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Mütze
  • Mütze
  • Kleidungszubehör
  • Georg Schweinfurth (29.12.1836 - 19.9.1925), Ausgräber
  • verbale Datierung: 11.-13. Jahrhundert
  • Ägypten (Land/Region)
    Fundort: Arsinoe (Krokodilopolis)
  • Material: Wolle, Seide, Leinen und Baumwolle, Technik: Nadelbindung
  • Länge x Breite: 62 x 23,5 cm
  • Ident.Nr. 9318
  • 1923 von der Ägyptischen Abteilung überwiesen; aus den Grabungen von Georg Schweinfurth in Arsinoe/Krokodilopolis; 1897 im ÄM inventarisiert
  • Sammlung: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst | Museum für Byzantinische Kunst
  • © Foto: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
Description
Multimedia
Die Mütze gehört zu einem Konvolut von Textilien, das der Archäobotaniker und Afrikaforscher Georg Schweinfurth (1836-1925) im Jahr 1886 von seiner Forschungsreise in die Oase Faijum mitbrachte. Es handelt sich um ein sehr ungewöhnliches Exemplar, bestehend aus drei separat gefertigten und aneinandergenähten Teilen: einem Kopfteil, einer Quaste und längeren Troddeln. Der Umfang des Kopfteils mit 47,5 cm ist für einen Erwachsenenkopf geeignet. Nach einer Höhe von 18,5 cm verschmälert sich der Kopfteil, der verjüngte Teil muss beim Tragen umgebrochen sein und mit der Quaste und Troddel am Hinterkopf herabgehangen haben.
Das Kopfteil ist aus braunroter Mohairwolle in der Technik der Nadelbindung hergestellt. Durch die umlaufend gearbeiteten Maschen erübrigt sich eine Naht. Die Struktur ist leicht durchbrochen. Lose Fadenenden der Nadelbindungstechnik und abstehende Fasern geben der Oberfläche eine flauschige Struktur. An der Unterkante des Kopfteils ist mit hellem Nähmaterial eine gelbe oder rote Schnur befestigt. Diese ist nur noch an der hier in der Abbildung verdeckten hinteren Partie der Mütze erhalten.
Die Quaste besteht aus einem dickeren Band aus Seide, in Nadelbindung oder Stricken rundgearbeitet. Sie wird durch eine Einlage aus dreifach gelegtem, ungefärbtem Leinen- und Baumwollmischgewebe verstärkt. Vorder- und Rückseite der Quaste sind identisch gemustert, die Lesung der Motive richtet sich dabei auf den herabgefallenen Zopfteil, die Motive stehen also in der Abbildung auf dem Kopf. In einem mittleren, rechteckigen Feld steht in naturgelber Farbe auf schwarzblauem Grund eine menschliche Figur mit beidseitig erhobenen Armen oder Zweigen; ober- und unterhalb dieser Darstellung sind je vier gleiche Pflanzen in zwei Reihen in schwarzblau auf naturgelbem Grund wiedergegeben. An beiden Seiten der Quaste sind je zwei kleinere Troddel aus naturgelber und olivfarbener Seide angebracht.
An die Quaste schließt ein längerer, kleinteilig und aufwendig gearbeiteter Troddel an. Dieser besteht in der unteren Hälfte aus 18 Strängen, die ohne Farbrapport mit naturgelber und olivfarbener Seide umwickelt sind. Benachbarte Stränge überkreuzen sich zwei Mal, wodurch der Troddel an dieser Stelle eine dreidimensionale Form angenommen haben wird. In der oberen Hälfte sind die achtzehn Stränge zu neun Strängen gebündelt. Jeder der neun Stränge ist nacheinander mit drei Troddeln ummantelt, sodass drei Reihen untereinander hängender Troddel entstehen. Während die untere und mittlere Reihe der Troddeln aus gefachter, naturgelber Seide besteht, sind die Troddeln der oberen, also letzten Reihe durch größere Länge, gesponnene Seidenfäden und abwechselnd schwarze und naturgelbe Farbe hervorgehoben. Die Leinenfäden um den Ansatz der Stränge und der Troddeln wie auch die leinwandbindig verknoteten Leinenfäden waren wahrscheinlich mit einem Metallgespinst umgeben.
Die Mütze datiert in fatimidisch-ayyubidische Zeit, wie die Resultate einer Radiocarbondatierung bestätigen, die sie dem Zeitraum von
1036-1215 n. Chr. zuweisen. Über mögliche Träger und Trageweise sind derzeit keine Aussagen möglich.
Eine eng verwandte Mütze befindet sich in Leipzig, Museum des Kunsthandwerks, Inv.-Nr. 1136.99 (unveröffentlicht), erworben 1899 mit der Sammlung Reinhardt, angeblich Grabfund aus Trunka bei Assiut in Oberägypten. Wahrscheinlich stammt diese Mütze mit der vorliegenden Katalognummer aus derselben Werkstatt, denn Kopfteil und Troddel entsprechen sich in Material, Technik und Form und weisen nur geringfügige Variationen auf. Die Quaste, die Kopfteil und Troddel verband, ist bei der Leipziger Mütze verloren.

(Petra Linscheid, 2018)


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