SMB-digital

Online-Datenbank der Sammlungen

Reinhards Studierstube
  • Reinhards Studierstube
  • Bild
  • Georg Friedrich Kersting (31.10.1785 - 1.7.1847), Maler
  • um 1811
  • Öl auf Leinwand
  • 47 x 37 cm
  • Ident.Nr. NG 27/63
  • 1963 Ankauf von den Schwestern Antonie, Elfriede und Marie Kraukling, Berlin
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Jörg P. Anders
Beschreibung
Provenienz
Georg Friedrich Kerstings Gemälde »Reinhards Studierstube« trägt auf der Rückseite einen Aufkleber mit der Abschrift eines Artikels des Archäologen Karl August Böttiger: »Ein wackerer Dresdener Künstler, Kersting, hat sein schon anderweit erprobtes Talent in der Manier der großen Niederländer, eines Slingeland, Terborch usw. durch eine Darstellung von Reinhards Studierstube mit allen Umgebungen, den Bewohner selbst an seinem Arbeitstisch nicht vergessend, sehr gut beurkundet« (vgl. den Artikel Böttigers in: Kunst-Blatt, Beilage des Morgenblatts für gebildete Stände, 1816, H. 13, S. 50). Kersting hat den Dresdner Theologen, Luther-Forscher und Hofprediger Franz Volkmar Reinhard (1753–1812) in einem sogenannten Innenraumporträt dargestellt. Auf den Dresdner Akademieausstellungen hatte er bereits mehrere Bildnisse dieser Art mit Erfolg gezeigt. Wilhelm von Kügelgen beschrieb sie mit Einsicht: »Er malte […] in kleinem Format […] sehr saubere Porträts, ganze Figuren, und in einer Umgebung, die ebenfalls Porträt war. Es ist von unleugbarem Interesse, geliebte oder ausgezeichnete und denkwürdige Personen in der ihnen eigentümlichen und ihrem Berufe angemessenen Umgebung zu sehen, die, wo sie sich auf charakteristische Weise gestaltet hat, keine Zufälligkeit mehr ist, so wenig als das Haus der Schnecke, das aus ihr selbst hervorgeht« (W. v. Kügelgen, Jugenderinnerungen eines alten Mannes, Leipzig 1924, S. 94).
Kersting bediente sich dieses neuartigen Bildtyps, um mit dem Vorzeigen der spezifischen häuslichen Situation zugleich auch Wesenszüge seiner Modelle offenzulegen. So ist der in seine Lektüre vertiefte Reinhard in seiner wohlaufgeräumten, übersichtlich möblierten Studierstube zu sehen. Die zur Hand liegende Bibel, Schadows Lutherbüste in bronziertem Gips, das gefüllte Bücherregal, der Korb mit der Briefpost unter dem Schreibtisch und der auf einem Stuhl abgelegte Bücherstapel weisen auf einen Gelehrten. Doch setzt der ins Wohnmilieu einbezogene Fensterausblick in die Landschaft der Sächsischen Schweiz einen Akzent, aus dem ersichtlich wird, wie sehr dem Theologen auch die Bindungen nach draußen, in die Natur, wichtig waren. Caspar David Friedrich erwähnt dieses und das folgende Innenraumporträt in einem Brief an den Bruder Heinrich vom 26. März 1818: »Das Bild, meine Mahlerstube, ist dein und du kannst damit schalten und walten wie du willst. Ich erwarte aber von dir daß du es nicht verkaufest. Es ist hier aber ein ehnliches Bild von Kersting zu haben und zwar die Studirstube des berühmten Prediger Reinhart, wie er am Tisch sitzt und ließt. Durch das Fenster sieht man die Felsen: Königstein, Lilienstein, Pfaffenstein, kurz die ganze sächsische Schweiz in der Ferne. / Dein Bruder C. / Der Preis des Bildes ist 20 Ducaten« (Aus dem Leben Caspar David Friedrichs. Geschwisterbriefe, Greifswald 1924, S. 25). | Gerd-Helge Vogel


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. rechts unten (am Schreibtisch): 181[?] [letzte Ziffer unleserlich]

