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Tannhäuser und Venus
  • Tannhäuser und Venus
  • Bild
  • Otto Knille (10.9.1832 - 8.4.1898), Maler
  • 1873
  • Öl auf Leinwand
  • 265 x 280 cm
  • Ident.Nr. A I 91
  • 1873 Ankauf vom Künstler
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: SMB
Description
Das Bild »Tannhäuser und Venus« gilt als Knilles Hauptwerk. Es führt einen Stoff vor Augen, der seit Ludwig Tiecks Novelle »Der getreue Eckart« (erschienen 1800) und vor allem seit Richard Wagners Interpretation (1845) allbekannt war. Dem Gemälde vorangegangen war eine ähnliche Komposition, als Fresko für das Schloß Marienburg bei Hildesheim ausgeführt (1865–1870), das die Schloßherrin Königin Marie von Hannover nach kurzem wieder abschlagen ließ. Wie die Auftraggeberin diese herbe Ablehnung begründete, ist nicht überliefert. Es mögen wohl die gleichen Gründe sein, die der zweiten Fassung in Berlin den sensationellen Erfolg brachten, basierend auf dem strahlenden Kolorit, dem Ausspielen vieler Arten von kostbarer Stofflichkeit (bis hin zum auffallenden Perlmutt) in einem lebhaften Licht, der leidenschaftlichen Dramatik des Vorganges, dem romantisch märchenhaften Zug und nicht zuletzt der sinnlichen Nähe des weiblichen Aktes, von dem Rosenberg meinte, »dass ein Körper wie der der Venus zuvor in Berlin nicht gemalt worden ist« (A. Rosenberg, Die Berliner Malerschule, Berlin 1879, S. 168).
Ikonographisch wird hier an die Versuchung des heiligen Antonius erinnert. Als ein Muster mag auch Rubens’ »Krönung des Tugendhelden« (Alte Pinakothek, München) dem Maler vorgeschwebt haben. Heute nicht auf Anhieb nachvollziehbar und doch begründet ist Adolf Rosenbergs Urteil: »Weit entfernt, wie Makart, durch das todte Farbenmaterial mit brutalem Ansturm auf die Sinne zu wirken, stellte er die Farben gleichsam in den Dienst einer Idee« (ebd., S. 167). Gemeint ist offenbar nicht nur die enge Bindung des Kolorits an die Linie und die dadurch erreichte plastische Bestimmtheit, sondern auch die Betonung des moralischen Konfliktes des Helden, welcher mit schwerblütigem Ernst ausgestattet wird (und eben dadurch in seinem Theaterkostüm deplaziert wirkt). | Claude Keisch


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
Bez. rechts unten: Otto Knille 1873

AUSSTELLUNGEN
– Berliner Akademie-Ausstellung, Berlin, Akademie der Künste, 1874
– Ausstellung von Werken der Maler Albert Dressler und Otto Knille, Berlin, Königliche Museen zu Berlin, National-Galerie, Nov. - Dez. 1898
– Kunst in Berlin. 1648-1987, Berlin, Staatliche Museen zu Berlin im Alten Museum, 10.6.-25.10.1987
– Der Kampf der Geschlechter. Der neue Mythos in der Kunst 1850-1930, München, Städtische Galerie im Lenbachhaus, 8.3.-7.5.1995

LITERATUR
– Atkinson 1880: J. Beavington Atkinson, The schools of modern art in Germany, London, Seeley, Jackson and Halliday, 1880
– Ausst.-Kat. Berlin 1874: 49. Kunstausstellung der Königlichen Akademie der Künste. Verzeichniß der Werke lebender Künstler, Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin, 1874, Kat.-Nr. 442
– Ausst.-Kat. Berlin 1898: Ausstellung von Werken der Maler Albert Dressler und Otto Knille, Ausst.-Kat. Königliche Museen zu Berlin, National-Galerie, November-Dezember 1898, Kat.-Nr. 98
– Ausst.-Kat. Berlin 1987: Kunst in Berlin 1648-1987, Ausst.-Kat. Altes Museum, Berlin 10.6.-25.10.1987, Kat.-Nr. H 5, Abb. S. 306
– Ausst.-Kat. Berlin 1992: Um Anselm Feuerbachs Gastmahl, , Kat.-Nr. 73
– Ausst.-Kat. München 1995: Der Kampf der Geschlechter. Der neue Mythos in der Kunst 1850-1930, hrsg. v. Helmut Friedel, Ausst.-Kat. Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München, 8.3.-7.5.1995, S. 84, Kat.-Nr. 20, Farbtaf. S. 85
– Boetticher 1891: Friedrich Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Leipzig, Schmidt & Günther, 1891, Bd. I, 2, S. 743, Kat.-Nr. 13
– Haack 1905: Friedrich Haack, Die Kunst des XIX. Jahrhunderts, Stuttgart, Neff, 1905, S. 209
– Jordan 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin, bearb. v. Max Jordan, Berlin, Mittler & Sohn, 1876, 2. Aufl., S. 152, Kat.-Nr. 170
– Nationalgalerie Kataloge 1876: Beschreibendes Verzeichniß der Kunstwerke in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Katalog der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Skulpturen in der Königlichen National-Galerie zu Berlin / Verzeichnis der Gemälde und Bildwerke in der National-Galerie zu Berlin, Berlin, 1876-1902, Kat.-Nr. 170
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 442 mit Abb.
– Rosenberg 1879: Adolf Rosenberg, Die Berliner Malerschule. 1819-1879. Studien und Kritiken, Berlin, Ernst Wasmuth, 1879, S. 166-168
– Rosenberg 1889: Adolf Rosenberg, Geschichte der modernen Kunst, Leipzig, Grunow, 1889, Bd. III, 1889, S. 148-150
– Rosenberg 1898: Adolf Rosenberg, Erinnerung an Otto Knille, in: Berliner Architekturwelt, 1 (1898), S. 265-277, S. 272 f
– Teeuwisse 1986: Nicolaas Teeuwisse, Vom Salon zur Secession, Berliner Kunstleben zwischen Tradition und Aufbruch zur Moderne 1871-1900, Berlin, Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, 1986, Abb. 11, S. 47
– Thieme/Becker 1907-1950: Ulrich Thieme und Felix Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Leipzig, Engelmann, 1907-1950, Bd. 20, 1927, S. 596
– WVZ Berg 2013: Lars Berg, Otto Knille (1832-1898). Ein Historienmaler zwischen Düsseldorfer Malerschule und Berliner Akademie. Mit einem Katalog seiner Werke [Dissertation], Düsseldorf 2013, S. 63-71, S. 168, G 16


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