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Kleiner Kanal an der Seine bei Meudon
  • Kleiner Kanal an der Seine bei Meudon
  • Bild
  • Johan Barthold Jongkind (3.6.1819 - 9.2.1891), Maler
  • 1865
  • Öl auf Leinwand
  • 35 x 47,5 cm
  • Ident.Nr. NG 30/65
  • 1965 Ankauf von Adolphe Stein, Paris
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Description
Provenienz
Eigentlich schon dem Impressionismus zugehörig erscheint die Darstellung der kargen, hellen Landschaft bei dem Ort Meudon, südwestlich von Paris aus dem Jahr 1865: mit einem Fuhrwerk auf breiter, sandiger Straße, zwei Häusern rechts und einem hohen, dürren Baum links und dem kaum wahrnehmbaren Kanal dazwischen. Johann Barthold Jongkind war zwanzig Jahre zuvor auf Veranlassung des Malers Eugène Isabey, der sein väterlicher Förderer wurde, aus dem heimatlichen Holland nach Paris gekommen. Er freundete sich in den einschlägigen Restaurants mit vielen Malern der Schule von Barbizon an, aber auch mit Gustave Courbet und Charles Baudelaire. Nach Krisenjahren, die er wieder in Holland verbrachte, kehrte er 1860 nach Paris zurück und konnte auf die Unterstützung seiner Freunde rechnen. 1862 ging Jongkind nach Honfleur in der Normandie. Er mietete sich an der Küste Saint Siméon ein und scharte Freunde um sich. Von Ende Mai bis November 1864 wohnte auch der junge Claude Monet in der Ferme Saint Siméon, einem bei Künstlern beliebten Gasthaus, im Herbst arbeitete er häufig mit dem älteren Jongkind vor denselben Motiven und eignete sich so dessen Sichtweise an. Monet berichtete später, daß Jongkind bis zu 15 Aquarelle am Tage malte, von denen er später die geeignetsten in Ölmalerei ausführte (vgl. S. Koja, Monet, Ausst.-Kat., Wien 1996, S. 42). Daraus erklärt sich auch, daß Jongkind bei gedämpfter Ateliertonigkeit blieb und noch nicht reine Farben, wie wenig später die Impressionisten, verwendete. Seine Arbeiten, insbesondere Ansichten der Seine wie des Hafens von Honfleur, auch daher fanden nun zunehmend Anerkennung. In den tiefliegenden, weiten Horizonten scheint dabei noch immer die Tradition der holländischen Landschaftsmalerei lebendig. Was sein Werk aber von dieser unterscheidet, mehr noch als die Bilder der Maler von Barbizon, sind die eminente Helligkeit und Luftigkeit seiner Ansichten und das Fehlen aller Idealität und Stimmungshaftigkeit.
Ein vorbereitendes Aquarell ist »Bas Meudon 12 mai 1865« bezeichnet (vgl. V. Hefting, Jongkind, Paris 1975, Nr. 349). Von dem Bild sind drei Fassungen bekannt: Eine befindet sich im Virginia Museum of Fine Arts in Richmond, eine weitere im Cleveland Museum of Art. | Angelika Wesenberg


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. links unten: Jongkind 1865

AUSSTELLUNGEN
– Frankreich in der Nationalgalerie, Berlin, Staatlichen Museen zu Berlin, Nationalgalerie, 23.5.-7.10.2007

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 2007: Frankreich in der Nationalgalerie: Courbet, Manet, Cézanne, Renoir, Rodin, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Ausst.-Kat. Nationalgalerie, Berlin 23.5.-7.10.2007, S. 30, 38, Kat.-Nr. 22 mit Farbtaf.
– Brauer/Jannasch 1968: Verzeichnis der vereinigten Kunstsammlungen Nationalgalerie, Preussischer Kulturbesitz, Galerie des 20. Jahrhunderts, Land Berlin, bearb. v. Heinrich Brauer und Adolf Jannasch, Berlin, Mann, 1968, S. 103, Abb. 237, S. 325
– Honisch 1979: Dieter Honisch, Die Nationalgalerie Berlin, Recklinghausen, Bongers, 1979, S. 190, 334, Abb. 171
– Krieger 1967: Peter Krieger, Maler des Impressionismus, Berlin, Mann, 1967, S. 8, 31, Kat.-Nr. 13, Taf. 4
– Moreau-Nélaton 1918: Étienne Moreau-Nélaton, Jongkind raconté par lui-même, Paris, Laurens, 1918, S. 60-91, vgl. Abb. 63, 64
– Nationalgalerie 1976: Nationalgalerie. Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen des 19. Jahrhunderts, bearb. v. Barbara Dieterich und Peter Krieger und Elisabeth Krimmel-Decker, Berlin 1976, S. 187/189, Taf. S. 188
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 408 mit Abb.
– Reidemeister/Brauer 1961: Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke der Nationalgalerie Berlin in der Orangerie des Schloss Charlottenburg, bearb. v. Leopold Reidemeister und Henrich Brauer, Berlin 1961, 1966, S. 40
– Wesenberg 2001: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig, Seemann, 2001, S. 196 f., Kat.-Nr. 217 mit Farbabb.
– WVZ Hefting 1975: Victorine Hefting, Jongkind. Sa vie, son œuvre, son époque, Paris, Arts et métiers graphiques, 1975, , S. 162, Kat.-Nr. 332 mit Abb., vgl. Taf. S. 163


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