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Frau Luise Mila
  • Frau Luise Mila
  • Bild
  • Johann Erdmann Hummel (11.9.1769 - 26.8.1852), Maler
  • um 1810/1815
  • Öl auf Leinwand
  • 86 x 73 cm
  • Ident.Nr. A II 903
  • 1937 erworben von der Galerie Dr. W. A. Luz, Berlin; 1945 verschollen; 1995 in griechischem Privatbesitz; 2001 zurückgewonnen
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Beschreibung
Provenienz
»Dort aber, wo Hummel Freundschaft oder Neigung mit der dargestellten Person verband, schuf er Werke, die zum Besten, was er geschaffen hat, gehören«, schrieb der Biograph und Enkel Georg Hummel über den Maler Johann Erdmann Hummel. Vor dem Porträt der Luise Mila (1771–1858), in deren Haus der Künstler ein und aus ging, »spürte man Herzenstöne. Es ist im Aufbau und in der Delikatesse der stofflichen Malerei ein Meisterwerk« (G. Hummel, Der Maler Johann Erdmann Hummel, Leipzig 1954, S. 39). Das Bildnis »Frau Luise Mila« wurde gemeinsam mit dem ebenfalls von Hummel gemalten Porträt des Ehemannes »Guillaume Mila« 1934 aus dem Besitz der Nachkommen der Familie zum Kauf angeboten. Drei Jahre später erwarb die Nationalgalerie »Frau Luise Mila«, nicht jedoch das Bildnis ihres Ehemannes (heute Österreichische Galerie Belvedere, Wien).
Die Familie Mila war hugenottischer Abstammung. Guillaume Mila (1764–1833) wirkte als Prediger der französisch reformierten Gemeinde Berlins und als Geschichtsschreiber. Er lehrte an der Universität Französisch, war Justizrat und ein bekannter Autor. Befreundet mit Daniel Chodowiecki und Alois Hirt, war sein Haus ein Treffpunkt von Berliner Künstlern und Intellektuellen. Charlotte Luise Mila, geborene Savary, war die Tochter des Hofgoldschmieds Friedrichs des Großen. Hummel pflegte als Lehrer und Freund des eine künstlerische Laufbahn einschlagenden Sohnes Paul Mila enge Kontakte zur Familie.
Streng architektonisch, mit deutlicher Betonung der Mittelachse gestaltete Hummel das Bildnis der »Luise Mila«. Ihre unbeweglich erscheinende Haltung wird belebt durch eine subtile Farbgebung und die wunderbar präzise Ausführung von Spitze, Brokatschal und Schmuck. Mit genauer Beobachtungsgabe ist auch der Ausblick im Hintergrund, aus dem Fenster der Mila’schen Wohnung an der Ecke Dorotheen-/Universitätsstraße gegeben: Im Licht einer klaren dunstlosen Atmosphäre sind links die Universität – noch ohne Seitenflügel – und rechts das alte Akademiegebäude an der Straße Unter den Linden zu sehen, gegenüber das Palais Wilhelm vor dem Umbau durch Langhans den Jüngeren, im Hintergrund der Französische und der Deutsche Dom. Das Wohnhaus der Milas ist nicht erhalten, an seiner Stelle wurde ein Seminargebäude der Universität errichtet.
Die archaische Strenge der Komposition, die klare Farbig- und reiche Stofflichkeit des Hummelschen Gemäldes lassen altniederländische und altdeutsche Einflüsse erkennen. Zur Entstehungszeit des Bildnisses, 1814 bis 1815, war im Gedenken an Preußens gefallene Helden in der Berliner Akademie eine Ausstellung von aus Paris zurückgekehrten Kunstwerken zu sehen, darunter Hans Memlings vielbeachtetes Altargemälde »Das jüngste Gericht« (heute Muzeum Narodowe w Gdańsku). Ein Jahr später, 1816, reiste Hummel gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Friedrich Bury nach Holland und Belgien. Dort beeindruckte ihn vor allem die Kunst Jan van Eycks. Noch im gleichen Jahr schuf er mehrere Kopien nach Alten Meistern, u. a. ein »Damenbildnis« nach Bartholomäus van der Helst (Verbleib unbekannt, vgl. G. Hummel, ebd., S. 39). | Birgit Verwiebe


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
nicht bezeichnet

AUSSTELLUNGEN
– A German Dream. Masterpieces of Romanticism from the Nationalgalerie Berlin, Dublin, National Gallery of Ireland, 17.10.2004-30.1.2005
– Verlust und Wiederkehr. Verlorene und zurückgewonnene Werke der Nationalgalerie, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie, 10.12.2010-6.3.2011

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 2010: Verlust und Wiederkehr. Verlorene und zurückgewonnene Werke der Nationalgalerie, hrsg. v. Birgit Verwiebe, Ausst.-Kat. Alte Nationalgalerie, Berlin, 10.12.2010-6.3.2011, S. 37, Abb. S. 16
– Ausst.-Kat. Dublin 2004: A German Dream. Masterpieces of Romanticism from the Nationalgalerie Berlin, hrsg. v. Bernhard Maaz, Ausst.-Kat. National Gallery of Ireland, Dublin 17.10.2004-30.1.2005, S. 138, Kat.-Nr. 46 mit Farbtaf.
– Bernhard/Martin 1965: Marianne Bernhard und Kurt Martin, Verlorene Werke der Malerei. In Deutschland in der Zeit von 1939 bis 1945 zerstörte und verschollene Gemälde aus Museen und Galerien, hrsg. v. Klaus P. Rogner, München, Berlin, Ackermann, Henschel, 1965, S. 38
– Hummel 1954: Georg Hummel, Der Maler Johann Erdmann Hummel. Leben und Werk, Leipzig, E.A. Seemann, 1954, S. 39
– Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz 1963ff: Jahrbuch Preußischer Kulturbesitz, hrsg. im Auftrag des Stiftungsrats vom Präsidenten der Stiftung Preussischer Kulturbesitz, Berlin, Mann, 1963, Bd. XXXVIII, 2001, S. 249-262, hier S. 254-261, Taf. 1, S. 255
– Morton 1986: Marsha Morton, Johann Erdmann Hummel. A Painter of Biedermeier Berlin (Dissertation), New York 1986, S. 297-299
– Museumsjournal: Museumsjournal. Berichte aus den Museen, Schlössern und Sammlungen in Berlin und Potsdam, Berlin, 16. Jg., Nr. II, April 2003, S. 50 f., Farbabb. 3
– Nationalgalerie 1945: Paul Ortwin Rave (Hrsg.), Die Malerei des XIX. Jahrhunderts. 240 Bilder nach Gemälden der National-Galerie, Berlin, Gebr. Mann, 1945, S. 12, Taf. 69
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 396 mit Abb.
– Rave 1949: Paul Ortwin Rave, Deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts, Berlin, Mann, 1949, S. 309, Taf. 75
– Verein der Freunde der National-Galerie 1938: National-Galerie. Die wichtigsten Erwerbungen in den Jahren 1933-1937, bearb. v. Eduard von der Heydt, hrsg. v. Verein der Freunde der National-Galerie, Berlin, Deutscher Kunstverlag, 1938, Taf. 10
– Wesenberg 2002: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig, E.A. Seemann, 2002, 3. überarb. Aufl., S. 193 f., Kat.-Nr. 213, Farbabb. S. 194
– Zentralarchiv SMPK, I/NG 937, Angebote von Gemälden, J.-Nr. 342/1934, Bl. 174 und 179. - I/NG 872, Ankauf und Zuweisung von Kunstwerken, J.-Nr. 1263/1937, Bl. 559-564.


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