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Selbstbildnis
  • Selbstbildnis
  • Bild
  • Sabine Lepsius (15.1.1864 - 22.11.1942), Malerin
  • 1885
  • Öl auf Leinwand
  • 83,7 x 63,5 cm
  • Ident.Nr. NG 1/56
  • 1956 Ankauf von der Tochter der Künstlerin, Monica Lepsius-Berenberg, Lauda bei Baden
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Jörg P. Anders
Description
Provenienz
Sabine, die Tochter des Berliner Porträt- und Historienmalers Gustav Graef, studierte, als sie dieses Selbstporträt malte, noch nicht lange im Schülerinnenatelier von Carl Gussow in Berlin. Zunächst hatte sie ein Musikstudium begonnen, das sie abbrach, da ihr als Frau der Besuch der Kompositionsklasse verwehrt war. In den bildenden Künsten boten seit kurzem etliche Künstler als Nebenverdienst Damenklassen an. Aber auch ihr Leben als Malerin, als Gattin des Malers Reinhold Lepsius sowie als Mittelpunkt eines Salons, in dem um 1900 unter anderem Georg Simmel, später der Dichter Stefan George verkehrten, blieb nicht von spezifischen Kränkungen frei. In diesem erstaunlich sicheren Selbstbildnis sehen wir die 21jährige Schülerin mit den Insignien der neu gewählten Profession, Pinsel und Palette. Aber sie ist nicht aktiv, die Augen sind fast geschlossen, der Kopf ist sinnend zur Seite geneigt. Es ist ein Moment der inneren Schau oder Inspiration dargestellt; eine Situation, die Arnold Böcklin zehn Jahre zuvor durch den geigenden Tod symbolisiert hatte (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 633). Es gibt überraschende Ähnlichkeiten zwischen der Haltung der Dargestellten und jener des Engels in Caravaggios »Evangelist Matthäus mit dem Engel« (um 1595/96, Gemäldegalerie, Berlin, Kriegsverlust). Dem Engel ist bei Darstellungen dieser Art eine inspirierende, gleichsam federführende Rolle zugeschrieben. Seine Verschmelzung mit dem Inspirierten selbst war ein sehr moderner Gedanke. Die Künstlerin also zeigt sich hier als »eine inspiriert-Inspirierende« (A. Dorgerloh, Das Künstlerehepaar Lepsius, Berlin 2003, S. 72). Sabine Graef malt sich in diesem Selbstbildnis vor einem neutralen Hintergrund, mit androgynen, vergeistigten Gesichtszügen, nicht aber im Malkittel, sondern in einem modisch anspruchsvollen Kleid, wie es ähnlich die Schauspielerin Sarah Bernhardt trug. Ein ganzes Lebensprogramm scheint in dem Bildnis Ausdruck gefunden zu haben. | Angelika Wesenberg


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. rechts oben: Sabine Graef. / 1885

AUSSTELLUNGEN
– Berlinerinnen. Bekannte und unbekannte Frauen in Berlin aus drei Jahrhunderten, Berlin, Berlin Museum, 26.4.-29.6.1975
– Das Verborgene Museum I. Dokumentation der Kunst von Frauen in Berliner öffentlichen Sammlungen, Berlin (West), Akademie der Künste, 18.12.1987-7.2.1988
– Profession ohne Tradition. 125 Jahre Verein der Berliner Künstlerinnen, Berlin, Berlinische Galerie, 11.9.-1.11.1992
– Self portrait: Renaissance to contemporary, London, Natinal Portrait Gallery, 20.10.2005-29.01.2006
– Self portrait: Renaissance to contemporary, Sydney, Art Gallery of New South Wales, 17.02.-14.05.2006
– Mathilde Vollmoeller-Purrmann (1876 – 1943). Berlin – Paris – Berlin, Berlin, Kunstforum der Berliner Volksbank, 17.02.2010-16.05.2010
– Preußens Eros – Preußens Musen. Frauenbilder aus Brandenburg-Preußen, Potsdam, Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, 24.09.2010-02.01.2011
– Frauen der Secession - Käthe Kollwitz, Sabine Lepsius, Dora Hitz und Clara Siewert, Berlin, Liebermann-Villa am Wannsee, 25.11.2012-04.03.2013
– HOMOSEXUALITÄT_EN, Berlin, Deutsches Historisches Museum, 25.06.2015-01.12.2015

