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Große Grabstatuette einer sitzenden Frau mit Diadem und Schleier
  • Große Grabstatuette einer sitzenden Frau mit Diadem und Schleier
  • Statue, bekleidet, sitzend (Skulptur / Rundplastik / Rundplastik, weiblich)
  • 4. Jh.v.Chr.
  • Fundort: "first tomb" (Zypern / Marion / Nekropolen)
  • Ton
  • Objektmaß: 76 x 40 x 40 cm
  • Ident.Nr. TC 8160
  • Sammlung: Antikensammlung
  • © Foto: Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Johannes Laurentius
Beschreibung
Der Großteil der Berliner Zypernbestände ist mit dem Namen von Max Ohnefalsch-Richter verbunden, der Ende des 19. Jahrhunderts für verschiedene Museen, Institute und Privatpersonen eine Reihe von Ausgrabungen auf der Insel durchführte.
In der Umgebung des Dorfes Polis tis Chrysochous, dem antiken Stadtkönigreich Marion, an der Nordwestküste Zyperns legte Max Ohnefalsch-Richter 1885 ein Grab frei, in dessen Dromos (Zugangsweg) die thronende Frau zusammen mit zwei weiteren, ebenfalls in Stücke gebrochenen typenähnlichen großformatigen Terrakotten gefunden wurde.
Die Figur der Thronenden wurde in der Form hergestellt und ist im Inneren hohl. Sie ist mit einem reich gefalteten Chiton und einem Himation bekleidet und trägt über dem diademartigen Kopfschmuck einen Schleier. Die Hand ihres angewinkelten und mit spiralförmigen Armbändern geschmückten rechten Armes ruht im Schoß; die linke Hand hält das Himation, das über die linke Schulter fällt und den Arm bedeckt. Reste der ursprünglichen Bemalung – rote und gelbe Farbspuren – sind vor allem noch an dem erhaltenen linken Akroterion der Rückenlehne sichtbar. Die Vorderseite des Thrones wurde detailreich modelliert. Das Akroterion ist mit dem Relief einer Frauenfigur verziert, die ihren trauernd gesenkten Kopf mit der rechten Hand stützt. Diesem Trauergestus entspricht der melancholische Gesichtsausdruck der sitzenden Frau: der unmittelbare Einfluss griechischer Grabskulptur wird hier besonders deutlich sichtbar.
Solche großformatigen Grabstatuen aus Terrakotta, die im Dromos oder am Eingang zur Grabkammer platziert waren, sind bisher nur aus der Gegend des antiken Marion bekannt.
Neben den thronenden Frauen in frontaler Körperhaltung finden sich auch zum Bankett gelagerte oder ebenfalls sitzende Männer. Lokale Werkstätten produzierten diese für Kulthandlungen während der Bestattung verwendeten großformatigen Terrakotten, die möglicherweise Darstellungen eines Begräbnisbanketts sind.

Die Antikensammlung. Altes Museum, Neues Museum, Pergamonmuseum (2012) S. 291ff. Nr. 168 (S. Brehme).


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