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Gedenkkopf einer Königinmutter
  • Gedenkkopf einer Königinmutter
  • Plastik
  • Heinrich Bey, Sammler
  • 18. Jahrhundert
  • Nigeria (Land)
    Benin (Königreich)
  • Messing; Eisen; Guss
  • Objektmaß: 45 x 23 x 26 cm
    Gewicht: 11,5 kg
  • Ident.Nr. III C 8490
  • Sammlung: Ethnologisches Museum | Afrika
  • © Foto: Ethnologisches Museum der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Martin Franken
Description
Die Verehrung der Vorfahren spielte und spielt heute eine wichtige Rolle im Benin-Königreich. Söhne errichteten Altäre für ihre Vorfahren und statteten sie mit Ritualwerkzeugen aus, darunter Glocken, Rasselstöcke und Skulpturen von Köpfen der Verstorbenen. Für den Adel waren solche Geräte aus Holz gefertigt. Für die Herrscher Benins, die Obas, waren die Altäre besonders prachtvoll. Sie waren mit geschnitzten Stoßzähnen aus Elfenbein, Glocken, Rasselstöcken und anderen rituellen Geräten aus "Bronze", nicht aus Holz, ausgestattet.

Herausragend unter diesen Objekten waren wunderbar gegossene Köpfe zum Andenken an verstorbene Obas. Diese Schreine waren wichtig für die spirituellen und zeremoniellen Aufgaben des Ahnenkultes in Benin.
Ähnliche Schreine wurden auch für verstorbene Königinmütter angefertigt. In polygamen Gesellschaften kann es viele Ehefrauen eines männlichen Herrschers geben. Oft wird jedoch der Mutter des Herrschers eine besondere Bedeutung beigemessen. In Benin geht die Stellung der Königin-Mutter auf eine bestimmte Mutter eines Oba zurück: Idia, die Mutter von Oba Esigie (1. Hälfte des 16. Jahrhunderts). Als in den Jahren 1515/1516 Invasoren Benin angriffen, stellte sie eine Armee auf und besiegte sie und rettete so das Königreich ihres Sohnes. Ihr Sohn nannte sie "Königinmutter" (Iyoba) und verlieh ihr einen Rang unter den wichtigsten Häuptlingen des Königreichs.

Dieser Kopf stellt eine Königinmutter dar, wie man an ihrem kunstvollen, spitzen Kopfschmuck erkennen kann. Sein Stil lässt vermuten, dass er nicht zu den frühesten Exemplaren von Gedenkköpfen für Königinnenmütter gehört, sondern erst später gegossen wurde. Die frühesten Exemplare wurden dünn gegossen und verwenden weniger Metall als spätere Exemplare. Obwohl er fein und mit Feingefühl modelliert ist, sind die Gesichtszüge der Königinmutter, die er darstellt, stark stilisiert. Sie stammt wahrscheinlich aus dem achtzehnten Jahrhundert und wäre Teil der Arbeiten für den Altar einer späteren Königinmutter gewesen.

Der Kopf wäre nicht nach Berlin gekommen, wenn nicht 1897 britische Truppen in das Königreich Benin eingedrungen wären. Die Briten plünderten den Königspalast, der brannte, und sammelten die Gegenstände darin ein, bevor sie sie als Beute neu verteilten. Durch die Aktionen der britischen Soldaten und Offiziere wurden die Gegenstände aus ihrem Kontext gerissen, so dass es unmöglich ist, zu sagen, welche Gegenstände welche Schreine schmückten und bei welchen Ritualen verwendet wurden.

Viele der Objekte wurden von den britischen Streitkräften in das Vereinigte Königreich gebracht, wo sie entweder sofort versteigert wurden, um die Kosten der Invasion auszugleichen, oder auf den Markt für Kunst und ethnographische Werke gelangten. Die Hauptabnehmer waren in beiden Fällen oft deutsche Museen, wie etwa das Königliche Museum für Völkerkunde in Berlin.
Dieser Kopf kam jedoch nicht über Großbritannien nach Berlin. Er scheint nach der Umverteilung der Beute aus dem Palast in Afrika geblieben zu sein und wurde unter unklaren Umständen von einer deutschen Handelsfirma Bey und Co. erworben. Bis 1899 erwarben Bey und Co. Hunderte von Werken aus Benin, zumeist Reliefplatten und Gedenkköpfe, und verkauften sie massenweise an das Berliner Museum, das die als am interessantesten erachteten Objekte behielt und andere an andere Museen, Händler und private Sammler verkaufte, um die Kosten seiner Erwerbungen zu decken und das Interesse an den sogenannten "Antiquitäten" aus Benin zu verbreiten. (JF 07.07.2020)


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