SMB-digital

Online collections database

Moses am Brunnen
  • Moses am Brunnen
  • Bild
  • Anton Dräger (9.9.1794 - 26.7.1833), Maler
  • 1827/1828
  • Öl auf Leinwand
  • 117 x 157 cm
  • Ident.Nr. A I 207
  • 1875 Nachlaß des Bildhauers August Kiß, Berlin, und seiner Ehefrau
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Description
Provenienz
Anton Dräger war an der Dresdner Kunstakademie Schüler von Gerhard von Kügelgen. 1821, mit 27 Jahren, ließ er sich in Rom nieder und entwickelte seinen an den Meistern der Renaissance geschulten Stil weiter. In seinem großformatigen Gemälde »Moses am Brunnen« stellte er eine Szene aus dem Alten Testament dar: Hirten wollen die sieben Töchter des hebräischen Priesters Reguel in Midian daran hindern, Wasser zu schöpfen, um ihre Schafe zu tränken. Den Bedrängten hilft der junge Moses, der noch als Ägypter gilt. Danach wird er bei Reguel bleiben und dessen Tochter Zippora zur Frau erhalten.
Hirtenmotive kommen unter Drägers Arbeiten der römischen Zeit mehrfach vor, was man sowohl auf Anschauungserlebnisse in der Campagna wie auf den Eindruck venezianischer Malerei des frühen Cinquecento zurückführen kann. Den Bildgegenstand verdankte Dräger einer Anregung des Berliner Kunstvereins, der die romdeutschen Künstler zu fördern suchte. Eine nach Berlin geschickte Skizze fand den Beifall des Kunstvereins, der eine Ausführung befürwortete.
In dem Bild äußert sich die nach 1815 neben dem Nazarenertum entstehende, auf das reife Cinquecento orientierte, weltlich gestimmte Neorenaissance. Die Rückenfigur links verrät das Vorbild der »Blumenpflückenden Nymphe«, eines Freskos aus der Villa di Arianna in Stabiae (Archäologisches Nationalmuseum Neapel). Dieses Fresko war ein damals schon vielreproduziertes Werk, das namentlich auch Feuerbach zu der Figur der Tamburinschlägerin im »Gastmahl« anregte. In der Mosesfigur wurden Porträtzüge des damals in Rom lebenden Buonaventura Genelli erkannt, der später selbst an mehreren Fassungen einer Komposition zu demselben Gegenstand arbeitete. Trotz der raffaelischen Züge der Komposition meinte Drägers Malerfreund Erwin Speckter anfangs mißbilligend: »Er opfert eigentlich alles mehr oder weniger der Farbe, was trotz allem Reiz [...] Armut oder Einseitigkeit verrät. Er kann freilich auch schön zeichnen« (E. Speckter, Briefe eines deutschen Künstlers aus Italien, Leipzig 1846, S. 254). | Claude Keisch


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. rechts unten: A. Draeger

AUSSTELLUNGEN
– Berliner Akademie-Ausstellung, Berlin, Königliche Akademie der Bildenden Künste, 1830

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1830: Verzeichniß derjenigen Kunstwerke, welche von der Königlichen Akademie der Künste [...] öffentlich ausgestellt sind, Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin, 1830, S. 139, Kat.-Nr. 1264
– Boetticher 1891: Friedrich Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Leipzig, Schmidt & Günther, 1891, Bd. I, 1, S. 251, Kat.-Nr. 5
– Ebert 1971: Hans Ebert, Buonaventura Genelli, Leben und Werk, Weimar, Böhlau, 1971, S. 125
– Jordan 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin, bearb. v. Max Jordan, Berlin, Mittler & Sohn, 1876, 2. Aufl., S. 85, Kat.-Nr. 65
– Müller/Singer 1895: Hermann Alexander Müller und Hans Wolfgang Singer (Hrsg.), Allgemeines Künstler-Lexicon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler, Frankfurt am Main, Literarische Anstalt, Rütten, Loening, 1895, 1922, S. 359
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1876-1902, Kat.-Nr. 65
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 202 mit Abb.
– Nick 1932: Ernst Nick, "Maler Anton Joseph Dräger", in: Trierer Zeitschrift, Jg. 7 (1932), S. 99-115, S. 110, 114, Taf. X
– Thieme/Becker 1907-1950: Ulrich Thieme und Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Leipzig, Engelmann, 1907-1950, Bd. 9, 1913, S. 535


SMB-digital is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Germany License.
Permissions beyond the scope of this license may be available at www.bpk-bildagentur.de.