SMB-digital

Online-Datenbank der Sammlungen

Grabrelief mit Oranten und Boot
  • Grabrelief mit Oranten und Boot
  • Grabrelief
  • 4.-6. Jahrhundert
  • Ägypten, Faijum (Land/Region)
  • Material: Kalkstein
  • 40 x 59 cm
  • Ident.Nr. 9625
  • am 7.4.31 durch Carl Schmidt beim Händler Zaki erworben
  • Sammlung: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst | Museum für Byzantinische Kunst
  • © Foto: Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
  • Fotograf/in: Ingrid Geske
Beschreibung
Das Relief im Querformat zeigt eine seltene Darstellung von drei Oranten und einem Segelboot. Die obere Kante ist beschädigt und es bleibt offen, ob es sich zu den Seiten weiter fortsetzte. Vermutlich fehlen aber nur wenige Zentimeter bis zum originalen Rand, denn die Bildkomposition auf der Vorderseite ist in sich abgeschlossen. Drei Gestalten sind in starrer Frontalansicht wiedergegeben. Sie sind mit schlichten bis zu den Knöcheln reichenden ärmellosen Tuniken bekleidet. Die rechte Figur steht in einem verankerten Schiff zwischen Mast und hochgezogenem Bug. Einen Arm hält sie betend erhoben, der andere ist horizontal hinter den Mast geführt. Durch eine Beischrift rechts vom Mast ist sie als Anouti identifiziert. Die Mitte des Reliefs nimmt ein bärtiger Mann mit gescheitelter Frisur und betend erhobenen Armen ein. Sein Name ‚Klam‘ – vermutlich eine Abkürzung oder ein Kosename – ist über dem Kopf eingeritzt. Links neben ihm steht erhöht auf einer Art Podest eine weitere Gestalt mit betend erhobenen Armen. Die rechts neben ihrem Kopf gravierte Inschrift bezeichnet sie als Atouli. Vermutlich aus Platzgründen verschwindet Atoulis linker Arm hinter dem des Klam. Seine linke Hand kommt links neben dessen Kopf wieder zum Vorschein. Die Namen sind vom faijumischen Dialekt der koptischen Sprache beeinflusst, für den unter anderem Endungen auf einen i-Laut sowie der Austausch des griechischen Buchstabens Ρ (rho) durch Λ (lambda) signifikant sind. Auch wenn sich keine direkten ikonografischen Parallelen für dieses Relief anführen lassen, ist eine Herkunft des Reliefs aus einem der Orte im Faijum auch aufgrund des Orantenmotivs sehr wahrscheinlich. Das Schiff hat im antiken Totenkult eine besondere Bedeutung. Nach der altägyptischen Religion fuhr die Seele der Verstorbenen auf einer Barke über die Flüsse der Unterwelt. Auf christlichen Grabstelen ist es als Sinnbild für die Reise des Verstorbenen zum Hafen der Ewigkeit zu verstehen. Der Mast symbolisiert das Kreuz Christi und verkörpert somit den christlichen Auferstehungsgedanken. Das Bildmotiv auf der Grabplatte steht in seiner Komposition und in der Wiedergabe der Figuren den römischen Grabreliefs des 2.-3. Jahrhunderts aus Terenuthis (Kom Abu Billu) am westlichen Rand des Nildeltas näher als den christlichen Orantenstelen aus dem Faijum (siehe Inv. 9624). Symbole wie Kreuzzeichen oder Inschriften, die die Darstellung als christlich ausweisen würden, sind nicht vorhanden. Der Bildinhalt des Reliefs ist neutral und sagt nichts über die Religionszugehörigkeit der Individuen aus, für die es gedacht war.

Cäcilia Fluck (2017)


SMB-digital steht unter einer
Creative Commons Namensnennung-Nicht-kommerziell-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz.
Über diese Lizenz hinausgehende Erlaubnisse können Sie bei der bpk-Bildagentur
unter www.bpk-bildagentur.de erhalten.