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gombo
  • gombo
  • Tasche
  • Hans Glauning (29.1.1868 - 5.3.1908), Sammler
    Mkwavinyika Munyigumba Mwamuyinga (Mkwawa) (1855 - 1898), Vorbesitzer (historische Angabe)
  • Tanzania (Tansania) (Land/Region)
    historische Angabe (Hauptkatalog): Uhehe (Region)
    Hehe (Ethnie)
  • Baumwolle
  • Höhe x Breite x Tiefe: 130 x 53 x 1 cm
    Gewicht: 0,3 kg
  • Ident.Nr. III E 4973 b
  • Sammlung: Ethnologisches Museum | Afrika
  • © Foto: Ethnologisches Museum der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Martin Franken
Description
Multimedia
Historischer Hauptkatalog: "Saiteninstrument "gombo" = 4964. Resonanz-Kasten [?] ebenfalls unflickbar, deshalb vernichte. Wurde aufbewahrt in einem großen Sack aus Baumwollstoff von dieser Form [Zeichnung im HK]. a 107 cm lg. d. Griff läuft oben in e. stilisierten Gesicht aus. Uhehe"

a)6saitig (fehlen), einem angeschnitzten Griff mit stilisiertem Kopf und einem Baumwollsack (b) in dem die Resonanzkalebasse aufbewahrt wurde. Aber da sie lt. unterlagen zerstört war, wurde sie vernichtet.

Vorbesitzer
Mkwavinyika Munyigumba Mwamuyinga (Mkwawa), 'chief' der Hehe (1879 bis 1898)

Biografische Fragmente zu Mkwawa
Mwavinyika Munyigumba Mwamu, auch genannt Mkwawa, war von 1879 an Herrscher des Hehe-Reiches. Sein Vater Munyigumba gilt als dessen Begründer und hinterließ seinem Sohn ein zentralisiertes Staatswesen mit einem hohen Grad an militärischer Organisation, in welchem die politische und soziale Kontrolle in den Händen des Staates lag. Die Expansion des Hehe-Reiches war seit den 1860er Jahren neben friedlichen Phasen vor allem auch durch Kriege geprägt. Die Hehe setzten sich aus den von Ihnen eroberten und annektierten Bevölkerungen zusammen. Diejenigen, die sich dem tributären System des Staates widersetzen, wurden bekämpft, die Kooperationswilligen über Verwandtschaftsbeziehungen in die Hehe-Gesellschaft integriert, deren Territorium gut ein Fünftel des Gebiets des späteren Deutsch-Ostafrika ausmachte. Um seine Herrschafts- und Machtstrukturen zu schützen unterstützte Mkwawa vermutlich den Aufstand der Jahre 1888 bis 1890 von Teilen der Bevölkerung sowie den wirtschaftlichen und administrativen Eliten in der nördlichen Küstenregion des heutigen Tansania gegen den Herrschaftsanspruch der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft. Die Deutschen versuchten anschließend ihre Herrschaft nun auch im Landesinnern durchzusetzen und die Krawanenrouten zu kontrollieren. Im Jahre 1891 besiegte Mkwawa bei Rugaro (heute Luagalo, in der Nähe von Iringa) deutsche Truppen unter Führung von Emil von Zelewski. Für die sogenannte Kaiserliche Schutztruppe war es eine der verlustreichsten Niederlagen in ihrer Geschichte. Nach dieser - aus deutscher Perspektive - schmachvollen Niederlage, welche die Unbesiegbarkeit der Deutschen in Frage stellte sowie deren kolonialideologisch verankerten Überlegenheitsgefühle dekonstruierte, wurde Mkwawa für die deutschen Kolonisierenden zum prägenden Feindbild. Mkwawa und seine Anhänger sollten vernichtet werden. Mkwawa versuchte in den folgenden Jahren wiederholt mit der deutschen Administration zu verhandeln - ohne Erfolg. Es begann eine jahrelange kriegerische Auseinandersetzung. Im Jahr 1894 eroberten die Deutschen mit ihren kolonialen Truppen die Hauptstadt des Hehe-Reiches, Kalenga, und zerstören diese fast vollständig. Sie erbeuteten u.a. große Mengen von Elfenbein und auch bei den Kämpfen von Rugaro durch die Hehe von den Deutschen erbeutete Objekte. Mkwawa konnte mit seinen Truppen fliehen. Die Macht Mkwawas schrumpfte, nicht zuletzt weil die Deutschen die Karawanenrouten zunehmend kontrollierten. Die Ökonomie des Hehe-Reiches und seine Macht basierte nämlich auf dem Zugang zum Karawanenhandel - er konnte immer weniger an seine Untergebenen verteilen. Es kam auch zunehmend zu Rivalitäten innerhalb der Führungsschicht der Hehe (z.B. mit seinem Bruder Mpangile) und immer mehr Hehe kooperierten mit den Deutschen und kämpften auf ihrer Seite. So glich die Zeit nach 1896 immer mehr einem Bürgerkrieg, in welchen Mkwawa brutal gegen die die nicht mehr loyalen Bevölkerungen vorging. Die Deutschen hingegen betrieben eine Politik der verbrannten Erde gegen die Hehe, die Mkwawa vermeintlich unterstützten. 1896 wurde Mkwawas Bruder Mpangile von den Deutschen als 'chief ' der Hehe eingesetzt, jedoch bereits 1897 hingerichtet, da ihm die anhaltenden Unterstützung Mkwawas vorgeworfen wurde. 1896 und 1897 führten die Deutschen zwei Kriegszüge zur Erfassung Mkwawas, der einen Guerilla-Krieg führte und den Deutschen und ihren Verbündeten immer wieder entkommen konnte. Im Jahre 1898 wurde er mit den nur noch wenigen verbliebenen Anhängern von einer kleinen deutschen Patrouille verfolgt und eingekreist. Er beging am 19. Juli 1898 mit seinem Gewehr nahe der Höhle bei Mlambalasi Selbstmord, wo er vermutlich die letzten Monate seines Lebens verbracht hatte.

