SMB-digital

Online-Datenbank der Sammlungen

Tiroler Schänke
  • Tiroler Schänke
  • Bild & Zyklus
  • Karl Friedrich Schinkel (13.3.1781 - 9.10.1841), Maler
  • 1813-1814
  • Öl auf Leinwand
  • 262 x 74 cm
  • Ident.Nr. A I 197
  • 1875 Überweisung der Generalverwaltung der Königlichen Museen an die Nationalgalerie
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Beschreibung
Provenienz
Der Berliner Seidenfabrikant und Stadtverordnete Jean Paul Humbert (1766–1831) ließ sich ab 1814 einen Saal im ersten Obergeschoß seines Hauses in der Brüderstraße 29 mit sechs zum Teil großformatigen Leinwandgemälden ausschmücken. Der Überlieferung zufolge soll Humbert Karl Friedrich Schinkel zunächst darum gebeten haben, einen Maler für die Wandbilder zu empfehlen. Dieser aber habe dann selbst den Auftrag für die Bilder übernommen und überdies Mobiliar für den Saal entworfen (H. Börsch-Supan, Bild-Erfindungen, Berlin 2007, S. 370). Schinkel entschied sich für das Thema der Tageszeiten, das er in Phantasielandschaften südlichen und nördlichen Charakters zum Ausdruck brachte. Angepaßt an die Raumsituation, umfaßte der Zyklus quer- und hochformatige Darstellungen des Morgens, Mittags, Nachmittags, Abends, der Abenddämmerung und der Nacht. 1869 wurden die Bilder aus dem Saal entfernt, nachdem die letzte Besitzerin Julie Humbert, geborene Curschmann, Schwiegertochter von Humbert, die Bilder testamentarisch König Wilhelm I. von Preußen für die Nationalgalerie vermacht hatte.
Von den ehemals sechs Wandgemälden ist kriegsbedingt nur die der Abenddämmerung gewidmete »Tiroler Schänke« in der Nationalgalerie erhalten – ein Motiv, das Schinkel auf seiner Reise in das Salzkammergut 1811 für sich entdeckt hatte. Unter einer Pergola vor einem auf einem Fels errichteten Bauernhaus mit Schindeldach haben sich Landleute eingefunden. Einige von ihnen tanzen vergnügt, andere musizieren. Vorn nähert sich ein Wanderer mit Hund der Gesellschaft. Im Hintergrund öffnet sich die Weite einer Gebirgslandschaft. Schinkel bewunderte die Architektur der Alpenbewohner. In der einfachen Bauweise ihrer Holzhäuser sah er eine enge Verbindung zwischen Baukunst und Natur ausgedrückt. »Die Alpenhütte« erschien ihm wie ein »classisches architectonisches Werk, wie ein altgriechischer Tempel« (Karl Friedrich Schinkel, Briefe, Tagebücher, Gedanken, Berlin 1922, S. 183). Wiederholt stellte Schinkel alpine Häuser dar, etwa in der Federzeichnung »Der Traunsee bei Gmunden«, 1811 (Kupferstichkabinett, Berlin), sowie in den Gemälden »Landschaft mit zwei badenden Kindern« (1812, Nationalgalerie, Inv.-Nr. NG 3/91) und »Blick auf den Mont Blanc« (1813, Nationalgalerie, Inv.-Nr. NG 4/91). | Birgit Verwiebe


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
nicht bezeichnet

AUSSTELLUNGEN
– Karl Friedrich Schinkel. Architektur, Malerei, Kunstgewerbe, Berlin, Staatliche Schlösser und Gärten und Staatliche Museen, Nationalgalerie, in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg, 13.3.-13.9.1981
– Im Tempel der Kunst. Die Künstlermythen der Deutschen, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie, 1.10.2008-18.1.2009
– Romantik und Mittelalter. Architektur und Natur in der Malerei nach Schinkel, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie, 14.9.2012-6.1.2013

