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Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci. Skizze
  • Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci. Skizze
  • Bild & Skizze
  • Adolph Menzel (8.12.1815 - 9.2.1905), Maler
  • 1848
  • Öl über Federzeichnung auf Papier, auf Leinwand kaschiert, Ecken abgerundet.
  • 31,5 x 43,8 cm
  • Ident.Nr. A III 504
  • 1889 Ankauf mit der Menzel-Sammlung des Kunsthändlers Hermann Pächter (Firma R. Wagner), Berlin
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Beschreibung
Provenienz
Nach »König Friedrichs II. Tafelrunde in Sanssouci« (1850, Nationalgalerie, Kriegsverlust; vgl. die erhaltene Skizze, Nationalgalerie, Inv.-Nr. A III 503), in der der König als aufgeklärter Geistespartner Voltaires erscheint, schildert das »Flötenkonzert« eines der privaten Konzerte, bei denen Friedrich als Soloflötist aufzutreten pflegte – mitunter mit selbstkomponierten Stücken. Menzel zeigt ihn im preußisch schlichten Uniformrock und – im Unterschied zu einer Illustration zu Kuglers »Geschichte Friedrichs des Großen« (1840–1842), in der er den Gegenstand vorweggenommen hatte – mit den scharfen Zügen des ›Alten Fritzen‹. Ein Anachronismus, denn er ist hier 38 Jahre alt. Wohl nach den Memoiren des Chevaliers de Chazot, eines Jugendfreunds des Königs (der im Bildhintergrund auftritt), wird ein Abendkonzert zu Ehren von Friedrichs Schwester, der Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, während ihres letzten Besuches (1750) in Potsdam gegeben. Schauplatz ist der im stimmungsvollen Schein der Kerzen und des Kronleuchters schimmernde Konzertsaal im Schloß Sanssouci mit seinen von dem Hofmaler Antoine Pesne und dem Stukkateur Johann August Nahl gestalteten Wänden. Die gebildete Wilhelmine, selbst eine ernstzunehmende Komponistin, ist die leuchtend weiße Gestalt auf dem hellroten Sofa unter den Flammen und Spiegelungen der Kerzen, die mit träumerisch geneigtem Kopf lauscht, flankiert von der anderen Schwester, Prinzessin Amalie. Hinter ihr steht der Kapellmeister Carl Heinrich Graun. Der Präsident der Akademie der Wissenschaften Pierre-Louis Moreau de Maupertuis, Mathematiker und Physiker, blickt zur Decke hinauf. Ganz links lauscht Baron Jakob Friedrich von Bielfeld, halbverdeckt von dem Bonvivant Gustav Adolf von Gotter, dem Opernintendanten. Unter den Musikern, die, auf ihren Einsatz am Ende der Flötenkadenz wartend, zum Solisten blicken, sitzt am Cembalo Carl Philipp Emanuel Bach; andere sind Franz Benda und Johann Joachim Quantz, der strenge Flötenlehrer des Königs. In dieser Gemeinschaft von Kunstfreunden sind Rangunterschiede nur am Rande wahrnehmbar.
Die Psychologie der Figuren findet ihr Echo in der Raumstimmung, im subtilen Wechsel des warmen, vielfach aufgespaltenen Lichtes. So ist den Musikern die Reihe der Kerzenflammen, den Zuhörern der Kronleuchter zugeordnet; zum König aber gehören sowohl eine Kerze wie das Spiegelbild des Kronleuchters. Im Vergleich zu dem zehn Jahre zuvor entstandenen Holzschnitt, der einen viel spontaneren, konzentrierteren Blick in die Szene hinein gibt, wahrt die Komposition einen bühnenhaften Zug. Bei der Übertragung der Skizze (Inv.-Nr. A III 504 ) in das große Format (Inv.-Nr. A I 206 ) wurde der Vordergrund durch Tilgung der quer über die vordere Bildebene schreitenden Dame freigeräumt.
