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Miniaturkopf eines bärtigen alten Mannes
  • Miniaturkopf eines bärtigen alten Mannes
  • Kopf (Skulptur / Rundplastik / Rundplastik, männlich)
  • Späthellenistisch
  • Marmor, weiß, feinkristallin
  • Objektmaß: 15,5 x 9,3 x 11 cm
  • Ident.Nr. 2014.51
  • Sammlung: Antikensammlung
  • © Foto: Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Johannes Laurentius
Description
Der unterlebensgroße Kopf eines bärtigen alten Mannes ist vorgestreckt und zur linken Seite geneigt. Mit dem breiten, kräftigen Hals und dem dichten, voluminösen Haupt- und Barthaar kontrastiert das ausgemergelt wirkende, schmale Gesicht, das zu den Seiten abrupt umbricht. Das volle, ungeordnete Haar fällt, von einem Wirbel am Oberkopf ausgehend, in mehreren Reihen sichelförmiger Locken auf die Ohren und bis in den Nacken (aufgrund des Erhaltungszustands nur an der linken Kopfhälfte gut erkennbar), während es über der Stirn zu einer kleinen Anastolé aufgeworfen ist. Der Haaransatz weicht an den Schläfen weit zurück. Die kraftvoll kontrahierte Stirn wird von einer tiefen, stark geschwungenen Horizontalfalte durchschnitten und tritt über der Nasenwurzel deutlich hervor. Stark bewegt sind auch die wulstigen Brauenbögen, die mittig nach oben gezogen sind und die tiefliegenden kleinen Augen überschatten. Dicke, schwere Lider und markante Krähenfüße sind ebenso Kennzeichen eines hohen Alters wie die eingefallenen Wangen unter den markant hervortretenden Jochbeinen. Der Mund ist geschlossen und wird von einem an den Mundwinkeln nach unten umbiegenden Oberlippenbart gerahmt. Der kräftige Vollbart bedeckt die ganze untere Gesichtshälfte; das ungeordnete Barthaar kräuselt sich in spiralförmigen Locken.
Das kleine, vermutlich von einer Statuette stammende Bildnis verbindet auf subtile Weise die Kennzeichen körperlichen Verfalls mit dem Ausdruck ungebrochener Willenskraft und geistiger Regsamkeit. Die – in der Vorderansicht – länglich-schmale, an den Schläfen leicht eingezogene Form des Kopfes erinnert an Bildnisse des Epikur oder Metrodor. Auch die rautenförmige Augenpartie mit den stark bewegten, wulstigen Orbitalen und den dicken rahmenden Lidern findet sich in ähnlicher Weise beim Porträt Epikurs, aber auch an den Bildnissen anderer griechischer Dichter und Denker aus hellenistischer Zeit wie etwa dem des Homer. Einem bestimmten Porträttypus lässt sich der Kopf indes nicht zuordnen. Die vorgestreckte Haltung könnte ein Indiz dafür sein, dass der Porträtierte sitzend dargestellt war.
Das Köpfchen weist Züge auf, die eine Entstehung des Porträttyps in späthellenistischer Zeit wahrscheinlich machen. Das kleinteilige Inkarnat und die bewegte Gestaltung der Augenpartie finden sich ganz ähnlich beim blinden Homer in Boston (Museum of Fine Arts, Inv. 04.13: Mandel 2007, Abb. 133 c. d; Andreae 2001, Taf. 126), der um 150 v. Chr. datiert wird. Vergleichbar ist auch der sog. Postumius Albinus im Pariser Louvre (Département des Antiquités grecques, étrus-​ques et romaines, MA 919/Inv. MNC 1004: Megow 1999, 116–122 Nr. 1 Taf. 26, 2; 27, 1; 28, 3; Vorster 2007, Abb. 261 b) aus dem ersten Drittel des 1. Jhs. v. Chr., der tiefliegende kleine Augen mit wulstigen Lidern unter stark bewegten Brauenbögen aufweist.

R. Grüßinger, Miniaturkopf eines bärtigen alten Mannes (2014.51), in: Bestands-Kat. 1, 44 f. Kat. 31


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