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1975: Berlinerinnen. Bekannte und unbekannte Frauen in Berlin aus drei Jahrhunderten. Gemälde- Plastik- Graphik- Photographien- Autographen- Bücher, hrsg. v. Irmgard Wirth, Ausst.-Kat. Berlin Museum 26.4.-29.6.1975, Abb. 24, Kat.-Nr. 25
– Ausst.-Kat. Berlin 1987: Das Verborgene Museum. Dokumentation der Kunst von Frauen in Berliner öffentlichen Sammlungen, Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin 18.12.1987-7.2.1988, S. 350, Farbtaf. S. 153
– Ausst.-Kat. Berlin 1992: Profession ohne Tradition. 125 Jahre Verein der Berliner Künstlerinnen, hrsg. v. Dietmar Fuhrmann, Ausst.-Kat. Berlinischen Galerie 11.9.-1.11.1992, S. 64 f., 603, Farbabb. 38
– Brauer/Jannasch 1968: Verzeichnis der vereinigten Kunstsammlungen Nationalgalerie, Preussischer Kulturbesitz, Galerie des 20. Jahrhunderts, Land Berlin, bearb. v. Heinrich Brauer und Adolf Jannasch, Berlin, Mann, 1968, S. 84
– Doede/Doede 1977, 1981: Werner Doede und Gisela Doede, Die Berliner Secession. Berlin als Zentrum der deutschen Kunst von der Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkrieg, Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1977, 1981, 1. & 2. Aufl., S. 114, Abb. 199
– Dorgerloh 1994: Annette Dorgerloh, Konvention und Kreativität. Reinhold und Sabine Lepsius und die Berliner Porträtmalerei um 1900 (Dissertation, Humboldt-Universität), Berlin 1994
– Dorgerloh 2003: Annette Dorgerloh, Das Künstlerehepaar Lepsius. Zur Berliner Porträtmalerei um 1900, Berlin, Akademie, 2003, S. 64-72, Farbtaf. 7, Farb-Titelbild
– Lepsius 1972: Sabine Lepsius, Ein Berliner Künstlerleben um die Jahrhundertwende. Erinnerungen., hrsg. v. Monica Lepsius-Berenberg, München, Gotthold Müller Verlag, 1972, Abb. auf dem Schutzumschlag
– Nationalgalerie 1976: Nationalgalerie. Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen des 19. Jahrhunderts, bearb. v. Barbara Dieterich und Peter Krieger und Elisabeth Krimmel-Decker, Berlin 1976, S. 150 mit Abb.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 520 mit Abb.
– Reese 2014: Dagmar Reese, Akt und Anstand. Der Skandal um den Gustav-Graef-Prozess, Berlin 1885, Köln, Böhlau, 2014, S. 17, Abb. 6
– Wesenberg 2001: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig, Seemann, 2001, S. 164, Kat.-Nr. 176 mit Farbabb.
– Wirth 1990: Irmgard Wirth, Berliner Malerei im 19. Jahrhundert. Von der Zeit Friedrichs des Großen bis zum Ersten Weltkrieg, Berlin, Siedler, 1990, S. 352, Abb. 444
– Wolff-Thomsen 2007: Ulrike Wolff-Thomsen, "Nur durch Dich kann ich zu wirklich Großem kommen", Kreativität und Konkurrenz von Künstlerpaaren in Deutschland um 1900, in: Paula Modersohn-Becker und Otto Modersoh, ein Künstlerpaar um 1900, Ausst.-Kat., hrsg. v. Heide Grape-Albers, München, Kunstverlag, 2007, S. 12-31, S. 16-17, Abb. 4


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