AUSSTELLUNGEN
– Akademische Kunstausstellung, Dresden, Königlich sächsische Akademie der Künste, 1816
– German Masters of the Nineteenth Century. Paintings and Drawings from the Federal Republic of Germany, New York, Metropolitan Museum of Art, 2.5.-5.7.1981
– German Masters of the Nineteenth Century. Paintings and Drawings from the Federal Republic of Germany, Toronto, Art Gallery of Ontario, 1.8.-11.10.1981
– "Das Gesicht ist der edelste Sinn..."; Georg Friedrich Kersting; zur Porträtkunst, Güstrow, Museum der Stadt, 26.9.-15.11.1997
– Leben nach Luther - Eine Kulturgeschichte des evangelischen Pfarrhauses, Berlin, Deutsches Historisches Museum, 25.10.2013-02.03.2014

LITERATUR
– Ausst. Kat. Dresden 1816, Kat.-Nr. 193
– Ausst.-Kat. Berlin 2013: Leben nach Luther, eine Kulturgeschichte des evangelischen Pfarrhauses, Ausst.-Kat. Deutsches Historisches Museum, Berlin, 25.10.2013-2.3.2014, Abb. S. 70, S. 215, Kat.-Nr. 89
– Ausst.-Kat. Güstrow 1997: "Das Gesicht ist der edelste Sinn..."; Georg Friedrich Kersting; zur Porträtkunst, Ausst.-Kat. Museum der Stadt Güstrow 26.9.-15.11.1997, S. 53, 124, Kat.-Nr. 4
– Ausst.-Kat. New York 1981: German Masters of the Nineteenth Century. Paintings and Drawings from the Federal Republic of Germany, hrsg. v. Gert Schiff und Stephan Waetzoldt, Ausst.-Kat. The Metropolitan Museum of Art, New York 2.5.-5.7.1981, Art Gallery of Ontario, Toronto 1.8.-11.10.1981, S. 118 f., Kat.-Nr. 37 mit Farbtaf.
– Brauer/Jannasch 1968: Verzeichnis der vereinigten Kunstsammlungen Nationalgalerie, Preussischer Kulturbesitz, Galerie des 20. Jahrhunderts, Land Berlin, bearb. v. Heinrich Brauer und Adolf Jannasch, Berlin, Mann, 1968, S. 105
– Gärtner 1988: Hannelore Gärtner, Georg Friedrich Kersting, Leipzig, Seemann, 1988, S. 76 f., 206, Farbtaf. S. 56
– Honisch 1979: Dieter Honisch, Die Nationalgalerie Berlin, Recklinghausen, Bongers, 1979, S. 91, 335, Abb. 11
– Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz 1963ff: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz, hrsg. im Auftrag des Stiftungsrats vom Präsidenten der Stiftung Preussischer Kulturbesitz, Berlin, Mann, 1963, Bd. III, 1964/65, S. 246-254, Farbtaf. 19, nach S. 248
– Krieger 1986: Galerie der Romantik, hrsg. v. Peter Krieger, Berlin, Nationalgalerie, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, 1986, S. 90 f. mit Farbabb.
– Kügelgen 1870: Wilhelm von Kügelgen, Jugenderinnerungen eines alten Mannes, Berlin, Knaur Nachs, 1870, 1802-1820, Leipzig 1924, S. 94
– Nationalgalerie 1976: Nationalgalerie. Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen des 19. Jahrhunderts, bearb. v. Barbara Dieterich und Peter Krieger und Elisabeth Krimmel-Decker, Berlin 1976, S. 191 f. mit Abb.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 422 mit Abb.
– Reidemeister/Brauer 1961: Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke der Nationalgalerie Berlin in der Orangerie des Schloss Charlottenburg, bearb. v. Leopold Reidemeister und Henrich Brauer, Berlin 1961, 1964, 1966, S. 10
– Wesenberg 2001: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig, Seemann, 2001, S. 198, Kat.-Nr. 219 mit Farbabb.
– WVZ Schnell 1994: Werner Schnell, Georg Friedrich Kersting. 1785-1847. Das zeichnerische und malerische Werk mit Oeuvrekatalog, Berlin, Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, 1994, S. 78-84, S. 302, WV A 30


SMB-digital steht unter einer
Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie bei der bpk-Bildagentur
unter www.bpk-bildagentur.de erhalten.