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Thronende Madonna
  • Thronende Madonna
  • Bild
  • Karl Wilhelm Wach (11.9.1787 - 24.11.1845), Maler
  • 1826/1827
  • Öl auf Leinwand
  • 54,7 x 38,1 cm
  • Ident.Nr. W.S. 247
  • 1861 Vermächtnis des Bankiers Joachim Heinrich Wilhelm Wagener als Gründungssammlung der Nationalgalerie
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Beschreibung
Provenienz
Bei dem Bild »Thronende Madonna« handelt es sich um eine Farbskizze oder eher kleine Replik einer Komposition, die in großem Format (etwa 270 × 180 cm) im Auftrag der Stadt Berlin als Geschenk für Prinzessin Luise Wilhelmine von Preußen zu ihrer Hochzeit mit dem Prinzen Friedrich der Niederlande gemalt wurde. Aus gleichem Anlaß war Schinkels »Blick in Griechenlands Blüte« entstanden (beide Bilder ehemals im Oranischen Palais in Brüssel, verschollen). Im Katalog der Akademieausstellung von 1826 (Kat.-Nr. 96) trägt dieses Bild den Titel »Allegorie. Stiftung der christlichen Kirche«. Die aufwendig mit Grotesken geschmückten Ädikulastützen – auch das Thronmotiv selbst – weisen deutlich auf das Leitbild der italienischen Renaissance und namentlich des späten Quattrocento hin, während der Modellnaturalismus der Gesichter von keiner stilistischen Orientierung beeinflußt scheint.
Die Komposition geht zurück auf einen 1817/18 in Rom entstandenen Karton, eine »symbolische Darstellung des wiedervereinten Christenthums« (A. Raczyński, Geschichte der neueren deutschen Kunst, Bd. 3, Berlin 1841, S. 79). Vier Figuren, die in diesem Entwurf den Thron umstehen – die Heiligen Johannes Chrysostomus, Augustinus und Georg sowie Martin Luther –, wurden bei der Ausführung der Fassung von 1826 weggelassen. So aber entfiel das Wesentliche der ursprünglichen Ikonographie, deren ökumenische Tendenz den Nazarenern »körperlichen Schmerz« bereitet hatte, wie Wach an Christian Daniel Rauch schrieb (zit. nach: F. und K. Eggers, Christian Daniel Rauch, Bd. 2, Berlin 1878, S. 26). Angeregt worden war sie vielleicht durch die Einführung der Union der lutherischen und der reformierten Konfession in Preußen und einigen anderen deutschen Ländern 1817. Ihre Rücknahme wiederum könnte dann auf die Schwächung des Unionsgedankens nach 1817 zurückzuführen sein.
Ob die kleine Fassung vor oder nach der großen entstand, muß unentschieden bleiben. Die Kataloge der Sammlung Wagener datieren sie auf 1827 und geben die mehrdeutige Auskunft: »Im Kleinen ausgeführtes Bild, welches Wach im Jahre 1827 [sic!] […] im Großen gemalt hat« (Verzeichniss der Gemälde-Sammlung des J. H. W. Wagener, Berlin 1861, S. 137); und der Akademiekatalog von 1828 spricht von einer Farbenskizze, doch wissen wir nicht, ob hier unser Bild gemeint ist, bei welchem der Augenschein eher auf eine Wiederholung hindeutet. | Claude Keisch


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
nicht bezeichnet

AUSSTELLUNGEN
– Berliner Akademie-Ausstellung, Berlin, Königliche Akademie der Bildenden Künste, 1828
– Die Sammlung des Bankiers Wagener. Die Gründung der Nationalgalerie, Berlin, Alte Nationalgalerie, 23.3.2011-8.1.2012
– Die Sammlung des Bankiers Wagener. Die Gründung der Nationalgalerie, Papenburg, Gut Altenkamp, 15.5.-19.8.2012

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1828: Verzeichniß derjenigen Kunstwerke, welche von der Königlichen Akademie der Künste [...] öffentlich ausgestellt sind, Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin, 1828, S. 4, Kat.-Nr. 9 (?)
– Ausst.-Kat. Berlin 2011: Die Sammlung des Bankiers Wagener. Die Gründung der Nationalgalerie, hrsg. v. Birgit Verwiebe, Angelika Wesenberg und Udo Kittelmann, Ausst.-Kat. Alte Nationalgalerie, Berlin 23.3.2011-8.1.2012, Kat-Nr. 247
– Boetticher 1891: Friedrich Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Leipzig, Schmidt & Günther, 1891, Bd. II, 2, S. 955, Kat.-Nr. 21
– Bonte 1828: Katalog der Gemälde-Sammlung des Kaufmanns J. H. W. Wagener in Berlin, bearb. v. J. F. Bonte, Berlin 1828, Kat.-Nr. 99
– Jordan 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin, bearb. v. Max Jordan, Berlin, Mittler & Sohn, 1876, 2. Aufl., S. 264 f., Kat.-Nr. 370
– Jordan 1877: Max Jordan, Die Musen im Königlichen Schauspielhaus in Berlin, Berlin, Wasmuth, 1877, S. 7
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1876-1902, Kat.-Nr. 370
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 878 mit Abb.
– Raczynski 1836: Athanasius Raczynski, Geschichte der neueren deutschen Kunst, Berlin 1836-1841, Bd. III, 1841, S. 78-80, 83
– Reber 1876: Franz Reber, Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873, Stuttgart, Meyer & Zeller's, 1876, 2. Aufl. 1884, Bd. II, S. 165 [zur großen Fassung, die kleine kurz erwähnt]
– Rosenberg 1879: Adolf Rosenberg, Die Berliner Malerschule. 1819-1879. Studien und Kritiken, Berlin, Ernst Wasmuth, 1879, S. 13
– Thieme/Becker 1907-1950: Ulrich Thieme und Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Leipzig, Engelmann, 1907-1950, Bd. 35, 1942, S. 3
– Waagen 1861: Verzeichniss der Gemälde-Sammlung des am 18. Januar 1861 zu Berlin verstorbenen Königlichen Schwedischen und Norwegischen Konsuls J. H. W. Wagener, welche durch letztwillige Bestimmung in den Besitz Seiner Majestät des Königs übergegangen ist, hrsg. v. Gustav Friedrich Waagen, Berlin 1861, Kat.-Nr. 247
– Waagen 1873: Verzeichniß der Gemälde-Sammlung des am 18. Januar 1861 zu Berlin verstorbenen Königlichen Schwedischen und Norwegischen Konsuls J. H. W. Wagener, welche durch letztwillige Bestimmung in den Besitz Seiner Majestät des Königs übergegangen ist, hrsg. von Gustav Friedrich Waagen, Berlin: 1873, Kat.-Nr. 247
– WVZ Eggers 1976: Barbara Eggers, Der Berliner Maler Karl Wilhelm Wach (1787-1845) (Diplomarbeit an der Humboldt-Universität), Berlin 1976, Kat.-Nr. B 22


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