ende Oktober 1913
– Große Berliner Kunstausstellung, Berlin, 11.5.-27.9.1914

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1914: Große Berliner Kunstausstellung, Ausst.-Kat. Landesausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof Berlin 11.5.-27.9.1914, S. 78, Kat.-Nr. 1517
– Ausst.-Kat. München 1913: Illustrierter Katalog der XI. internationalen Kunstausstellung, Ausst.-Kat. Königlicher Glaspalast, München, 1.6.- Ende Oktober 1913, Kat.-Nr. 1529
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Zentralarchiv SMPK, I/NG 865, J.Nr. 2065/14, fol. 4. - J.Nr. 510/19, fol. 28, Nr. 1279


SMB-digital steht unter einer
Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie bei der bpk-Bildagentur
unter www.bpk-bildagentur.de erhalten.