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1981: Karl Friedrich Schinkel. Architektur; Malerei; Kunstgewerbe, hrsg. v. Helmut Börsch-Supan und Lucius Grisebach, Ausst.-Kat. Staatliche Schlösser und Gärten, Potsdam, und Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, 13.3.-13.9.1981, S. 246, Kat.-Nr. 178, Farbabb. S. 42
– Ausst.-Kat. Berlin 2008: Im Tempel der Kunst. die Künstlermythen der Deutschen, hrsg. v. Bernhard Maaz, Ausst.-Kat. Alte Nationalgalerie, Berlin 1.10.2008-18.1.2009, S. 113, 155, Kat. 84, Farbabb. S. 112
– Bernhard/Martin 1965: Marianne Bernhard und Kurt Martin, Verlorene Werke der Malerei. In Deutschland in der Zeit von 1939 bis 1945 zerstörte und verschollene Gemälde aus Museen und Galerien, hrsg. v. Klaus P. Rogner, München, Berlin, Ackermann, Henschel, 1965, S. 48
– Boetticher 1891: Friedrich Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Leipzig, Schmidt & Günther, 1891, Bd. II, 2, S. 563, Kat.-Nr. 12
– Börsch-Supan 2007: Helmut Börsch-Supan, Bild-Erfindungen, Berlin, Deutscher Kunstverlag, 2007, S. 369-373, Kat.-Nr. 222, 5, Taf. XVII, S. 137
– Brauer/Jannasch 1968: Verzeichnis der vereinigten Kunstsammlungen Nationalgalerie, Preussischer Kulturbesitz, Galerie des 20. Jahrhunderts, Land Berlin, bearb. v. Heinrich Brauer und Adolf Jannasch, Berlin, Mann, 1968, S. 182
– Jordan 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin, bearb. v. Max Jordan, Berlin, Mittler & Sohn, 1876, 2. Aufl., S. 222, Kat.-Nr. 298
– Justi 1920: Ludwig Justi (Hrsg.), Deutsche Malkunst im 19. Jahrhundert. Ein Führer durch die Nationalgalerie, Berlin, Bard, 1920, S. 367-370
– Justi 1932: Ludwig Justi, Von Runge bis Thoma. Deutsche Malkunst im 19. und 20. Jahrhundert. Ein Gang durch die National-Galerie, Berlin, Bard, 1932, S. 53
– Kugler 1842: Franz Kugler, Karl Friedrich Schinkel. Eine Charakteristik seiner künstlerischen Wirksamkeit, Berlin, Gropius, 1842, S. 150 f.
– Kurth 1920: Willy Kurth, Schinkel als Landschaftsmaler, in: Die Kunst für alle. Malerei, Plastik, Graphik, Architektur, hrsg. v. Friedrich Pecht, 36. Jg. (1920), S. 17-27, S. 27, Abb. S. 23
– Mackowsky 1919: Hans Mackowsky, Brüderstrasse 29. Kunst und Leben in einem Altberliner Geschäftshause, in: Kunst und Künstler, Illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe, 17. Jg. (1919), S. 497-510
– Mackowsky 1923: Hans Mackowsky, Häuser und Menschen im alten Berlin, Berlin, Cassirer, 1923, S. 99-139
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1876-1907, 1923-1928, Kat.-Nr. 298
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1912-1914, Kat.-Nr. 1150 c
– Nationalgalerie 1976: Nationalgalerie. Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen des 19. Jahrhunderts, bearb. v. Barbara Dieterich und Peter Krieger und Elisabeth Krimmel-Decker, Berlin 1976, S. 351 mit Abb.
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 734 mit Abb.
– Rave 1931: Das Schinkel-Museum und die Kunst-Sammlungen Beuths, bearb. v. Paul Ortwin Rave, Berlin, Ernst Rathenau, 1931, S. 53-56, Kat.-Nr. 62
– Riehn 1940: Ernst Riehn, Carl Friedrich Schinkel als Landschaftsmaler, Göttingen 1940, S. 168-176 (besonders S. 172)
– Sydow 1921: Eckart von Sydow, Karl Friedrich Schinkel als Landschaftsmaler, in: Monatshefte für Kunstwissenschaft, 14. Jg. (1921), S. 262-363, S. 245
– Thieme/Becker 1907-1950: Ulrich Thieme und Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Leipzig, Engelmann, 1907-1950, Bd. 30, 1936, S. 78
– Waagen 1875: Gustav Friedrich Waagen, Carl Friedrich Schinkel als Mensch und Künstler (erstmals erschienen in: Berliner Kalender auf das Schalt-Jahr 1844), in: Kleine Schriften, Stuttgart, Ebner & Seubert, 1875, S. 327 f.
– Wolzogen 1862-64: Alfred von Wolzogen (Hrsg.), Aus Schinkel's Nachlaß. Reisetagebücher, Briefe und Aphorismen, Katalog des künstlerischen Nachlasses, 4 Bde. (Nachdruck der Ausgabe Berlin 1862-64), Mittenwald, Mäander, 1981, Bd. 2, S. 338, Kat.-Nr. 14


SMB-digital steht unter einer
Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie bei der bpk-Bildagentur
unter www.bpk-bildagentur.de erhalten.