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Wand eines Uschebtikastens der Sched-s(t)-mut mit Darstellung der Hathorkuh vor ihrem Grab und Adorantin
  • Wand eines Uschebtikastens der Sched-s(t)-mut mit Darstellung der Hathorkuh vor ihrem Grab und Adorantin
  • Uschebtikasten (Grabausstattung / Uschebti)
  • 19.–20. Dynastie
  • Provenienz unbekannt (Ägypten)
  • Holz (Material); grundiert, bemalt
  • 25 x 40 x 1,3 cm
  • Ident.Nr. ÄM 629
  • Sammlung: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung | Ägyptisches Museum
  • © Foto: Ägyptisches Museum und Papyrussammlung der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Margarete Büsing
Description
Die polychrom bemalte Seitenwand eines Uschebtikastens besteht sehr wahrscheinlich aus Sykomorenholz und weist einen leicht trapezförmigen Umriss auf. Sie wurde 1823 von Johann Heinrich Carl Menu Freiherr von Minutoli (1772-1846) zusammen mit den Stücken ÄM 629-632, 780, 783 und 831-832 für seine Sammlung ägyptischer Altertümer angekauft. Das Objekt ist mit einem kräftigen Ockerton grundiert und zeigt eine Darstellung, wie sie aus zahlreichen thebanischen Gräbern bekannt ist. Eine pyramidenförmige Grabkapelle aus hellem weißem Kalkstein ist mit zwei Inschriftenkolumnen versehen, welche schwarze Hieroglyphen auf gelbem Grund wiedergeben. Die Erste befindet sich im oberen Bereich der Pyramidenspitze und benennt den "Osiris, Herrin des Oberägyptischen Hauses des Amun (Karnak)". Die weibliche Nominalform referiert auf den Titel der Verstorbenen, die bereits zu einem Osiris geworden ist. Direkt im Grabeingang, der in roter Farbe (Granit?) wiedergegeben ist, steht ihr Name: Sched-s(t)-mut. Unmittelbar darüber ist ein Tableau dargestellt, das den sitzenden Gott Osiris mit Atef-Krone vor einer knienden Frau in langem weißem Gewand zeigt. Vermutlich handelt es sich dabei um die Verstorbene selbst, deren Name in den drei Inschriftenkolumnen über ihr nicht mehr lesbar ist. Direkt neben der Grabkapelle befindet sich die typische Darstellung des thebanischen Westgebirges bestehend aus rotem Grund mit rot-schwarzen Punkt- und roten Linienunterteilungen. Aus dem Gebirge heraus tritt die Göttin Hathor in Gestalt einer Kuh mit Rückenauflage, einem umgehängten Menit sowie der Hathor-Krone, die aus einem Kuhgehörn mit Sonnenscheibe und zwei Straußenfedern besteht. Am vorderen Ende ist ein Uräus angebracht, der bis über die Stirn der Kuh ragt. Über der Göttin schwebt die buntgefiederte Sonnenscheibe Behedeti mit ausgebreiteten Flügeln. Darunter befindet sich eine Kolumne mit Beischriften, die noch zur Göttin Hathor gehören. Vor der Kuh und über der knienden Adorantin sind sieben weitere Kolumnen, die das Geben des süßen Nordwindes durch Hathor, die Herrin der westlichen Nekropole und die bereits zum Osiris verklärte Herrin des oberägyptischen Hauses des Amun-Re (Karnak), Sched-s(t)-mut, die Gerechtfertigte, beschreiben. Zwischen Hathor und der Verstorbenen stehen eine Libationsvase (hs), ein Lotoskelch mit Papyruspflanzen, ein Lattich (Lactuca sativa) sowie ein einfüßiger Opfertisch. Auf Letzterem liegen zwei runde Fladenbrote, die ein Handwaschgefäß (nms) rahmen. Den oberen Abschluss des Opferaufbaus bildet eine Lotosblüte (Nymphea caerulea). Die kniende Verstorbene trägt ein langes weißes Kleid mit darüber liegendem Mantel. Zwei lange blaue Stoffstreifen halten das Gewand vor der Brust zusammen. Um ihren Hals befindet sich ein breiter Wesech-Halskragen aus blauen Fayence-Perlen. Während die linke Hand im Gestus der Adoration erhoben ist, trägt sie in der Rechten ein Sistrum und eine blaue Pflanze, bei der es sich aufgrund der Form um eine Lilie handeln könnte. Sched-s(t)-mut trägt zwei gelb-blaue Armreifen um ihre Handgelenke sowie ein breites Blütendiadem auf der gewellten Langhaarperücke. Auf ihrem Kopf befindet sich zusätzlich ein Salbkegel mit zwei Lotosknospen, welche den Wohlgeruch illustrieren sollen. Bei der Darstellung auf der Seite eines Uschebtikastens kann es sich um die Vignette aus dem Totenbuchspruch 186 handeln, der hier zwar nicht explizit im Text wiedergegeben ist, jedoch durch die Abbildung allein illustriert wird. Diese Interpretation wird gestützt durch die gegenüberliegende Kastenwand (ÄM 630), auf der sich eindeutig die Vignette zu Totenbuchspruch 59 befindet.
(A. Weber)


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