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Interimspokal aus dem Lüneburger Ratssilber
  • Interimspokal aus dem Lüneburger Ratssilber
  • Deckelpokal
  • Jochim Worm (Nachweiszeit: Meister 1536 - 1558), zugeschrieben, Goldschmied
  • wohl 1552/1553
  • Herstellungsort: Lüneburg
  • Silber, getrieben, gegossen und vergoldet; Emaillierung
  • Höhe x Durchmesser: 60 x 22,5 cm (oben)
  • Ident.Nr. 1874,380
  • Sammlung: Kunstgewerbemuseum
  • © Foto: Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Karen Bartsch
Description
Fußzarge, Christusfigur und Drache, Deckelbekrönung und Wappenschild gegossen. Ränder und vollplastische Köpfe der Kuppa gesondert gearbeitet. Beschlagornament des Deckels und Fußunterseite unvergoldet. Marken auf dem Stützzylinder unter dem Fuß. – Kopf der Deckelfigur verloren.
Vierpassiges, horizontal gegliedertes und dicht reliefiertes Gefäß. Prall gewölbter Fuß mit getrepptem Rand, eingeschnürt von einer Zahnschnittzarge. Weinranken auf gepunztem Grund, oben mit Teufelsfigürchen, unten eingefaßt von Beschlagwerk. Als Schaft Gestalt des segnenden Christus auf krötenähnlichem Drachen mit geringeltem Schwanz und Köpfen von Papst, Teufel (als gefallener, geflügelter Engel) und Türke. Auf dem Haupt Dornenkrone und kapitellartiger Laubkranz, als Abschluß flacher Blattkranz. Kuppa stark eingeschnürt, aufgelegt ein Kranz mit gerolltem Akanthus und Rosetten, unten zwischen Fruchtdekor je zwei vollplastische Frauen- bzw. Kriegerköpfe in Kartuschen, oben vier ovale, sich herauswölbende und von Beschlagwerk mit Fruchtgirlanden und grotesken Masken gerahmte Darstellungen. Diese werden durch Inschriften auf dem vierpassigen, konischen Mündungsrand erläutert:
1. Christi Taufe im Jordan: HIC EST FILIVS MEVS DlLECTVS IN QUO MIHI BENE COMPLACITVM EST: MATE 3 (Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. Mt 3,17). 2. Die Verklärung Christi: HIC EST FILIVS MEVS DILECT(VS) IN QUO MIHI BENE COMPLACVI IPSVM AVDITE: MAT. 17 (Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören. Mt 17,5). 3. Predigt des Apostels Paulus: ETIA(M) Sl NOS AVT ANGEL(VS) E COELO PREDICAVERIT VOBIS EVANGELIVM PRETER ID QUOD P(RAE)DICAVIM(VS). GALA I (Auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel das Evangelium predigte, anders denn wir euch gepredigt haben, der sei verflucht. Gal 1,8). 4. Die Versuchung Christi durch den Teufel: ABI SATANA SCRIPTVM EST ENIM DOM(INVM) DEVM TVVM ADORABIS ET ILLVM SOLV(M) COLES. MAT 4 (Hebe dich hinweg von mir, Satan, denn es steht geschrieben: Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm dienen. Mt 4,10).
Entsprechend der Kuppa befinden sich vier gewölbte Reliefmedaillons auch auf dem Deckel. Darin kniend je zwei betende Figuren: Papst und Kardinal, Kaiser und König, Ritter und Fürst (?), Priester und Mönch, die sich auf die bekrönende Deckelfigur, die babylonische Hure auf dem siebenköpfigen Ungeheuer, beziehen. Sockelaufbau aus profiliertem Ring, grob bearbeitetem Wulst mit Laub- und Beschlagwerkdekor nebst vier Köpfen und garnrollenförmigem Gebilde. Auf der Rückseite der Figur nachträglich angebrachter reliefierter Wappenschild der Stifter Heinrich Witzendorff und Elisabeth Töbing. Im Deckelinneren emailliertes Wappen der Besteller Franz Witzendorff und Ursula Garlop sowie geritzte Jahreszahl (15)74. Den Anlaß erklärt eine auf dem Fußrand gravierte Inschrift: INTERIM ORTVM AVGVSTAE VINDELICORVM SVB CAROLO QUINTO IMPERATORE MAXIMO ANNO SALVTIS MDCXLVIII EX TINCTVM VERO AVSPICIIS MAVRITII ELE(C)TORIS ET CONFOEDERATORV(M) AN(N)O 1552 (Das Interim hat in Augsburg unter Kaiser Karl V. im Jahre des Heils 1548 begonnen, wurde aber durch den Kurfürsten Moritz und die Verbündeten ausgelöscht im Jahre 1552). Im Inneren der Kuppa eine Reihe übereinander angebrachter Knöpfe als Marken für die Trinker.


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