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Birkendamm
  • Birkendamm
  • Bild
  • Otto Modersohn (22.2.1865 - 10.3.1943), Maler
  • 1901
  • Öl auf Leinwand
  • 80 x 125 cm
  • Ident.Nr. A III 564
  • 1972 Ankauf von Herbert Raaf, Erfurt
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Description
Provenienz
Die bekannteste der zahlreichen Künstlerkolonien der Jahrhundertwende war sicherlich jene von Worpswede im sogenannten Teufelsmoor nördlich von Bremen. Otto Modersohn gehörte 1889 zu den Gründern des Künstlerdorfes in abgeschiedener Lage. Das Erlebnis von Moor und Heide, von Weite und Leere setzte Modersohn in Bilder von einem ausgeprägten Stimmungslyrismus um. Den ersten vor der Natur entstandenen realistischen Studien folgten bewußt vereinfachte, im Atelier erdachte Kompositionen. Sie zeigen typische Motive dieser Landschaft: die Moorkaten, die allgegenwärtigen Birken und die schnurgeraden Gräben. Otto Modersohn bevorzugte wie schon die Romantiker und viele seiner Freunde melancholische Zwischenzustände der Natur, den Herbst etwa oder die Abendstunden. Rainer Maria Rilke bezeichnete ihn gar als »Adept des Abends«, er habe »wundervolle Dämmerungen gemalt, Dämmerungen, die auf den Vließen der Schafe zittern, Dämmerungen, die sich im Wasser spiegeln, tiefe, stille Dämmerungen um irgend eine einsame Gestalt« (Rilke, Worpswede, Bielefeld 1903, S. 60).
Das Jahr 1901, in dem das Bild »Birkendamm« entstand, war eines der intensivsten im Leben des Freundeskreises. Im Mai heirateten Otto Modersohn und die hochbegabte Künstlerkollegin Paula Becker, wenig später Rainer Maria Rilke, der seit dem Vorjahr das Leben in Worpswede teilte, und die Bildhauerin Clara Westhoff. Die neue Situation erneuerte Modersohns Sinn für Land und Leute. Am 6. Juli vermerkte er im Tagebuch: »Im Anfang fühlte man stark den Gegensatz zur Welt, das merkwürdige des Lebens in Worpswede und das war gut. Daraus entsprang so vieles. Später wurde das viel schwächer. Jetzt mit Paula kommt es wieder, das ist ein großer Segen. – Je merkwürdiger, weltabgewandter unser Leben, desto heilsamer für die Kunst« (zit. nach: Worpswede, Fischerhude 1986, S. 49). Das Bild »Birkendamm« mit der einsamen Kate in herbstlicher Landschaft und der erst auf den zweiten Blick erkennbaren alten Frau neben der Birke ist bestimmt von dieser neu belebten Sicht auf das Dorf. | Angelika Wesenberg


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. links unten: Otto Modersohn. W. / 1901

AUSSTELLUNGEN
– Die Kleine Nationalgalerie, ein Bildersaal deutscher Kunst im 19. Jahrhundert, Dortmund, Museum für Kunst- und Kulturgeschichte, 26.6.2005-31.12.2007
– Natur und Poesie um 1900. Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker und Worpswede, Karlsruhe, Städtische Galerie, 11.11.2012-17.02.2013

11.11.2012-17.02.2013
– Moderne Zeiten. Die Sammlung. 1900-1945, Neue Nationalgalerie, Berlin, 12.03.2010-03.10.2011

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Dortmund 2005: Die Kleine Nationalgalerie. Ein Bildersaal deutscher Kunst im 19. Jahrhundert, hrsg. v. Brigitte Buberl, Ausst.-Kat. Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Dortmund 26.6.2005-31.12.2007, S. 220, Kat.-Nr. 99
– Ausst.-Kat. Karlsruhe 2012: Natur und Poesie um 1900. Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker und Worpswede, hrsg. von Brigitte Baumstark, Ausst.-Kat. Städtische Galerie Karlsruhe 11.11.2012-17.2.2013, S. 212, Abb. S. 150-151
– Ausst.-Kat. Schwäbisch-Hall 2014: Moderne Zeiten. Die Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin zu Gast in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall, Ausst.-Kat. Kunsthalle Würth, Schwäbisch-Hall, 23.5.2014-1.5.2015, S. 52, Taf. S. 53
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 620 mit Abb.


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