Die 1848 entworfene Komposition wurde in mehreren Arbeitsphasen in das große Format umgesetzt. Im Frühjahr 1850 bestellte der Zuckerfabrikant Ludwig von Jacobs in Potsdam das Bild. Anfang August 1852 war es vollendet und wurde auf Anhieb Menzels populärstes Werk. Bald diente es auch, tausendfach reproduziert, der Untermauerung der offiziellen Preußen-Legende – ohne wirkliches Zutun des Künstlers, der ihm im Alter vielmehr mit grimmiger Selbstkritik begegnen konnte: »Der König steht da wie ein Kommis, der Sonntags Muttern etwas vorflötet […]. Überhaupt habe ich’s bloß gemalt des Kronleuchters wegen […]. Manchmal reut’s mich, daß ich’s gemalt habe: enfin bestand die Hälfte meines Lebens aus Reue. So oder so.« (zit. nach: Erinnerungen an Adolph Menzel, Leipzig 1992, S. 107 f.). | Claude Keisch


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
nicht bezeichnet

AUSSTELLUNGEN
– Menzels Fridericiana, Berlin, 1863
– Kunst-Ausstellung zur Ehrung der achtzigjährigen Mitglieder Andreas Achenbach, Adolph Menzel, Julius Schrader, Berlin, Königliche Akademie der Künste zu Berlin, Nov. 1895
– Menzel-Ausstellung, Hamburg, Kunstverein und Kunsthalle, Februar 1896
– A. Menzel. Ausstellung der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens, Wien, Künstlerhaus, 4.1.-10.5.1896
– Adolph Menzel. Ausstellung zum 120. Geburtstag und 30. Todestag des Künstlers, Berlin, Nationalgalerie, Feb.- März 1935
– Schätze der Weltkultur von der Sowjetunion gerettet, Berlin (Ost), Staatliche Museen zu Berlin, National-Galerie
– Adolph Menzel. Gemälde Zeichnungen, Berlin (Ost), Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, 1980
– Friedrich II. und die Kunst, Ausstellung zum 200. Todestag, Potsdam, Neues Palais in Sanssouci, 19.7.-12.10.1986
– Kunst in Berlin. 1648-1987, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin im Alten Museum, 10.6.-25.10.1987
– Menzel, 1815-1905, "la névrose du vrai", Paris, Musée d'Orsay, 15.4.-28.7.1996
– Adolph Menzel, 1815-1905, between romanticism and impressionism, Washington, National Gallery of Art, 15.9.1996-5.1.1997
– Adolph Menzel, 1815-1905. Das Labyrinth der Wirklichkeit, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie im Alten Museum, 7.2.-11.5.1997
– A Century of German Genius: Masterpieces from Classicism to Early Modernism. Collections of the Berlin State Museums, Taipeh, National Palace Museum, 1.5.-1.8.2004

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1895: Kunst-Ausstellung zur Ehrung der achtzigjährigen Mitglieder Andreas Achenbach, Adolph Menzel, Julius Schrader, Ausst.-Kat. Königliche Akademie der Künste zu Berlin 11.1895, Kat.-Nr. 132
– Ausst.-Kat. Berlin 1935: Adolph Menzel. Ausstellung zum 120. Geburtstag und 30. Todestag des Künstlers veranstaltet von der Preußischen Akademie der Künste und der Nationalgalerie, Ausst.-Kat. Preussische Akademie der Künste, National-Galerie 2.-3.1935, Kat.-Nr. 24
– Ausst.-Kat. Berlin 1958: Schätze der Weltkultur von der Sowjetunion gerettet, Ausst.-Kat. Pergamonmuseum, Berlin 1958; Nationalgalerie, Berlin 1958, Kat.-Nr. H 49
– Ausst.-Kat. Berlin 1980: Adolph Menzel. Gemälde, Zeichnungen. Ausstellung 1980, Ausst.-Kat. Nationalgalerie 1980, S. 299-300, Kat.-Nr. XI, Farbtaf. S. 140
– Ausst.-Kat. Berlin 1987: Kunst in Berlin 1648-1987, Ausst.-Kat. Altes Museum, Berlin 10.6.-25.10.1987, S. 292 f., Kat.-Nr. G 3 mit Abb.
– Ausst.-Kat. Berlin 1997: Adolph Menzel 1815-1905. Das Labyrinth der Wirklichkeit, hrsg. v. Claude Keisch und Marie Ursula Riemann-Reyher, Ausst.-Kat. Musée d'Orsay, Paris 15.4.-28.7.1996; National Gallery of Art, Washington 15.9.1996-5.1.1997; Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie im Alten Museum 7.2.-11.5.1997, S. 134 f., 138 f., Kat.-Nr. 49, Farbabb. S. 137
– Ausst.-Kat. Graz 2003: Himmelschwer. Transformationen der Schwerkraft, Ausst.-Kat. Landesmuseum Joanneum und in der Grazer Altstadt, Graz, 11.4.-15.6.2003, S. 423, Farbtaf. S. 367
– Ausst.-Kat. Hamburg 1896: Menzelausstellung. Veranstaltet vom Kunstverein und der Kunsthalle Hamburg, Ausst.-Kat. Hamburg 2.1896, Kat.-Nr. 91
– Ausst.-Kat. Hamburg 1982: Menzel - der Beobachter, hrsg. v. Werner Hofmann, Ausst.-Kat. Hamburger Kunsthalle, 22.5.-25.7.1982, Abb. S. 14
– Ausst.-Kat. München 1896: Münchener Jahres-Ausstellung von Kunstwerken aller Nationen. Officieller Katalog, Ausst.-Kat. Königlicher Glaspalast, München, 1896, S. 25, ohne Kat.-Nr.
