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Der Weimarer Musenhof. Schiller in Tiefurt dem Hof vorlesend
  • Der Weimarer Musenhof. Schiller in Tiefurt dem Hof vorlesend
  • Bild
  • Theobald Reinhold von Oër (9.10.1807 - 30.1.1885), Maler
  • 1860
  • Öl auf Leinwand
  • 132 x 170,8 cm
  • Ident.Nr. A III 706
  • 1953 Überweisung aus dem Kunstlager der USIG, Berlin; ehemals Schlesisches Museum der Bildenden Künste, Breslau
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Description
Provenienz
Das Gemälde heißt in alten Erwähnungen auch »Weimars Goldene Tage«. Dieser Titel bezieht sich auf die hier mit den handelnden Personen dargestellte Blütezeit der Weimarer Klassik. Eine goldene Zeit erlebte am Ende des 18. Jahrhunderts auch Tiefurt, ein kleines Schlößchen in der Nähe von Weimar. 1781 hatte die kunstsinnige Herzoginmutter Anna Amalia das Anwesen übernommen und zu ihrem Sommersitz ausgebaut. 1805 dann wurden Schloß und Park durch französische Truppen verwüstet.
Das erst im nachhinein, 1860, gemalte Bild zeigt eine fiktive, ideal arrangierte Szene um 1794/95: Vor dem (allerdings erst 1803 errichteten) Musentempel mit der Statue der Melpomene, Muse der tragischen Dichtung und des Trauergesanges, gruppieren sich rechts Angehörige des Hofes um Goethe und den Großherzog Carl August. In der vorderen Reihe sitzen dessen Gattin Luise mit den Kindern und die Mutter des Herzogs, Anna Amalia, mit ihrem Vertrauten, dem Dichter Christoph Martin Wieland. Hinter Wieland stehen Charlotte von Stein und Caroline von Lengefeld.
Links hinter dem deklamierenden Dichter Friedrich Schiller erkennt man weitere Gelehrte und Dichter aus Weimar und dem nahen Jena: Die mittlere der sitzenden Personen ist Johann Gottfried Herder. Dahinter stehen die Brüder Humboldt, die zu jener Zeit im nahen Jena studierten, links Alexander, rechts Wilhelm, der eine Hand auf die Schulter des Bruders legt, die andere Hand reicht er Karoline von Humboldt, mit der er seit 1791 verheiratet war. Hinter den dreien ist Johann Karl August Musäus dargestellt.
Das Bild folgt in seinem Aufbau einem Holzstich, der 1859 nach einer Zeichnung von Oër zum 100. Geburtstag Friedrich Schillers herausgegeben wurde. Der Holzstich führt am unteren Rand die dargestellten Personen auf: »Musäus, Herder, Wolf, Fichte, Frau v. Humboldt, Alexander und Wilhelm von Humboldt, Friedrich von Schiller, Wieland, Amalia, Herzogin-Mutter, Charlotte und Caroline von Lengefeld, Herzogin Louise, von Einsiedel, von Knebel, Herzog Carl August, Goethe«. Diese Personen finden sich auch auf dem wenig später entstandenen Bild wieder. Zeichnung und Holzstich befinden sich heute in den Kunstsammlungen der Klassik Stiftung Weimar. Nach dem Bild wiederum entstand eine Lithographie von E. Fischer. | Angelika Wesenberg


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. rechts unten: Theobald v.Oër f.Dresden 1860.

AUSSTELLUNGEN
– Die Kunst der Aufklärung, Peking, chinesisches Nationalmuseum, 01.04.2011-31.03.2012

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Beijing 2011: Die Kunst der Aufklärung. Eine Ausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin, der Staatlichen Kunstsammlungen Dresdenm der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München und des National Museum of China, Ausst.-Kat. National Museum of China, Beijing, 2011, S. 329, Kat.-Nr. 210
– Boetticher 1891: Friedrich Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Leipzig, Schmidt & Günther, 1891, Bd. II, 1, S. 188, Kat.-Nr. 28
– Braune/Wiese 1926: Schlesisches Museum der Bildenden Künste Breslau, Katalog der Gemälde und Skulpturen, bearb. v. Heinz Braune und Erich Wiese, Breslau, Korn, 1926, 6. Aufl., S. 222, Kat.-Nr. 934
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 648 mit Abb.
– Thieme/Becker 1907-1950: Ulrich Thieme und Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Leipzig, Engelmann, 1907-1950, Bd. 25, 1931, S. 569
– Zentralarchiv SMPK, VA 5808, VA 6501 [USIG-Liste vom 28. 9. 1953: Lfd. Nr. 53]


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