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Kopf des heiligen Paulus Eremita
  • Kopf des heiligen Paulus Eremita
  • Zeichnung
  • Guido Reni (1575 - 1642), Zeichner
  • um 1620/21
  • Schwarze, rote, weiße und ockerfarbene Kreide
  • Höhe x Breite: 36,5 x 26,5 cm (ohne angestückelten oberen Rand)
  • Ident.Nr. KdZ 21572
  • Sammlung: Kupferstichkabinett
  • © Foto: Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Jörg P. Anders
Description
Guido Reni war schon während seiner Lehre bei Denys Calvaert von der neuartigen Auffassung und den Umgangsweisen an der Akademie der Carraccis begeistert [...]. 1594 trat er offiziell in deren Atelier ein. In bewußter Gegnerschaft zur stilisierten Malweise der Zeitgenossen suchte man hier eine größere Nähe zur Natur und einen einfacheren und weicheren Modus, »der imstande wäre, >viva carne<, >das lebendige Fleisch< wiederzugeben« (zit. nach Ebert-Schifferer, in: Kat. [Guido Reni. Ruhm und Nachruhm, Frankfurt/Bologna] 1988, S. 16). Ein schönes Beispiel für dieses Streben ist unsere ungewöhnlich groß und nahsichtig erfaßte Kopfstudie. Sie zählt zu den Vorarbeiten für das Gemälde »Madonna mit Kind und Heiligen« von Reni, das 1621 erstmals erwähnt und heute in Dresden aufbewahrt wird [...]. Das Hauptinteresse des Zeichners galt der Physiognomie des Alters. Während der Schulteransatz, das Haar und der Bart durch großzügige Wellenlinien nur anskizziert sind, die vom Stofflichen fast ganz abstrahieren, verdichten sich die Strichlagen - unterstützt von koloristischen Akzenten und aufgesetzten Lichtern - in der Gesichtspartie, wo sie die unteren Stirnfalten, Augen, Nase und Mund beschreiben. Die Technik, mit drei verschiedenfarbigen Kreiden zu zeichnen, war zwar nicht neu (Bassano, Zuccari, Barocci, Cesari u.a.; [...]), aber Guido Reni führte sie im 17. Jahrhundert zu kaum übertroffener Meisterschaft. Wie die ausgestellte Studie in hoher Qualität zeigt, gehen die Striche bzw. Strichverbände der Kreiden eine vitale Symbiose ein, wobei sie die jeweils eigene, lokale Funktion nicht verhehlen: Formen zu deskribieren, Haut und Wärme anzudeuten, Lichter und Schatten zu setzen.

Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 278-279, Kat. V.39 (mit weiterer Literatur)


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