SMB-digital

Online collections database

Theodor Mommsen. Studie
  • Theodor Mommsen. Studie
  • Bild & Studie
  • Franz von Lenbach (13.12.1836 - 6.5.1904), Maler
  • 1897
  • Öl auf Pappe
  • 93 x 73 cm
  • Ident.Nr. A I 616
  • 1898 Ankauf vom Künstler
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Klaus Göken
Description
Anläßlich des achtzigsten Geburtstages des Gelehrten Theodor Mommsen (1817–1903) wollten einige Freunde der Familie ein Porträt des Jubilars von Lenbach malen lassen. Mommsen reiste in Begleitung seiner Tochter nach München. Lenbach machte in seinem Atelier in drei Sitzungen von je ein bis zwei Stunden Skizzen und ließ Mommsen zugleich durch den Fotografen Karl Hahn, der sein Gerät hinter einem Vorhang aufgebaut hatte, mehrfach aufnehmen. Hahn habe die Platten vorbehandelt, so daß er ohne Blitzlicht arbeiten konnte, berichtete die Tochter später dem Enkel Konrad Mommsen. »Beim Abschied am letzten Sitzungstag habe ihr Herr Hahn fast heimlich und nur zur persönlichen Erinnerung (Prof. Lenbach dürfe davon nichts wissen) einige Abzüge geschenkt« (zit. nach: Malerei nach Fotografie, Ausst.-Kat., München 1970, S. 84). Noch war die Verwendung der Fotografie als Hilfsmittel anrüchig und wurde doch zu dieser Zeit so exzessiv wie kaum jemals wieder eingesetzt (vgl. Franz von Stuck, »Tilla Durieux als Circe«, Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland in der Nationalgalerie).
Franz von Lenbach bot der Familie zwei nach seinen Studien gefertigte Gemäldefassungen zur Auswahl, eine Ansicht ›en face‹ und eine im Dreiviertelprofil nach rechts. Familie Mommsen entschied sich für die detailgenau ausgeführte Frontal-Ansicht (heute Stiftung Stadtmuseum Berlin), sie fand in der Berliner Gesellschaft großen Anklang: Mommsen ist als Denker dargestellt, durch kein Attribut erklärt, aber durch ein bedeutungsvolles Gesicht gleichsam geadelt, für diese Art von Würdigung wurde Lenbach hochgeschätzt. Ludwig Knaus hatte Mommsen 1881 für die Nationalgalerie als Träger des Ordens Pour le Mérite gemalt und sowohl dessen Profession als auch Ansehen und Rang mit Hilfe von Requisiten im Bild beschrieben (Nationalgalerie, Inv.-Nr. A I 315).
Tschudi erwarb für die Nationalgalerie 1898 eine der im Zusammenhang mit Lenbachs Porträtauftrag entstandenen Studien in Öl auf Pappe. Sie zeigt den Gelehrten leicht im Profil. »Er hat uns nicht Menschen überliefert, sondern seine Gedanken über berühmte oder schöne Menschen. Der ›echteste‹ Lenbach der Nationalgalerie ist darum das Bildnis Professor Mommsens. Diese Manier, nur den Kopf zu geben und alles Andere nur anzudeuten, frei zu scheinen ohne es zu sein, ein ›sprühendes‹ Leben zu malen: das ist ganz Lenbach. […] Ein gemaltes Feuilleton über die Bedeutung Mommsens« (K. Scheffler, Die Nationalgalerie, Berlin 1912, S. 205). | Angelika Wesenberg


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. links unten: FLenbach.1897.

AUSSTELLUNGEN
– Schätze der Weltkultur von der Sowjetunion gerettet, Berlin (Ost), Staatliche Museen zu Berlin, National-Galerie

LITERATUR
– Ausst.-Kat. Berlin 1958: Schätze der Weltkultur von der Sowjetunion gerettet, Ausst.-Kat. Pergamonmuseum, Berlin 1958; Nationalgalerie, Berlin 1958, Kat.-Nr. H 36
– Ausst.-Kat. München 1970: Malerei nach Fotografie. Von der camera obscura bis zur Pop Art. Eine Dokumentation, hrsg. v. Josef A. Schmoll, Ausst.-Kat. Münchner Stadtmuseum 8.9.-8.11.1970, Kat.-Nr. 517-567, S. 84
– Ausst.-Kat. München 1986: Franz von Lenbach 1836-1904, hrsg. von Rosel Gollek, Winfried Ranke, Ausst.-Kat. Lenbachhaus, München 14.12.1986-3.5.1987, S. 81 f., 349
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1900-1934, Kat.-Nr. 790
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S., Abb. 112
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 514 mit Abb.
– Scheffler 1912: Karl Scheffler, Die Nationalgalerie zu Berlin. Ein kritischer Führer, Berlin, Cassirer, 1912, S. 205
– Wesenberg 2001: Angelika Wesenberg und Eve Förschl (Hrsg.), Nationalgalerie Berlin. Das XIX. Jahrhundert. Katalog der ausgestellten Werke, Leipzig, Seemann, 2001, S. 231, Kat.-Nr. 262 mit Farbabb.


SMB-digital is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Germany License.
Permissions beyond the scope of this license may be available at www.bpk-bildagentur.de.