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Bildnis des Dichters Friedrich Rückert
  • Bildnis des Dichters Friedrich Rückert
  • Bild
  • Bertha Froriep (16.5.1833 - 3.12.1920), Malerin
  • 1864
  • Öl auf Leinwand
  • 61,5 x 49,5 cm
  • Ident.Nr. A I 750
  • 1903 Ankauf von der Künstlerin
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Christa Begall
Beschreibung
Friedrich Rückert (1788–1866), Lyriker und Übersetzer orientalischer Literatur, war Professor für orientalische Philosophie in Erlangen, danach in Berlin. Seit 1848 lebte er zurückgezogen auf dem Gut Neuses bei Coburg. Er hinterließ ein überreiches Werk voll kunstvoller Sprachspiele und schlichter Weltweisheit.
Bertha Froriep, Tochter des Weimarer Mediziners und Verlegers Robert Froriep, lebte im Hause des Vaters und hatte Anteil an dessen freundschaftlichen Beziehungen zu Friedrich Rückert, den dieser in den vierziger Jahren in Berlin kennengelernt hatte. Dessen Sohn August heiratete Berthas Schwester Alma. Das Bildnis entstand zwei Jahre vor dem Tode des Dichters, zwischen dem 5. und 10. März 1864 bei einem Besuch der Malerin auf Neuses, wo Rückert mit Sohn und Schwiegertochter lebte. Es zeigt den 76jährigen ›Brahmanen von Neuses‹ mit langem Haar und gelblich bleicher, lederner Haut, ernst und schmallippig, mit der nervigen Energie eines Sektenpredigers und einem unfrohen Ausdruck, den der trockene Farbauftrag ›alla prima‹ und die steife Zeichnung noch unterstreichen. Man vergleiche das von Schnorr von Carolsfeld gezeichnete Bildnis des Dreißigjährigen (1818, Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien), in welchem, bei vollblütigerer Vitalität, eine ähnlich willensbetonte Konzentration den Ausdruck verfinstert.
Rückert bedankte sich für das Bild mit einem elfzeiligen Gedicht: »Du hast mein Bild mit Liebe gemalt, / Drum ist es so schön gelungen: / Denn wo aus dem Irdischen Schönes strahlt, / Das ist aus Lieb’ entsprungen; Davon die Spur / Trägt jede Flur / In Farbenabschattungen; / Das ist die Liebe der Natur; / Und Kunst, die ihr nacheifert nur, / Hat gleichen Sieg errungen, / Mit Liebe den Stoff bezwungen.«
1884 malte Bertha Froriep postum den Dichter abermals, diesmal in ganzer Figur am Schreibtisch sitzend (ehemals Besitz der Stadt Coburg, im Zweiten Weltkrieg zerstört; eine Zweitfassung von 1888 im Stadtarchiv Schweinfurt). Der Kopf dieser Darstellung ist eine genaue Wiederholung des Bildnisses von 1864, von dem es zwei weitere Repliken gab; eine davon, 1866 für die Söhne des Dichters ausgeführt, befindet sich heute in Neuses bei Coburg. (Auskünfte von Rudolf Kreutner, Stadtarchiv Schweinfurt; dort Nachlaß Rückert und darin Nachlaß Berta Froriep). | Claude Keisch


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. links unten: B. Froriep. / 1864

AUSSTELLUNGEN
– Große Deutsche in Bildnissen ihrer Zeit, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin im ehemaligen Kronprinzenpalais, Aug. - Sept. 1936

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1936: Große Deutsche in Bildnissen ihrer Zeit, Ausst.-Kat. National-Galerie, Kronprinzenpalais Berlin 1.8.-30.9.1936, Taf. 278
– Kaiser 1981: Paul Kaiser, Ludwig Friedrich Froriep und Robert Froriep, Gedenkrede zu ihrem 200. und 150. Geburtstag im Jahre 1979, in: Weimarer Schriften, Stadtmuseum Weimar, H. 38 (1981), S. 12, 21, Anm. 17 und 18
– Lazarus 1906: Moritz Lazarus, Lebenserinnerungen, bearb. v. Nahida Lazarus und Alfred Leicht, Berlin, G. Reimer, 1906, S. 18, Fußnote
– Mackowsky 1929: National-Galerie. Führer durch die Bildnis-Sammlung, bearb. v. Hans Mackowsky, Berlin, Hermann, 1929, S. 58 f., Kat.-Nr. 27
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 264 mit Abb.
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 266 mit Abb.
– Rave 1949: Paul Ortwin Rave, Das geistige Deutschland im Bildnis. Das Jahrhundert Goethes, Berlin, Verlag des Druckhauses Tempelhof, 1949, S. 325, Taf.
– Rückert 1888: Friedrich Rückert, Poetisches Tagebuch, 1850-1866. Aus seinem Nachlasse, Frankfurt am Main, J. D. Sauerländers, 1888, S. 498
– Zentralarchiv SMPK, Acta Gen. 10.1, Bd. I, fol. 18 r (Beratungsprotokoll der Ankaufskommission 1875). - Acta Spec. Froriep (mit Ankaufsvorgang; hier auch die Notiz: "Vgl. auch JNr. 1234 in Spec. 29 dieser Band ist verloren. Das Gemälde ist das einzige und zwar im März 1864 nach dem Leben gemalte Bildniß Rückerts.")


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