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L'Ystoire du Roi Alexandre (Alexander-Roman)
  • L'Ystoire du Roi Alexandre (Alexander-Roman)
  • Handschrift
  • um 1300-1325
  • Entstehungsort stilistisch: Flandern
  • Material: Wasserfarbe & Deckfarbe / Pergament / blaues Maroquin, Technik: Ganzlederfranzband / Handschrift auf Pergament
  • Höhe x Breite: 25,9 x 18,8 cm
  • Ident.Nr. 78 C 1
  • Sammlung: Kupferstichkabinett
  • © Foto: Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
Beschreibung
Objektverknüpfungen
Bereits zu seinen Lebzeiten (356–323 v.Chr.) verbreitete sich der Ruhm von Alexanders Heldentaten und Eroberungszügen, auf denen er bis nach Indien gelangte. Die nur bruchstückhaft überlieferten historiographischen Berichte wurden schon bald mit legendären und phantastischen Erzählungen angereichert. Von mehreren Fassungen in griechischer Sprache wird die romanhafte Kompilation eines unbekannten Schriftstellers aus Alexandria, des sog. Pseudo-Kallisthenes (3. Jh.) wichtig für die weite Verbreitung des Textes. Eine lateinische Übersetzung fertigte zwischen 951 und 968/69 der Archipresbyter Leo von Neapel, dessen literarisch nicht gerade bedeutendes Werk zur Quelle für die zahlreichen Alexanderromane des Mittelalters seit dem 12. Jahrhundert wurde. Unter den drei Hauptrezensionen des als »Historia de Preliis Alexandri Magni« (nach späteren Drucken) bekannten Werkes, liegt die Redaktion l2 der französischen Übersetzung unserer Handschrift zugrunde.
Ihre herausragende Bedeutung erhält sie jedoch durch die zahlreichen Miniaturen, die ein- und zweispaltig oder auch ganzseitig den Text illustrieren. Ausführliche Rubriken (rubrum = rot) kündigen an, was mit lebhafter Erzählfreude in phantasievollen Darstellungen geschildert wird, von den unerhörten, wundersamen und heldenhaften Abenteuern des Make-doniers angeregt. Dabei verbinden sich die eingeschobenen Bilder eng mit dem Text. Von den Taten Alexanders haben seine Tauchfahrt und der Greifenflug besondere Bewunderung hervorgerufen, beide sind ganzseitig dargestellt (fols. 66 und 67). Zur Erkundung des Meeresgrundes mit großem Wal, allerlei Getier und Menschen, wird er in einem gläsernen Gefäß von einem Boot an starken Eisenketten herabgelassen, während er den Aufstieg zum Himmel dadurch bewirkt, daß er sich in einer Art Sänfte von Greifen emportragen läßt, die er durch Fleischköder am Spieß lockt, von staunenden Zuschauern bewundert. Vor mattrot oder blau zurückhaltend gemusterten Gründen hebt sich die Zeichnung mit kräftigen Federstrichen ab. Sprechend ausdrucksvoll sind Gesichter und Hände wiedergegeben. Architektur, Wasser und Bäume bezeichnen das örtliche Ambiente ohne räumliche Wirkung. Dennoch vermag der Illuminator auch das Getümmel einer Schlacht oder Gedränge von Mensch und Tier (Fabelwesen) überzeugend darzustellen, teilweise nur in schattierend eingesetzten hellen Tönen koloriert. Wenngleich Elemente der Pariser Buchmalerei um 1300 aufgenommen sein mögen (vgl. Vie et miracles de Saint Denis, 1317, Paris, B. N. ms. fr. 2092) ist deren höfische Eleganz der Linie in härtere, robuste Formensprache übersetzt, die auf Entstehung in Nordfrankreich resp. Hennegau verweisen, wo (nach Hilka) die sprachliche Fassung entstand. Eine ikonographisch verwandte, stilistisch weniger sorgfältig gearbeitete Handschrift bewahrt die Bibl. Royale Albert Ier in Brüssel (ms. 11040).

Text: Frauke Steenbock in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 51, Kat. I.4 (mit weiterer Literatur)


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