– Ausst.-Kat. Paris 1996: Adolph Menzel, 1815-1905, "la névrose du vrai", hrsg. v. Claude Keisch und Marie Riemann-Reyher, Ausst.-Kat. Musée d'Orsay, Paris 15.4.-28.7.1996; National Gallery of Art, Washington 15.9.1996-5.1.1997; Alte Nationalgalerie, Berlin 7.2.-11.5.1997, S. 234 f., Kat.-Nr. 49, Farbabb. S. 233
– Ausst.-Kat. Potsdam 1986: Friedrich II. und die Kunst, Ausstellung zum 200. Todestag, Ausst.-Kat. Neues Palais in Sanssouci, Potsdam, 19.7.-12.10.1986, Nr. III 13, Abb.
– Ausst.-Kat. Taipeh (Beiheft) 2004: A Century of German Genius: Masterpieces from Classicism to Early Modernism. Collections of the Berlin State Museums, Beiheft, hrsg. v. Agnete von Specht, Ausst.-Kat. National Palace Museum, Taipeh 1.5.-1.8.2004, S. 36, Farbabb. S. 37
– Ausst.-Kat. Taipeh 2004: A Century of German Genius: Masterpieces from Classicism to Early Modernism. Collections of the Berlin State Museums [chinesisch], hrsg. v. Agnete von Specht, Ausst.-Kat. National Palace Museum Taipei 1.5.-1.8.2004, S. 159, Kat.-Nr. B/65 mit Farbabb.
– Ausst.-Kat. Wien 1896: A. Menzel. Ausstellung der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens, Ausst.-Kat. Wien 1.4.-10.5.1896, Kat.-Nr. 266
– Beenken 1944: Hermann Beenken, Das neunzehnte Jahrhundert in der deutschen Kunst. Aufgaben und Gehalte. Versuch einer Rechenschaft, München, Bruckmann, 1944, S. 307
– Donop 1902: Katalog der Handzeichnungen Aquarelle und Oelstudien in der Königl. National-Galerie, bearb. v. Lionel von Donop, Berlin, Mittler, 1902, S. 340, Kat.-Nr. 666
– Forster-Hahn 1977: Françoise Forster-Hahn, Adolf Menzel's Daguerrotypical Image of Frederick the Great: A Liberal Bourgeois Interpretation of German History, in: The Art Bulletin, (1977), Bd. 59, H. 2, S. 242-261, S. 253 f.
– Hermand 1985: Jost Hermand, Adolph Menzel, das Flötenkonzert in Sanssouci, ein realistisch geträumtes Preußenbild, Frankfurt am Main, Fischer, 1985, S. 23, Abb. 11
– Justi 1920: Ludwig Justi (Hrsg.), Deutsche Malkunst im 19. Jahrhundert. Ein Führer durch die Nationalgalerie, Berlin, Bard, 1920, S. 167
– Keisch 2012: Claude Keisch, So malerisch! Menzel und Friedrich der Zweite, Leipzig, E. A. Seemann, 2012, S. 62-63, Abb. S. 63
– Lammel 1988: Gisold Lammel, Adolph Menzel. Friederiziana und Wilhelmiana, Dresden, Verlag der Kunst, 1988, S. 44, Farbtaf. 21, S. 40/41
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1907-1934, Kat.-Nr. 969
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S., Abb. 72
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 586 mit Abb.
– Rave 1956: Paul Ortwin Rave, Adolph Menzel, das Flõtenkonzert Friedrichs des Grossen, Stuttgart, Reclam, 1956
– Trost 1980: Edit Trost, Adolph Menzel, Berlin, Henschel, 1980, o. S., Abb. zu Taf. 14
– Waldmann 1941: Emil Waldmann, Der Maler Adolph Menzel, Wien, Schroll, 1941, 2. Aufl., S. 25, 46, Taf. 34
– Wesenberg 2001: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig, Seemann, 2001, S. 278, Kat.-Nr. 320 mit Farbabb.
– With 1975: Christopher Becker With, Adolph von Menzel. A Study in the Relationship Between Art and Politics in Nineteenth Century Germany, Los Angeles1975, Taf. S. 347
– Wolff 1914: Hans Wolff (Hrsg.), Adolph von Menzels Briefe, Berlin 1914, S. 154
– WVZ Tschudi 1905: Hugo von Tschudi, Adolph von Menzel. Abbildungen seiner Gemälde und Studien, München, Bruckmann, 1905, Abb. 77
– Zangs 1992: Christiane Zangs, Die künstlerische Entwicklung und das Werk Menzels im Spiegel der zeitgenössischen Kritik, Aachen, Mainz 1992, S. 101


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