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  • Armringe
  • Hans Glauning (29.1.1868 - 5.3.1908), Sammler
    Mwanamhomi, Vorbesitzer (historische Angabe)
  • Tanzania (Tansania) (Land/Region)
    Mahenge (Ort)
    Mafiti (Ethnie)
    historische Bezeichnung: Deutsch-Ostafrika (Land)
  • Eisen; Messing
  • Objektmaß: D: Zwischen 5,5 und 6,5 cm
  • Ident.Nr. III E 4119
  • Sammlung: Ethnologisches Museum | Afrika
  • © Foto: Ethnologisches Museum der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
Description
Historischer Hauptkatalog: "Vier Armbänder (ndoti), 2 aus Messingdrahtspirale, 2 aus Eisendraht. Mahenge-Mafiti"

Vorbesitzer
Mwanamhomi, 'sub-chief' der Bena (1897 bis 1906/1907), Kilombero-Tal, heute südwestliches Tansania

Biografische Fragmente
Mwanamhomi war einer war einer von zwanzig Söhnen des ‚mtema‘ Mtengera, der bis 1884 ‚chief‘ der Bena im Kilombero Tal war, in welchem diese seit Kämpfen mit den Hehe in den 1870er Jahren lebten. Nach dem Tod Mtengeras wurde Kiwanga im Jahre 1884 sein Nachfolger und blieb ‚mtema‘ bis zu seinem Tod im Maji-Maji-Krieg im Jahre 1905. Sein jüngerer Bruder Sagamaganga akzeptierte die Einsetzung Kiwangas nicht und verbündete sich mit dem Ngoni ‚chief‘ Chabruma. Die kriegerischen Auseinandersetzungen endeten mit dem Eindringen der Deutschen in die Region zu Beginn der 1890er. Sagamaganga war zwar offiziell Kiwanga unterstellt, regierte die südlichen Regionen des Bena Gebiets (die Deutschen nannten es „Ubena“) faktisch eigenständig. Mwanamhomi war wohl eher mit Sagamaganga verbunden als mit Kiwanga. So trat er Sagamagangas Nachfolge nach dessen Selbsttötung im Jahre 1897 an. Die Ältesten der Bena erklärten zwar, Kiwanga habe Mwanamhomi ernannt, jedoch sollte dies womöglich die eigentliche Unabhängigkeit Sagamagangas kaschieren. Mwanamhomi kollaborierte während des Maji-Maji-Krieges mit den Deutschen, was wiederum auf den immer noch großen Einfluss Kiwangas verweist, der schon seit den 1890 ein enger Verbündeter der deutschen Kolonisierenden war und die Deutschen in ihren Kriegen gegen Mkwawa und die Hehe in den 1890er Jahren unterstützt hatte. Mwanamhomi regierte vermutlich bis 1906 bzw. 1907.

Aneigungskontext
Hans Glauning, der seit 1895 als Kompagnieführer (8. Kompagnie) der sogenannten Kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika in Kilwa stationiert war, unternahm im Mai 1895 eine „Expedition“ nach Barikiwa, einem deutschen Militärposten zur Sicherung des Kautschukhandels im Südosten des heutigen Tansania. Sie umfasste neben zwei weiteren deutschen Militärangehörigen zwölf afrikanische Soldaten (sogenannte ‚askari‘), 55 Träger, die sie begleitende Frauen und sogenannte ‚boys‘. Zu seinen Aufgaben gehörte u.a. die Ablösung des Vorstehers des Postens und erkrankter ‚askari‘ sowie Routenaufnahmen, vor allem aber ging es darum Mhomakiro, den Bruder des einflussreichen ‚chief‘ der Ngoni namens Chabruma, nach Kilwa zu Friedensverhandlungen zu beordern. Von Barikiwa aus unternahm Glauning kleinere Reisen in die Umgebung, auf denen er sich auch sogenannte ethnografische Objekte aneignete. Er stand mit Felix von Luschan, Direktorialassistent am Königlichen Museum für Völkerkunde in Berlin, in Kontakt und informierte ihn auch über diese militarisierte Expedition als willkommene Gelegenheit zum „Sammeln“. Als willkommene Gelegenheit wertete Glauning auch verharmlosend als „Strafexpeditionen“ bezeichnete Kriegszüge. Zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kam es laut Quellen auf dieser Unternehmung nicht.

Über den Erwerbskontext der „Armringe“ (zusammen mit drei anderen Objekten III E 4117, III E 4118, III E 4120) ist in Glaunings Objektliste in den Erwerbungsakten lediglich zu lesen:
„Von dem Bruder des Mhenge Sakkamanga [Sagamaganga] Manamahome [Mwanamhomi], der von einem Elfenbeintransport von der Küste zurückkehrte, erworben.“ (SMB-PK, EM, I/MV 071, E 1239/1895)

Quellen
Culwick, A.T. u. Culwick, G.M. (1935): Ubena of the Rivers. London: George Allen & Unwin Ltd.
Gulliver, P.H. (1974), „Political Evolution in the Songea Ngoni Chiefdoms, 1850-1905”, in: Bulletin of the School of Oriental and African Studies 37 (1), S. 93-94.
Iliffe, John (1979): A modern History of Tanganyika. Cambridge: Cambridge University Press.
Prince, Magdalena von (1908): Eine Frau im Innern Deutsch-Ostafrikas. Berlin: Ernst Friedrich Mittler und Sohn.
Monson, Jamie (2000): „Memory, Migration, and the Authority of History in Southern Tanzania, 1860-1960”, in: Journal of African History 41, S. 347-372.

Bundesarchiv R 1001/287

SMB-PK, EM, I/MV 071, E 1239/1895
SMB-PK, EM, I/MV 956


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