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Der Zug des Todes
  • Der Zug des Todes
  • Bild
  • Gustav Adolph Spangenberg (1.2.1828 - 19.11.1891), Maler
  • 1876
  • Öl auf Leinwand
  • 158 x 282 cm
  • Ident.Nr. A I 242
  • 1876 Ankauf aus der Berliner Akademieausstellung
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Beschreibung
Gustav Spangenberg, der lange zusammen mit Rudolf Henneberg in Paris bei Thomas Couture studiert hatte, wurde wie dieser zu einem Vertreter der historisierenden Salonromantik in Berlin. Von beiden Künstlern besitzt die Nationalgalerie eindrucksvolle, breitformatige, große Bilder mit vorbeiziehenden Gruppen (vgl. Rudolf Henneberg, »Der wilde Jäger«, Inv.-Nr. A I 233, und »Die Jagd nach dem Glück«, Inv.-Nr. A I 40). Richard Hamann hat auf die Begeisterung für Festzüge und Triumphzüge in den 1870er Jahren hingewiesen, vgl. auch Franz von Defreggers »Heimkehrender Tiroler Landsturm« (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 244), das wie unser Bild 1876 entstanden ist. »Und selbst der Zug des Todes, von Spangenberg (1828–1891) gemalt, wird zu einem festlichen Zuge, der mehr die Schaubegierde teilt als jenes Memento mori zuruft, das Rethels Totentanz so eindringlich machte« (R. Hamann, Die deutsche Malerei im 19. Jahrhundert, Berlin 1914, S. 178). Spangenberg fand für sein Thema das eindringliche Motiv eines endlos langen Zuges auf flachem Land unter einem grauen Himmel, von einem ebenso langen Vogelzug begleitet. Die Figur des Todes mit einer Glocke in der Hand tänzelt hinter einigen geschmückten Kindern vor der Menge her, Menschen aller Schichten und Altersgruppen folgen ihm. Ein Ritter reißt sich von seiner Liebsten los, um mitzugehen, eine Alte hat nicht die Kraft, sich zu erheben, sie fleht darum, mitgenommen zu werden. Spangenberg hatte 1860 einen »Rattenfänger zu Hameln« gemalt (Verbleib unbekannt), und vielleicht damals schon dieses Motiv entwickelt. Im Familienbesitz befindet sich ein Bild mit einem Prozessionszug bei Abendlicht, das aber nicht die Symbolkraft des vorliegenden Bildes erreicht. | Angelika Wesenberg


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. links unten: Gustav Spangenberg 1876.

AUSSTELLUNGEN
– Berliner Akademie-Ausstellung, Berlin, Akademie der Künste, 1876
– Exposition Universelle, Paris, 1.5.-10.11.1878
– Sonder-Ausstellung Gustav Spangenberg, Berlin, National-Galerie, März 1892
– Wilhelm Bode als Zeitgenosse der Kunst. Zum 150. Geburtstag, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, 9.12.1995-25.2.1996

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1876: 50. Kunstausstellung der Königlichen Akademie der Künste. Verzeichniß der Werke lebender Künstler, Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin, 1876, S. 52, Kat.-Nr. 699
– Ausst.-Kat. Berlin 1892: Sonder-Ausstellung Gustav Spangenberg, Ausst.-Kat. Königliche National-Galerie, Berlin, März 1892, S. 11, Kat.-Nr. 21
– Ausst.-Kat. Berlin 1995: Wilhelm Bode als Zeitgenosse der Kunst, zum 150. Geburtstag, Ausst.-Kat. Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, 9.12.1995-25.2.1996, S. 40 f.
– Boetticher 1891: Friedrich Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Leipzig, Schmidt & Günther, 1891, Bd. II, 2, S. 776, Kat.-Nr. 29
– Keisch 1995: Claude Keisch, "Die Jagd nach dem Glück". Salonromantik im altdeutschen Gewand. Rudolf Henneberg und Bode, Berlin, Reiter, 1995, S. 33-42, S. 40, Abb. 31
– Lichtwark 1898: Alfred Lichtwark, Das Bildnis in Hamburg, 2 Bde., Hamburg, Hamburg Kunstverein, 1898, Bd. 2, S. 206
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1878-1916, Kat.-Nr. 420
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 800 mit Abb.
– Pietsch 1893: Ludwig Pietsch, Gustav Spangenberg, in: Illustrirte Deutsche Monatshefte, 74. Jg. (1893), H. 442 (Juli), S. 454-474, S. 466 f., Abb. o. S.
– Rosenberg 1879: Adolf Rosenberg, Die Berliner Malerschule. 1819-1879. Studien und Kritiken, Berlin, Ernst Wasmuth, 1879, S. 227 f.
– Scherer 1915: Valentin Scherer, Der Tod in der deutschen Kunst, in: Westermanns Monatshefte, 1915, Bd. 119/1, H. 771, S. 349-361, S. 356, Abb. S. 349
– Schmid 1904-1906: Max Schmid, Kunstgeschichte des XIX. Jahrhunderts, Leipzig, Seemann, 1904-1906, S. 178, Abb. 143
– Thieme/Becker 1907-1950: Ulrich Thieme und Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Leipzig, Engelmann, 1907-1950, Bd. 31, 1937, S. 328
– Wesenberg 2001: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig, Seemann, 2001, S. 401 f., Kat.-Nr. 469 mit Farbabb.


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