Aneignungskontext
Der Stationschef von Mpapua Hans Glauning, Lieutnant der sogenannten Kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika, erhielt am 25. September 1896 ein Schreiben des Hauptmanns Tom von Prince aus Iringa mit dem Ersuchen um Truppen zur "endgültigen Niederwerfung" Mkwawas. Glauning wurde mit der Verfolgung Mkwawas betraut, die in etwa fünfzig Tage dauerte, jedoch nicht erfolgreich war - Mkwawa entkam, jedoch gelangte ein Musikintsrument (eine Schalenzither), in Glaunings Besitz, dass Mkwawa persönlich gehört haben soll. Wahrscheinlich Anfang November 1896 erreichte Glauning das Mlogolo Gebirge (heute Region Iringa in Tansania), wo sie durch gefangene Hehe die Karawane des Mkwawa ausfindig machen konnten:

"Schleunigst sandte ich zu beiden Seiten des Weges Patrouillen vor. Wir waren aber schon bemerkt worden. Die Wahehekrieger an der Queue warfen sich uns entgegen, während die vorgesandten Patrouillen rechts und links der Karawane in den Kampf eingriffen. Nach kurzen Widerständen . Nach kurzem Widerstand entflohen die Wahehe unter Zurücklassung mehrerer Toten, ihrer Lasten und sogar Speere und Schilde, die sie auf der Flucht durch das Dickicht hinderten. Eine engerische Verfolgung des leichtfüssigen Gegners war für die mit ihrem Gepäck belasteten Askaris in dem schwierigen Gelände unmöglich. Unter den Gefangenen befanden sich zwei jugendliche Söhne des Kwawas. Dieser war bei den ersten Schüssen geflohen. Seine Lasten Lebensmittel, Stoffe, Pulver, Gebrauchsgegenstände, viele Speere und Schilde fielen uns in die Hände." (Glauning, Hans (1898): Uhehe (Verhandlungen der Abteilung Berlin-Charlottenburg der Deutschen Kolonialgesellschaft). Berlin: Reimer Verlag, S. 49)

"Dass die Wahehe sich auch mit Musik beschäftigen, beweisen die vorgefundenen Gomas (Trommeln) und Saiteninstrumente. Kwawa führte sogar auf der Flucht ein in einer Tuchumhüllung befindliches Saiteninstrument mit sich. (Glauning 1898, S. 63)"

In einem Schreiben Glaunings an Felix von Luschan, den Direktiorialassistenten des Museums für Völkerkunde in Berlin, vom 20. Juni 1897 betont er noch einmal, dass es sich um ein Musikinstsrument Mkwawas handelt.
„Das große Kürbismusikinstrument habe ich von Quawa selbst, auf den ich bei der Verfolgung stieß, erbeutet, und zwar so, wie es jetzt ist, ohne Saiten und in einem Futteral aus Americano befindlich. Ich habe absichtlich nichts daran geändert. 2 Kinder Quawas, die ich bei dieser Gelegenheit fing, versicherten ausdrücklich, daß es das Musikinstrument ihres Vaters sei.“ (SMP-PK, EM, I/MV 956)

"Musikinstrument (gombo), persönliches Eigenthum Quawas im Futteral, von Quawa selbst erbeutet." (Objektliste Glauning, SMB-PK, EM, I/MV 717, 675/1897, Bl. 225)

Quellen
Baer, Martin and Schröter, Olaf (2001): Eine Kopfjagd. Deutsche in Ostafrika. Berlin: Ch. Links.
Glauning, Hans (1898): Uhehe (Verhandlungen der Abteilung Berlin-Charlottenburg der Deutschen Kolonialgesellschaft). Berlin: Reimer Verlag.
Iliffe, John (1979): A Modern History of Tanganyika. Cambridge: Cambridge University Press.
Ivanov, Paola und Kristin Weber-Sinn (2018): Sammelwut und Gewalt: Objekte aus kolonialen Kriegen im Depot des Ethnologischen Museums, Berlin. In: Lili Reyels, Ivanov, Weber-Sinn (Hg.): Objekte aus den Kolonialkriegen im Ethnologischen Museum, Berlin. Ein tansanisch-deutscher Dialog. Berlin: Reimer, S. 66-149.
Nigmann, E. (1908): Die Wahehe. Ihre Geschichte, Kult-, Rechts-, Kriegs- und Jagd-Gebräuche. Berlin: Ernst Siegfried Mittler und Sohn.
Pizzo, David (2010): „To devour the land of Mkwawa“: Colonial Violence and the German-Hehe War in East Africa c. 1884–1914. Dissertation am Department of History, University of North Carolina.
Redmayne, Alison (1964). The Wahehe People of Tanzania. Oxford: Dissertation.
Redmayne (1968) “Mkwawa and the Hehe Wars.” Journal of African History, IX (3), S. 409-36.
Weber, Kristin (2005): Objekte als Spiegel kolonialer Beziehungen – Das Sammeln von Ethnographica zur Zeit der deutschen kolonialen Expansion in Ostafrika (1884–1914). Magisterarbeit am Seminar für Afrikawissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.

SMB-PK, EM, I/MV 717, E 675/1897
SMP-PK, EM, I/MV 956


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