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Mit Marionetten spielende Kinder
  • Mit Marionetten spielende Kinder
  • Bild
  • Gottfried Mind (25.9.1768 - 7.11.1814), Zugeschrieben, Maler
    Unbekannter Künstler, Maler
  • um 1810
  • Öl auf Papier, auf Leinwand kaschiert
  • 16,8 x 21,4 cm
  • Ident.Nr. A I 819
  • 1904 Vermächtnis der Pauline Henriette Auguste Casper, Berlin
  • Sammlung: Nationalgalerie | Alte Nationalgalerie
  • © Foto: Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Andres Kilger
Beschreibung
Provenienz
Um einen Wandermusikanten, der den Tanz einer männlichen und einer weiblichen Marionette ›à la Planchette‹ auf einer Drehleier begleitet, haben sich eine Reihe aufmerksamer Kinder eingefunden: ein Mädchen in Tracht, ein begeisterter Knabe, der sich kaum zurückhalten kann, die Puppen zu berühren, ein Handwerkslehrling in Schürze und ein Wanderer mit Stock und Säckel. Die Sonderform der ›Poupées à la Planchette‹ war in Europa bei umherziehenden Spielleuten seit dem 16. Jahrhundert verbreitet. Der Puppenspieler, gleichzeitig Musiker, versetzte die Marionetten durch ein mit seinem Knie verbundenes Seil, das durch das Brett am Boden in die Oberkörper der Figuren gefädelt war, im Takt der Musik in hüpfend-tänzerische Bewegung. Abhängig von der Straffung des Seils ließ sich zudem der Abstand beider Puppen verändern.
Gottfried Mind, ein Schweizer Zeichner, der lange Jahre bei dem Maler und Kupferstecher Sigmund Freudenberger in Bern als Kolorist gearbeitet hatte, schuf wohl um 1810 diese Szene mit Marionetten spielender Kinder. Die Witwe Freudenberger hatte nach dem Tod ihres Mannes im Jahre 1801 Mind zu selbständiger künstlerischer Arbeit motiviert und übernahm den Verkauf seiner zumeist aus der Erinnerung geschaffenen Blätter. »Ursprünglich waren es nur die Katzen-, Kaninchen- und Bärenbilder, vor allem die ersteren, welche – von Hand zu Hand wandernd – die Aufmerksamkeit der Liebhaber und Sammler erregten. Später nahm man ihm seine Kinder-, Jahrmarkt- und Bettelvolkszenen mit der gleichen Begehrlichkeit weg« (A. Koelsch, Gottfried Mind, Zürich 1924, S. 18). Viele dieser Bilder wurden später radiert und waren als solche über Bern hinaus verbreitet.
Die 1904 aus Privatbesitz in die Nationalgalerie gelangte Arbeit auf Papier dürfte eine Wiederholung jenes Aquarells sein, das im September 2015 bei dem Zürcher Auktionshaus Koller als Los 6885 versteigert wurde. Von Johann Siebert zu einer detailreicheren Szene in gebirgiger Landschaft mit einem größeren Kreis an Zuschauern abgewandelt, war Minds Motiv um 1830 auch in einer Lithographie von Joseph Brodtmann in der zehnteiligen Serie »Kinderspiele« erschienen (ein Exemplar im Victoria and Albert Museum, London). | Regina Freyberger


SIGNATUREN UND INSCHRIFTEN
nicht bezeichnet

LITERATUR
– Nationalgalerie 1986: Die Gemälde der Nationalgalerie. Verzeichnis. Deutsche Malerei vom Klassizismus bis zum Impressionismus. Ausländische Malerei von 1800 bis 1930, bearb. v. Claude Keisch, Berlin (Ost), Die Museen, 1986, o. S.
– Nationalgalerie 1996: Die Gemälde der Nationalgalerie, München, Saur, 1996 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 1999: Gesamtverzeichnis der Gemälde und Skulpturen; Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, München, Saur, 1999 (CD-ROM)
– Nationalgalerie 2017: Malkunst im 19. Jahrhundert. Die Sammlung der Nationalgalerie, hrsg. v. Angelika Wesenberg, Birgit Verwiebe und Regina Freyberger, Petersberg, Imhof, 2017, S. 620 mit Abb.
– Zentralarchiv SMPK, J.Nr. 1177/04


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